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Spielzeit 1947/48

Premiere zwischen Borsigplatz und Lindenbruch: Oberliga West

Die Oberliga West startet ohne einen ausgesprochenen Favoriten. Im ersten Vierteljahr wechseln die Tabellenführer alle zwei Wochen. Die Spielvereinigung Erkenschwick, Rot-Weiß Oberhausen, Borussia Dortmund, Fortuna Düsseldorf, Hamborn 07 und die Sportfreunde Katernberg sorgen aber nicht nur für ein abwechslungsreiches Ligabild, sie treiben auch die durchgehend auf Fahrräder, Fußwege oder angemietete Lastwagen angewiesenen Zuschauer massenhaft in die Arenen. Fast 1,1 Millionen kommen zu den 156 Spielen, was einem Schnitt von rund 14.000 Zuschauern pro Spiel entspricht.

Die Überraschungsmannschaft aber heißt Sportfreunde Katernberg. Als relativ unbeschriebenes Blatt gestartet, holt sich die Knappenelf aus dem Essener Norden die Halbzeitmeisterschaft und lehrt auf dem für sein fanatisches Publikum berüchtigten Aschenplatz (die Rasenplatz-Vorschrift trat erst mit Beginn der nächsten Saison in Kraft) am Lindenbruch die westliche Kickerelite das Fürchten.

Drei Monate verteidigen Konrad, Harkener, Majewski, Penting & Co. ihre Tabellenführung vor der Dortmunder Borussia und den übrigen Bewerbern, von denen Fortuna Düsseldorf zurückfällt, dafür aber STV Horst, Hamborn 07, Rot-Weiß Oberhausen und Altmeister Schalke 04 langsam aufkommen. Als die Katernberger Anfang März im Oberhausener Niederrheinstadion mit 2:5 unterliegen und gleichzeitig die Dortmunder Borussen mit ihrem großen Star und Torjäger August Lenz die TSG Vohwinkel mit 5:0 nach Hause schicken, erfolgt die kaum noch erwartete Wachablösung. Mit zwei Punkten Vorsprung gehen die Mannen vom Borsigplatz als erster Meister der Oberliga West in die Geschichte ein.

Auch außerhalb des Rasens beschäftigen die Katernberger das Ligageschehen. Der „Fall Penting“ – ein Prototyp für die auch in den nächsten Jahren immer wieder vorkommenden Vereinszwiste um die Spielberechtigung angeblich abgeworbener Kicker – sorgt zunächst für viel Aufregung und einen Katernberger Acht-Punkte-Abzug, ehe die ganze Angelegenheit nach einem Instanzenirrtum ausgeht wie das Hornberger Schießen.

Das Tabellenende bleibt schon nach dem dritten Spieltag fest in der Hand des chancenlosen VfL Witten. Für die 1945 in der Bezirksklasse gestartete Elf, die im folgenden Jahr ihren feuerroten und brandgefährlichen Stürmerstar, den „blauen“ Steinforth, an Borussia Dortmund verliert, sollte es das einzige Gastspiel in der Oberliga bleiben.

Weitaus spannender machen die Abstiegsfrage Preußen Dellbrück und Vohwinkel 80. Punktgleich zum Saisonabschluss, liefern sich die beiden Clubs jene legendäre Marathonentscheidung, die erst im vierten Spiel durch ein Tor des Halbrechten Weiß zugunsten der Vohwinkeler entschieden wird.

 

1948katernberg bild

 

Endrunde um die Deutsche Meisterschaft 1948

Das erste Mal nach dem Krieg sollte wieder über die militärischen Besatzungszonen hinweg eine gesamtdeutsche Meisterschaft ausgetragen werden. In der britischen Zone spielten die jeweils vier besten Mannschaften der Oberliga West und Nord zwei Teilnehmer für die geplante Endrunde um die Deutsche Meisterschaft aus. Dabei dominierten überraschend die Nordklubs und kein Westverein zog in die Endrunde ein. Auch die gesamtdeutschen Meisterschaftspläne scheiterten. Die am 21. Juni 1948 in den drei Westzonen durchgeführte Währungsreform führte zu heftigen politischen Spannungen zwischen West und Ost, und das fußballerische Resultat dieses eskalierenden „Kalten Krieg“ waren schließlich zwei Deutsche Meister: der 1. FC Nürnberg für die Westzonen und SG Planitz im Osten.