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Spielzeit 1962/63

Wer kommt in den Fußball-Himmel?

Die letzte Oberliga-Saison hat eigentlich nur einen Namen: Bundesliga-Qualifikation. Alles schielt schon ein Jahr weiter. Vielleicht verabschieden sich deshalb die Nationalmannschafts-Kicker nach einer 0:1-Niederlage gegen Jugoslawien bereits im Viertelfinale von der Weltmeisterschaft in Chile.

Schon länger bleibt dagegen Borussia Dortmund im Gespräch. Der BVB gewinnt zwar am ersten Spieltag gleich mit dem Rekord-Ergebnis von 11:1 gegen den TSV Marl-Hüls, steht aber schon bald vor einem Rätsel namens „Sully“ Peters. Der Borussen-Stürmer steigt im August 1962 in ein Kasseler Feinkostgeschäft ein, wird prompt gefasst und gibt sich als Freddy Schulz aus, bevor er anhand seines Spielerpasses (!) identifiziert wird. Die gesamte Oberliga-Welt fragt sich aber: „Warum in Kassel?“ Dunkle Hintermänner werden gesucht und nicht gefunden. Derweil versucht Peters’ Verteidiger Bemerkenswertes: Sein schon vorbestrafter Mandant sei aufgrund einer im Endrundenspiel gegen den Hamburger SV (das war, wohlgemerkt, im Sommer 1961!) erlittenen Verletzung „nicht im Besitze seiner geistigen Kräfte gewesen“.

Kurios geht’s auch in den Punktspielen zu. Als gelte es sich für die Eishockey-Bundesliga zu qualifizieren, schlägt Marl-Hüls beim 6:2 gegen Oberhausen nun seinerseits zu, feiert die Kölner Viktoria Kantersiege gegen Herne (7:2), Düsseldorf (7:3) und Schalke (6:4), üben die Dortmunder beim 5:0 in Meiderich und 6:0 gegen Oberhausen den Dauerjubel, versucht der 1. FC Köln beim 6:0 gegen Oberhausen und 4:5 in Leverkusen den eindrucksvollen Beweis, dass nichts unmöglich ist.

Dabei weiss eigentlich jeder um die letzte Chance, zittern alle hauptsächlich vor einer Entscheidung: Wer kommt in den Fußballhimmel? Nicht weniger als 40 Vereine beantragen die Aufnahme in die 16er Bundesliga! Nur drei der insgesamt fünf teilnahmeberechtigten Westvereine wissen frühzeitig, dass sie dazugehören: Der 1. FC Köln und Borussia Dortmund, die sich in diesem Jahr in einem rein westdeutschen Victoria-Finale gegenüberstehen, und Schalke 04, wo ein sichtlich gelöster Spielausschussvorsitzender namens Ernst Kuzorra nach dem 4:6 bei Viktoria Köln die schwächste Hintermannschaft aller Spitzenclubs verteidigt: „Was heißt schon 24 Gegentore? Wir wollen doch wieder Fußball spielen und den Zuschauern etwas bieten.“ Der Rest der Liga allerdings muß schweigen und gewinnen.

Dennoch ist bis kurz vor dem endgültigen Oberliga-Aus keine Entscheidung gefallen. Das liegt weniger an dem harten, so gut wie „unbespielbaren“ Winter (der zum Beispiel dazu führt, dass Westfalia Herne dreieinhalb Monate lang kein einziges Heimspiel austrägt) als an der Tatsache, dass man beim DFB völlig im Trüben fischt. Die letzten zwölf, zehn oder fünf Jahre, wirtschaftliche oder sportliche Bilanzen, welches sind die Kriterien der chaotisch arbeitenden Bundesliga-Kommission? Als man schließlich Preußen Münster und den Meidericher SV auswählt, ist besonders der „ewige“ Oberligist Alemannia Aachen erbost. Doch dessen Protest wird erst abgewiesen, als die Bundesliga schon in die elfte Runde geht.

