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revierkick

Spielzeit 1948/49

Als Schalke absteigen sollte, hatte man eine Idee

Fußball verkehrt: Die Oberliga geht ins zweite Jahr und guckt fast nur nach unten! Zu einsam ziehen die Dortmunder Borussen in dieser Saison ihre Meisterschaftskreise, als dass sich so etwas wie Titelspannung hätte entwickeln können. Zur Halbzeit der Liga noch ungeschlagen mit 21:3 Punkten, können die Mannen um Torschützenkönig Adi Preißler ihren Punktevorsprung zum Ende hin sogar auf acht Punkte vor dem überraschend starken Aufsteiger und späteren Vize Rot-Weiss Essen ausbauen. Für die Borussen bedeutet das nach ihrem frühen Aus in der letztjährigen Zonenmeisterschaft die erste direkte Beteiligung an der Endrunde zur Deutschen Meisterschaft, in der sie zwar prompt das Endspiel erreichen, sich dort jedoch dem VfR Mannheim in der Verlängerung nur sehr unglücklich mit 2:3 geschlagen geben müssen.

Die fehlende Spannung an der Tabellenspitze wird in der Saison 1948/49 von dem verzweifelten Abstiegskampf der Altmeister Schalke 04 und Fortuna Düsseldorf bestens ersetzt. Für die Schalker ist es das schwärzeste Jahr seit 1925. In einer Zeit, die das Zauberwort „Heimkomplex“ noch nicht erfunden hat, lassen nur zwei Siege in zwölf Heimspielen die früher uneinnehmbare Glückaufkampfbahn Trauer tragen. Die rheinische Fortuna hat im November 1948 ihren absoluten Tiefpunkt, als sie vor 17.000 zutiefst enttäuschten Fans am Flinger Broich gegen die übermächtige Dortmunder Borussia gleich sieben Treffer kassiert.

Dass beide Traditionsvereine ihren Umschichtungsprozess zwischen jung und alt (Ernst Kuzorra ist schon 43 Jahre alt (!), als er sich am 16.1.1949 gegen Rhenania Würselen zum letzten Mal das Schalker Trikot überzieht) nicht verkraften und am Ende sichere Absteiger werden, gleicht einer mittleren Katastrophe. Denn die Einführung des Vertragsfußballs steht vor der Tür, nachdem der Süden diesen bereits im Vorjahr vollzogen hatte. Um konkurrenzfähig zu bleiben, muß der Westen folgen, ob er will oder nicht. Und ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt sollte man ohne die beiden trotz der Doppelmeisterschaft von Borussia Dortmund renommiertesten westdeutschen Clubs in das neue Kickerzeitalter starten? Wochenlang, ja monatelang knobelt man herum, bis endlich die rettende Idee kommt: Aufstockung der Eliteliga auf 16 Vereine! Eine Chance auch für das völlig abgestürzte Schlusslicht Katernberg, das nach der letztjährigen Vizemeisterschaft einen herben Rückfall erlebt. Die Legende erzählt, dass man am Lindenbruch mit der Umstellung vom Asche- zum Rasenplatz nicht fertig wurde.

In einer aus dem Boden gestampften Qualifikationsrunde müssen sich die drei vermeintlichen Absteiger mit den Zweiten und Dritten der Bezirke Westfalen, Niederrhein und Mittelrhein um die neu errichteten Oberliga-Plätze streiten. Bis Ende August dauern die Ausscheidungen, nur Schalke 04 – mit ihren Anfang April direkt aus der Gefangenschaft in die Eliteelf gestürmten Hermann Eppenhoff und Walter Zwickhofer – schafft es. Als die dritte Spielzeit der Oberliga West beginnt, schreibt man bereits den 11. September 1949.

 

Endrunde um die Deutsche Meisterschaft 1949

Schon vor der Endrunde war eine weltpolitische Entscheidung gefallen: Mit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland am 23. Mai 1949 war der Traum einer gesamtdeutschen Meisterschaft passé. In der Oberliga West behauptete Borussia Dortmund eindrucksvoll die Spitzenposition und ging ambitioniert in die Endrunde, wo es die Mannschaft bis in ein dramatisches Finale schaffte (Ý Große Erfolge). Rot-Weiss Essen, der zweite Vertreter des Westens, scheiterte in der Qualifikationsrunde gegen die zu dieser Zeit durch zahlreiche Ex-Dresdnern verstärkte „Wunderelf“ des FC St. Pauli.

 

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