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Spielzeit 1952/53

Was ist eine Bundesliga?

Tatsächlich, schon zehn Jahre vor der endgültigen Verwirklichung wird über ein Projekt namens „Bundesliga“ nachgedacht. Franz Kremer, der mächtige Kölner im Neunerausschuss des DFB, erläutert auf einer Tagung des Westdeutschen Fußballverbands die Frage einer bundesweiten Eliteliga. Erstmal in zwei Gruppen (Süd/Südwest und Nord/West/Berlin) soll sie sich bewähren und vielleicht schon ab 1954 starten!

Derweil beginnt der erste Oberliga-Spieltag erfrischend real. An jenem schönen Augustsonntag sehen 145.000 Zuschauer 47 Tore. Sechs davon fallen am Katernberger Lindenbruch, wo die frenetisch angefeuerte Heimmannschaft den 0:3-Pausenrückstand gegen Preußen Münster binnen zehn Minuten wettmacht. Auch am Erkenschwicker Stimberg ist man über den 2:2-Saisonauftakt in Sodingen zufrieden. Monate später stehen Katernberg und Erkenschwick als Absteiger fest. Mit ihnen verabschieden sich zwei Mannschaften der ersten Stunde für immer.

Ganz andere Sorgen haben die Essener Rot-Weißen im Spiel gegen ihre schwarz-weißen Lokalkonkurrenten. In der 36. Minute zieht der schwarz-weiße Müller ab, der Ball landet, zusammen mit dem eifrigen Kollege Friesenhagen im Netz. Als sich RWE-Keeper Fritz Herkenrath umdreht, ragt nur noch ein einsamer Torpfosten aus dem regentiefen Rasen. Auch die dringendst ausgerufenen Handwerker stehen hilflos vor der Ruine. Nach den damals gültigen Regeln wird das Spiel abgebrochen, was den Kassierern, die gerade emsig die Einnahmen zählen, wüste Verwünschungen und den Verbandstagen hitzige Diskussionen um die Frage nach bereitstehenden Ersatzgehäusen einbringt.

Eine Funktionärsfrage ganz anderer Tragweite ist der „Fall Buhtz-Spikofski“. Als Prototypen späterer Legionärsgenerationen haben sowohl Buhtz (früher VfB Mühlburg) als auch der ehemalige Leverkusener Spikofski für die laufende Saison beim AC Turin, der bei einem Flugzeugunglück seine gesamte Mannschaft verloren hat und für’s Kicken ein Mehrfaches zahlt, unterschrieben. Der dort auf sie wartende Trainer kommt ebenfalls von den Bayer-Werken und wird – auch hier kündigt sich die Blüte einer zukünftig florierenden Geschäftspraxis an – wegen angeblicher Spielervermittlung in seiner Heimat heftig attackiert: Raymond Schwab. Ein Eklat bahnt sich an, als der DFB die Drei-Mann-Expedition sperrt. Erst nach Interventionen von seiten der Italiener, die sogar ihre Botschaft in Bonn bemühen, lenken Peco Bauwens & Co. ein: „Im Interesse einer guten Freundschaft mit Italiens Fußball.“

Natürlich gibt es auch in diesem Jahr einen Meister, der in einem harten Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Borussia Dortmund und dem 1. FC Köln ermittelt wird. Den von Helmut Schneider trainierten Rheinländern, zur Halbzeit mit 27:3 Punkten noch überlegener Tabellenerster, geht in der zweiten Serie spürbar die Luft aus, der BVB kämpft sich Punkt für Punkt heran und übernimmt erst am 21. Spieltag endgültig den Platz an der Ligasonne.

Am 1. Mai 1953 hat der Fußball-Westen seinen bundesweiten Höhepunkt. Im erstmals nach dem Krieg wieder ausgespielten DFB-Pokal schlägt Rot-Weiss Essen die Aachener Alemannia mit 2:1. (Ý Große Erfolge)

 

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Endrunde um die Deutsche Meisterschaft 1953

Borussia Dortmund mit Rückkehrer Adi Preißler avancierte zur wohl unglücklichsten Mannschaft der Endrunde. Über fünf Wochen hinweg führten die Westfalen die Tabelle der Gruppe 2 an, um sich am letzten Spieltag im ausverkauften Neckarstadion dem VfB Stuttgart mit 2:1 geschlagen geben zu müssen. Beide Mannschaften hatten nun 10:2 Punkten, aber der VfB zog mit dem besseren Torquotienten (2,67 zu 2,43), der damals nach dem üblichen Divisionsverfahren ermittelt wurde, in das Finale ein. Dort allerdings wartete mit dem 1.FC Kaiserslautern ein übermächtiger Gegner. Nach dem 4:1-Sieg der Pfälzer schrieb der „Kicker“ von „einer der glanzvollsten Meistermannschaften aller Zeiten“ mit einem überragenden Fritz Walter. Und Bundestrainer Sepp Herberger hatte den Grundstock seiner Nationalelf gefunden, die Deutschland durch die Qualifikation in die Schweiz zur ersten WM-Teilnahme nach dem Krieg bringen sollte.