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Endrunde um die Deutsche Meisterschaft 1963

Der Abschied stand schon im Schatten des Kommenden: Der 1.FC Köln holte zum vierten Mal in Folge die Westmeisterschaft und stellte damit zum Ende der Oberliga West noch einen Rekord auf. Der amtierende Meister ging auch als Favorit in die letzte Endrunde, denn schließlich war kein Klub in der Bundesrepublik „so bereit“ für die Bundesliga wie der „1. FC“ des Franz Kremer. Mit 29 Treffern stellte man auch gleich noch einen Endrundentorrekord auf. In Gruppe 2 mischte der TSV 1860 München mit viel Elan kräftig an der Spitze mit, und Spielertypen wie Rudi Brunnenmeier und Radi Radenkovic belebten das Geschehen. Nur spielten die Löwen einfach nicht konstant genug. Am Ende gab es gegen die routinierten Dortmunder in der Kampfbahn Rote Erde sogar eine deftige 0:4-Packung. Den direkten Torjäger-Vergleich zwischen Timo Konietzka und Rudi Brunnenmeier gewann der Dortmunder klar mit zwei Treffern. In einem reinen West-Endspiel siegten die Borussen ein wenig überraschenden gegen den 1.FC Köln mit 3:1 (Ý Große Erfolge), aber von allen Nachkriegsmeisterschaften wurde die Meisterschaft 1963 vielleicht am wenigsten wahrgenommen, denn alle redeten nur von der kommenden Bundesliga.

Die Bundesliga

Die Wiege der Bundesliga, sie stand im Revier. Am 28. Juli 1962 um 17.14 Uhr entschied ein „Hammelsprung“ beim DFB-Bundestag im Dortmunder Hotel Westfalenhalle darüber, dass zukünftig statt fünf Oberligen eine bundesweite höchste Spielklasse eingeführt werden sollte. Die Bundesliga wurde schnell zum Lieblingskind der deutschen Männer (und mittlerweile auch vieler Frauen). Mit der Einführung der Eliteklasse war es auch nur ein paar Jahre, mancherlei moralischer Debatten und Skandale weit, bis die Spieler zu Profis erklärt wurden und der „freie Markt“ die Kräfte auch im Spitzenfußball regulieren sollte. Zuvor hatte es allerdings viel Stress gegeben, wer denn von Beginn an der 16er-Liga angehören durfte. Das Revier war zum Start mit drei Teams vertreten: Schalke 04 und Borussia Dortmund - der letzte Oberliga-Meister - waren unumstritten. Am Meidericher SV schieden sich aber die Geister, wobei gerade die graue Maus aus der Montanstadt mit der Vizemeisterschaft in der Premierensaison 1963/64 für die erste große Überraschung der Bundesliga-Geschichte sorgen sollte.

Die Begeisterung über die Königsklasse des deutschen Fußballs kühlte in den letzten vierzig Jahren im Revier nur gelegentlich ab: Nach Aufdeckung des Bestechungsskandals Anfang der siebziger Jahre verbuchten auch die Vereine aus dem Ruhrgebiet die schlechtesten Zuschauerzahlen überhaupt. Doch die WM 1974 im eigenen Land ließ den Mantel des Vergessens über dieses tief traurige Kapitel fallen. In den achtziger Jahren als eine schreiende Überlegenheit der Münchener Bayern die gesamte Liga lähmte und zudem noch etliche Traditionsvereine des Reviers in den Niederungen der Zweit- und Drittklassigkeit zu versinken drohten, gab es ebenfalls stark rückläufige Zuschauerzahlen. Doch ein neuerlicher Boom seit dem WM-Gewinn von 1990 hält bis heute an. Beinahe jährlich werden neue Zuschauerrekorde vermeldet, und mit Dortmund und Schalke stehen seit Jahren zwei Reviervereine unangefochten an der Spitze der Zuschauergunst. Dies ist um so erstaunlicher als die ganz großen Erfolge für Dortmund, Schalke und Co. lange auf sich warten ließen. Zahlenmäßig war das Revier zwar teilweise mit bis zu fünf Vereinen in der Eliteliga vertreten, aber die Titel räumten die Klubs von Rhein, Isar, Weser oder Elbe ab. Oft fehlte nicht viel, doch erst 1995 sorgte der Titelgewinn des BVB nach 32 Jahren „Dürre“ für Jubel und Solidarität im Revier. „Ruhrpott“ hallt es seitdem immer wieder durch die Stadien, auch wenn die Rivalität untereinander für viele das Salz in der hiesigen Bundesligasuppe sind.

