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Spielzeit 1949/50

Borussias Hattrick und Dellbrücker Jubelchöre

Das Vertragszeitalter beginnt mit einem Jahr Verspätung nun auch im Westen offiziell und die ersten Scharmützel zwischen Spielern und Vereinen und zwischen den Vereinen untereinander beginnen. Max Michallek lässt sich in Dortmund vielfach bitten, bevor er seinen Vertrag wiederum „nur“ für ein Jahr verlängert. Besonders Amateurvereine wie Adler Frintrop und 1.FC Borbeck fürchteten eine regelrechte Odyssee. Ihre „guten“ Spieler drohten alle für ein kleines Handgeld in den Vertragsfußball abzuwandern. Für Aufruhr sorgt die am vorletzten Spieltag durchsickernde Nachricht, dass die Emscher-Husaren zur nächsten Saison vier Stammspieler an Borussia Dortmund verlieren würden. Erst in der kommenden Saison wird sich die Angelegenheit ausweiten und zum „Fall Meinsen“ werden.

Ansonsten: „Im Westen nichts Neues“. Oder doch? Obwohl Borussia Dortmund am Ende der Saison 1949/50 den Meisterschafts-Hattrick vollendet, wird der zweite Platz von Preußen Dellbrück als das herausragende Ereignis bezeichnet. Nach dem Abschluss der Qualifikationsrunde für das neue 16er-Oberligafeld waren Arminia Bielefeld, Duisburg 08, 1.FC Köln, Duisburger SV und eben Preußen Dellbrück zu den verbleibenden elf Vereinen gestoßen. Der alljährlich veränderte Abstiegsmodus sieht diesmal aufgrund der zweigleisig eingeführten II. Division gleich vier Abstiegsplätze vor, von denen Rhenania Würselen, Vohwinkel 80, Arminia Bielefeld und Duisburg 08 schließlich weinend Gebrauch machen.

Die Dortmunder haben es schwerer als in den Jahren zuvor, und gleich zu Beginn gibt’s vom späteren Herbstmeister STV Horst eins auf die Nase. Im Stadion an der Fürstenbergstraße, in jenen Tagen noch mit dem so genannten „Starenkasten“ einer kümmerlichen Holztribüne mit vielleicht 70 bis 80 Personen Fassungsvermögen, die dann später abbrennt und einem neuen Tribünenbau Platz macht – verlieren die Borussen nach der einige Wochen zurückliegenden Endspielniederlage gegen den VfR Mannheim auch das erste Punktspiel. Die Horster, bei denen Klodt, Sense, Kelbassa, Möckel und Sahm den Ton angeben, bleiben auch weiterhin der ernsthafteste Borussen-Konkurrent, während sich Preußen Dellbrück, Rot-Weiss Essen und der 1.FC Köln immer weiter nach vorne schieben. Charakteristisch für die Herbstserie ist das Aufkommen der beiden Kölner Vereine, von denen schließlich die Dellbrücker Preußen am Ende die zweite und die Geißböcke die fünfte Stelle belegen. Die seit Bestehen der Oberliga erste Heimniederlage der Dortmunder bewerkstelligen denn auch die Dellbrücker. Es ist die Zeit, in der Preußen-Keeper Fritz Herkenrath mit seiner „Soldatenmütze“ überall im Westen bekannt wird.

 

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Endrunde um die Deutsche Meisterschaft 1950

Der Süden und der Westen – regionale Rivalitäten noch bevor sich die erste deutsche Nationalmannschaft nach dem Krieg bildete. Zur Neuauflage des Vorjahresendspiels kam es bereits im Achtelfinale, und wieder musste der souveräne Westmeister Borussia Dortmund gegen den VfR Mannheim die Segel streichen. Da war es bald keine Frage mehr, wo zu Beginn des deutschen Wirtschaftswunders der schönste Fußball gespielt wurde. Im Halbfinale der Deutschen Meisterschaft waren die Südvertreter unter sich – bis auf eine Mannschaft, die wirklich niemand auf der Rechnung hatte: Preußen Dellbrück, Aufsteiger und Vizemeister der Oberliga West. Im Halbfinale kam es zu jener spektakulären Sonnenschlacht gegen die Offenbacher Kickers, die, obwohl sie nach 120 Minuten torlos endete, überall aufhorchen ließ. Schließlich schieden die Preußen erst im Wiederholungsspiel aus.