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revierkick

Spielzeit 1950/51

Ein 100.000-Mark-Sturm und Schalkes Wiederauferstehung

Es gibt Jahre, die haben’s in sich. Nicht nur die leidige Auf- und Abstiegsfrage wird mal wieder diskutiert und geändert. Der vierfache Auszug der Leder-Gladiatoren aus der Oberliga-Arena scheint den meisten doch zu hart und wird auf die beiden Letzten reduziert. Allerdings müssen sich der 13. und 14. der Oberliga mit den beiden Zweiten der 2. Liga messen. Für die Kleeblätter aus Oberhausen ein schwacher Trost: Sie scheitern in der Qualifikationsrunde und müssen den Neulingen von Schwarz-Weiß Essen den Vortritt lassen.

Auch der Endrunden-Modus verkleinert die Teilnehmerzahl auf die ersten beiden der Oberligen West, Nord, Süd sowie die Meister aus Berlin und Südwest, ermittelt die Finalisten in neuartigen Gruppenspielen.

Doch im Westen spricht alles eigentlich noch von der letzten Saison. Die war mit einem Paukenschlag beendet worden, als bekannt wurde, dass die Horster Spieler Sahm, Mikuda, Wischner und Wieding zur Dortmunder Borussia wechseln würden. Darlehen, Handgelder, Wohnungs- und Arbeitsplatzwechsel, Beschaffung von Möbeln usw. sind die Gründe, die dazu führen, dass man von „sensationellen Veränderungen“ dieser Spieler spricht. Der Wechsel bringt ein längere Zeit gespanntes Verhältnis zwischen den Vereinen. Vor der Spruchkammer werden die Spieler mit Ausnahme von Sahm bis Ende November gesperrt. Dortmund muß umstellen. In den ersten beiden Spielberichten taucht der Kicker Meinsen auf. Doch Meinsen hat, wie später durchsickert, nur durch eine gefälschte Abmeldebescheinigung die Spielberechtigung erhalten. Der „Fall“ kommt selbst vor die ordentlichen Gerichte, Meinsen wird bis 1953 gesperrt und die Borussia mit Punktabzug bestraft.

Sportlich ist es das Jahr von Schalke 04 und Preußen Münster. Während sich die von Fritz Szepan trainierten Kreisel-Söhne zur Überraschung aller die Meisterschaft holen und die jahrelang verbüßte Trauer, nur Mittelmaß im Revier zu sein, abschütteln, macht im westfälischen Münster der so genannte 100.000- Mark-Sturm von sich reden. Die ehemaligen Dortmunder Adi Preißler und Rudi Schulz, deren Abgang die Borussen wohl die erneute Meisterschaft kostet, der Oldenburger „Fiffi“ Gerritzen, der Ex-Erkenschwicker „Sigi“ Rachuba und Studentennationalspieler Jupp Lammers zeigen in dieser Saison wohl das schönste Kombinationsspiel in ganz Deutschland – auch wenn sie niemals diese 100.000 Mark gekostet haben.

Im Herbst 1950 hängen die Legenden Ernst Kuzorra und Fritz Szepan mit ihrem Abschiedsspiel gegen den brasilianischen Meister Belo Horizonte endgültig ihre Fußballschuhe an den berühmten Nagel. 40.000 Zuschauer schwelgen noch einmal in Erinnerung an den berühmten Schalker Kreisel. Aber natürlich spricht man in der Saison auch noch von ganz anderen Dingen. Beispielsweise vom ersten Nachkriegsländerspiel mit dem Siegtor des Ex-Schalkers Herbert Burdenski oder von den zwei Anzugstoffen, die dem Schiedsrichter Fritz Kaplan vor dem Spiel Aachen – Hambom 07 vor seiner Haustür angeboten werden und den Fußballobmann der Alemannia den Job kosten. Oder von einem Kölner Spieler namens Hennes Weisweiler, der in Duisburg vom Platz fliegt und seine vierwöchige Sperre achselzuckend kommentiert: „Isch han de Schiri jesaat, er wär ne A … loch!“

 

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Endrunde um die Deutsche Meisterschaft 1951

Die Rückkehr zum Vorkriegssystem: die Endrunde wurde wieder in Gruppenspielen ausgetragen. Mit Schalke 04 und Preußen Münster sorgten endlich auch wieder die Westvereine für Aufsehen. Allerdings katapultierten sich die Knappen bereits am ersten Spieltag aus dem Rennen. Die 0:1-Heimniederlage gegen FC St. Pauli war letztlich nicht mehr zu kitten. Der Sieg über die Lauterer mit den Brüdern Ottmar und Fritz Walter am letzten Spieltag zählte nur noch für das Prestige. In Gruppe 2 lieferte sich Preußen Münster ein packendes Duell mit dem 1.FC Nürnberg. Am letzten Spieltag schien alles zugunsten der Franken zu laufen. Nach 70. Minuten führten sie souverän mit 4:1 gegen den HSV, während es zwischen Tennis Borussia Berlin und Münster 2:2 stand. Dann aber schlug der sagenumwobene Preußensturm innerhalb der letzten 18 Minuten sage und schreibe sechs Mal zu. Mit dem 8:2-Kantersieg qualifizierte sich Preußen Münster mit einem um sieben Hunderstel besseren Torquotienten gegenüber dem 1.FC Nürnberg (1,38 zu 1,31) für das Finale. Dort zerstörte Ottmar Walter schließlich mit zwei Toren alle Preußen Hoffnungen auf den Meisterschaftstriumph.