Alle Vereine erlebten Höhen und Tiefen. Dortmund musste vier Jahre das harte Brot der Regionalliga kauen. Schalke stieg in den achtziger Jahren drei Mal ab. Und der VfL Bochum, der sich schon für „unabsteigbar“ hielt, entwickelte sich in den neunziger Jahren zum wahren Fahrstuhlklub. Sogar bis in die Drittklassigkeit reichte der tiefe Fall des MSV Duisburg, aber rechtzeitig zum Erscheinen dieses Bandes melden sich die „Zebras“ in der Eliteklasse zurück. Davon können RW Essen, RW Oberhausen und Wattenscheid 09 derzeit nur träumen. Vielleicht bleiben ihre Auftritte nur Randnotizen in der großen Chronik der Bundesliga, doch für sie selbst und ihre Anhängerschaft bedeuten die kurzen Gastspiele im Kreis der Besten Sternstunden der Vereinsgeschichte.

Titelbild bundesliga bild

 

Die Wiege der Bundesliga, sie stand im Revier. Am 28. Juli 1962 um 17.14 Uhr entschied ein „Hammelsprung“ beim DFB-Bundestag im Dortmunder Hotel Westfalenhalle darüber, dass zukünftig statt fünf Oberligen eine bundesweite höchste Spielklasse eingeführt werden sollte. Die Bundesliga wurde schnell zum Lieblingskind der deutschen Männer (und mittlerweile auch vieler Frauen). Mit der Einführung der Eliteklasse war es auch nur ein paar Jahre, mancherlei moralischer Debatten und Skandale weit, bis die Spieler zu Profis erklärt wurden und der „freie Markt“ die Kräfte auch im Spitzenfußball regulieren sollte. Zuvor hatte es allerdings viel Stress gegeben, wer denn von Beginn an der 16er-Liga angehören durfte. Das Revier war zum Start mit drei Teams vertreten: Schalke 04 und Borussia Dortmund - der letzte Oberliga-Meister - waren unumstritten. Am Meidericher SV schieden sich aber die Geister, wobei gerade die graue Maus aus der Montanstadt mit der Vizemeisterschaft in der Premierensaison 1963/64 für die erste große Überraschung der Bundesliga-Geschichte sorgen sollte.

Die Begeisterung über die Königsklasse des deutschen Fußballs kühlte in den letzten vierzig Jahren im Revier nur gelegentlich ab: Nach Aufdeckung des Bestechungsskandals Anfang der siebziger Jahre verbuchten auch die Vereine aus dem Ruhrgebiet die schlechtesten Zuschauerzahlen überhaupt. Doch die WM 1974 im eigenen Land ließ den Mantel des Vergessens über dieses tief traurige Kapitel fallen. In den achtziger Jahren als eine schreiende Überlegenheit der Münchener Bayern die gesamte Liga lähmte und zudem noch etliche Traditionsvereine des Reviers in den Niederungen der Zweit- und Drittklassigkeit zu versinken drohten, gab es ebenfalls stark rückläufige Zuschauerzahlen. Doch ein neuerlicher Boom seit dem WM-Gewinn von 1990 hält bis heute an. Beinahe jährlich werden neue Zuschauerrekorde vermeldet, und mit Dortmund und Schalke stehen seit Jahren zwei Reviervereine unangefochten an der Spitze der Zuschauergunst. Dies ist um so erstaunlicher als die ganz großen Erfolge für Dortmund, Schalke und Co. lange auf sich warten ließen. Zahlenmäßig war das Revier zwar teilweise mit bis zu fünf Vereinen in der Eliteliga vertreten, aber die Titel räumten die Klubs von Rhein, Isar, Weser oder Elbe ab. Oft fehlte nicht viel, doch erst 1995 sorgte der Titelgewinn des BVB nach 32 Jahren „Dürre“ für Jubel und Solidarität im Revier. „Ruhrpott“ hallt es seitdem immer wieder durch die Stadien, auch wenn die Rivalität untereinander für viele das Salz in der hiesigen Bundesligasuppe sind.

