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revierkick

Spielzeit 1965/66

Borussia fast mit dem Doppel-Triumph

Mit einer ganz besonderen Verstärkung für die Bank will die Borussia endgültig in der Bundesliga nach den Sternen greifen. Bremens „Meistermacher“ Willi Multhaup kehrt zurück in den Westen, übernimmt den Trainerjob beim BVB. Fast hätte er seinen persönlichen Titel auch beim neuen Verein verteidigen können. Aber am Ende haben die Münchener „Löwen“ die Nase vorn. Am 32. Spieltag gewinnen sie das „Endspiel“ in Dortmund mit 2:0. Doch drei Tage zuvor hatten die Borussen bereits einen ganz großen Erfolg gelandet und mit einem 2:1-Sieg gegen den FC Liverpool in Glasgow den Europapokal der Pokalsieger gewonnen.

Mit dem Ex-Dortmunder Coach Hermann Eppenhoff kann der Meidericher SV seinen Mittelfeldplatz im Oberhaus behaupten. Im Januar 1966 benennt der Verein sich offiziell in MSV Duisburg um. Auch Schalke kann die Klasse erhalten. Was nach dem Spieler-Aderlass infolge des eigentlichen Abstiegs in der Vorsaison nicht selbstverständlich ist. Und endlich erhält das Ruhrgebiet auch Verstärkung. Nachdem RW Essen aufgestiegen ist, gehen zur neuen Saison vier Revier-Klubs in der Eliteklasse an den Start.

Dagegen verabschieden sich mit den Emscher „Husaren“ und dem VfB Bottrop als Absteiger aus der Regionalliga gleich zwei Traditionsvereine in die Niederungen des Amateurfußballs. Aus dieser steigt der Hammer SV empor und unterstützt die immer noch überragende Revier-Phalanx in der Regionalliga.

Das Revier in der 1. Liga

Was für eine überragende Spielzeit für die Dortmunder Borussia! Während der ganzen Saison in Lauerstellung, übernimmt der BVB am 23. Spieltag (nach einem 7:0 im Derby gegen Schalke) die Tabellenführung und gibt sie acht Wochen lang nicht ab. Ein Unentschieden zu Hause gegen 1860 München hätte vermutlich schon zum Titel gereicht. Doch die Bajuwaren, mit einem überragenden Keeper Radenkovic, stürzen die Borussen aus allen Träumen und setzen sich selbst auf den Thron. Doch welch einen Trost hat die Borussia für ihre Fans parat: Erstmals holt der BVB als deutsche Mannschaft einen Europapokal ins Land – in Glasgow schießt Stan Libuda den BVB in der Verlängerung in den Fußball-Himmel.

Zwar ist den Schalkern der Abstieg erspart geblieben, doch nach dem personellen Aderlass wird mit einer blutjungen, unerfahrenen Truppe, die eigentlich für die Regionalliga geplant war, nur ein Ziel ausgegeben: Der Klassenerhalt. Weil die Mannschaft, im Gegensatz zu ihren Vorgängern, eine hohe Moral und einen unglaublichen Zusammenhalt an den Tag legt, gelingt das auch. Wenn auch erst am vorletzten Spieltag und einer Fülle von Zitterspielen in der durchweg gut besuchten Glückauf-Kampfbahn. Beim 2:0 gegen Borussia Neunkirchen feiern 38.000 Schalker mit feuchten Augen und dem Choral „Aber eins das bleibt bestehn, Schalke wird nie untergehn“ die Rettung. Klaus Fichtel, dessen Stern in dieser Saison aufgeht, bezeichnete auch nach Beendigung seiner langen, großartigen Karriere dieses Spiel als das größte Erlebnis seiner Laufbahn.

Auch der neue Coach Hermann Eppenhoff konnte bei den Duisburgern auf die alten Trümpfe im Kader setzen. Keeper Manfred Manglitz und die Regisseure Heinz van Haaren und Werner Krämer. Überraschend offensiv, brachten es die Duisburger auf stolze 70 Saison-Treffer und hatten dabei einige Torjäger in ihren Reihen. Rühl (10), Krämer (13) und Gecks (7) waren brandgefährlich. Und ein Stern ging auf und gleich wieder unter – Rüdiger Mielke. Der erzielte in 13 Spielen 14 Tore, verletzte sich dann aber ausgerechnet im Pokalfinale gegen Bayern München (2:4) und musste seine Karriere leider früh beenden.

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