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revierkick

Spielzeit 1966/67

RWE und Fortuna tanzten nur einen Sommer

Zwei Traditionsvereine aus NRW bereichern die Bundesliga. Groß ist die Freude der Fans in Essen und Düsseldorf, endlich ganz oben mitmischen zu können. Um so trauriger sind sie, als es nach 34 Spieltagen wieder zurück geht in die Regionalliga. Doch vor allem Rot-Weiss Essen wusste an der Hafenstraße mit vielen schönen Siegen zu begeistern. In Bergeborbeck wurde auch der vierte Bundesliga-Meister gekürt. Und den hatte vorher wirklich niemand auf der Rechnung. Eintracht Braunschweig düpierte alle Experten und auch die im letzten Jahr überragenden Münchener Löwen und Dortmunder Borussen, die sich mit Rang zwei und drei zufrieden geben müssen. Erneut schießt der BVB mit 70 Treffern (ebenso wie die Gladbacher Borussia) die meisten Tore – es reicht dennoch nicht zum ersehnten Titel.

Weiter im Rückwärtsgang befinden sich die in MSV Duisburg umgetauften Meidericher. Und auch für Schalke ist diese Saison ein einziger Abstiegskampf, den sie – im Gegensatz zu den Essenern – am Ende aber glücklich überstehen.

Im Unterhaus kann sich die lokale Konkurrenz von RWE, Schwarz-Weiß Essen, als Zweiter für die Aufstiegsrunde qualifizieren. Mit einem Bein stehen sie schon im Oberhaus, doch am Ende steigt Borussia Neunkirchen mit einem Punkt Vorsprung auf. Im Amateurbereich schaffen drei Traditionsvereine die Rückkehr in den Vertragsfußball: Die Revier-Fans freuen sich schon auf die Spvg. Erkenschwick, den Lüner SV und den VfB Bottrop.

Das Revier in der 1. Liga

Wieder geht der BVB mit Titelambitionen ins Rennen. Ein Mal mehr muss er sich mit Platz drei zufrieden geben. Nun ist es die ungenügende Auswärtsbilanz, die den großen Erfolg verhindert. Lediglich vier Siege auswärts, das ist die Bilanz des neuen Coaches Heinz Murach und einer wirklichen Spitzenmannschaft nicht würdig. So müssen sie sich am Borsigplatz mit der internen „Revier-Meisterschaft“ zufrieden geben sowie der Torjäger-Kanone für Lothar Emmerich, die er (28 Treffer) sich aber mit Bayerns Gerd Müller teilen muss.

Auch in dieser Saison bleibt Schalke nichts weiter als der nackte Existenzkampf. Für Verstärkungen fehlt das Geld, also setzen sie am Schalker Markt weiter auf die Jugend. Hinter den Kulissen soll es ein neuer, frischer Präsident richten: Günther Siebert. Der ehemalige Mittelstürmer der Meistermannschaft von 1958 übernimmt das Vereinsruder vom ewigen Idol Fritz Szepan. Zunächst kann auch Siebert lediglich aufatmen, dass der Klassenverbleib gelingt. Erst am 32. Spieltag ist man nach einem 2:1-Zittersieg gegen Fortuna Düsseldorf aller Sorgen ledig. Große Enttäuschung für die Fans nach der Saison: Regisseur Günther Herrmann, in den letzten Jahren beständigster Schalker und Garant für den Klassenerhalt, geht zurück zum Karlsruher SC. Ein Nachfolger für den filigranen Techniker mit der hohen Trefferquote bei Freistößen scheint nicht in Sicht.

Um die ganze Stadt hinter sich zu scharren, nennt sich der Meidericher SV zukünftig MSV Duisburg. Mit dem neuen Namen kann man an der Wedau zwar nicht gleich an alte Erfolge anknüpfen. Immerhin verlässt man aber relativ schnell wieder den letzten Platz, den man (noch als Meidericher SV) zum Ende der Hinrunde eingenommen hatte. Vor allem die letztjährige Torfabrik hat den Betrieb weitgehend eingestellt und kann sich allein auf Rechtsaußen Carl-Heinz Rühl verlassen (11 Saisontore). Einziges wirkliches Saison-Highlight ist das grandiose 3:3 bei den Münchener „Löwen“. Ansonsten herrscht in der Stadt, die auch unter der Kohlenkrise zu leiden hat, viel Tristesse.

Glanzvoll startet RWE in diese so herbei gesehnte Bundesliga-Saison. Mit 4:1 wird Nachbar Schalke aus dem Stadion gefegt. Und auch für viele andere Arrivierte erweist sich die Hafenstraße als uneinnehmbare Festung. Karlsruhe (3:0), Hannover (3:1) und Bayern München (3:1) sind ohne Chance. Spieler wie Simmet (später 1.FC Köln), Peter Dietrich und Heinz-Dieter Hasebrink (Werder Bremen) starten eine große Bundesliga-Karriere. Und ein Stern geht für mehr als ein Jahrzehnt im Ruhrgebiet auf. Willi „Ente“ Lippens watschelt sich mit seinen zehn Treffern trotz des Abstiegs in die Herzen der Fans.

 

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