Alle Vereine erlebten Höhen und Tiefen. Dortmund musste vier Jahre das harte Brot der Regionalliga kauen. Schalke stieg in den achtziger Jahren drei Mal ab. Und der VfL Bochum, der sich schon für „unabsteigbar“ hielt, entwickelte sich in den neunziger Jahren zum wahren Fahrstuhlklub. Sogar bis in die Drittklassigkeit reichte der tiefe Fall des MSV Duisburg, aber rechtzeitig zum Erscheinen dieses Bandes melden sich die „Zebras“ in der Eliteklasse zurück. Davon können RW Essen, RW Oberhausen und Wattenscheid 09 derzeit nur träumen. Vielleicht bleiben ihre Auftritte nur Randnotizen in der großen Chronik der Bundesliga, doch für sie selbst und ihre Anhängerschaft bedeuten die kurzen Gastspiele im Kreis der Besten Sternstunden der Vereinsgeschichte.

Das Revier in der 1. Liga

Ausgerechnet das erste Jahr wird das erfolgreichste in der langen Bundesliga-Geschichte des späteren MSV Duisburg. Dabei ist es für die Fans längst keine ausgemachte Sache, dass die Duisburger überhaupt zum erlauchten Kreis der 16 Premiere-Teams gehören.„Boß“ Rahn schnürt die Stiefel in der Stadt Montan, wird allerdings vor allem als erster „Platzverweis“ der Liga in die Geschichtsbücher eingehen. Dazu haben sie mit Jung-Coach Rudi Gutendorf einen Tüftler an der Seitenlinie. „Riegel-Rudi“ nennen sie ihn am Ende, weil er es versteht, eine Taktik zu entwickeln, die vor dem Gehäuse von Keeper Manglitz einen schwer zu knackenden „Riegel“ aufbaut.

Die Dortmunder rennen von Beginn an den Kölnern, die sie im letzten Finale 1963 noch 3:1 besiegen konnten, hinterher. Und als sie am 17. Spieltag auf dem glatten Rasen des Stadions an der Grünwalder Straße gegen 1860 München mit 1:6 ausrutschen, ist der Traum von der Meisterschaft früh ausgeträumt. Ausgerechnet drei Tage nachdem der BVB in einer rauschenden Europapokalnacht die Ballkünstler von Benfica Lissabon mit 5:0 aus dem Stadion Rote Erde geschickt hatte. So launisch zeigt sich das mit Stars gespickte schwarz-gelbe Ensemble noch mehrfach in dieser Saison. Lediglich auf ihre Tormaschinen, Lothar Emmerich und Timo Konietzka, ist eigentlich immer Verlass. Zusammen bringen es beide auf 36 Tore in 30 Spielen.

Mit einem mit Nationalspielern und hoffnungsvollen Talenten randvollen Kader gehört Schalke 04 zu den ersten Titelanwärtern der Bundesliga-Geschichte. Und am Anfang erfüllen die Königsblauen auch die Erwartungen. Gemeinsam mit dem 1.FC Köln führen sie die Tabelle an und werden auch Hinrunden-Vizemeister. Querelen hinter den Kulissen und ein unerklärlicher Leistungsabfall vor allem der arrivierten Stammspieler führen Schalke aber in der Rückrunde in die Krise. Der fällt zunächst Coach Georg Gawaliczek zum Opfer. Abgelöst wird er im April 1964 von einem harten Hund. Fritz Langner soll Schalke zurück auf den Erfolgsweg führen. Doch dem „General“, wie er genannt wird, fehlen die „Soldaten“. Schalke rutscht immer tiefer in den sportlichen und auch wirtschaftlichen Sumpf. Was der achte Platz am Ende schwerlich vertuschen kann.

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