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revierkick

Spielzeit 1967/68

Vier Schritte und ein Joker

Zur fünften Bundesliga-Saison wartet der ansonsten „bibelfeste“ und reformlose DFB mit Neuerungen auf. Was im Ausland längst üblich war, wurde nun auch in deutschen Landen eingeführt. Fortan durfte ein Spieler pro Mannschaft ausgewechselt werden, aber nur bei einer Verletzung! Die Trainer erkannten schnell die Möglichkeiten des Wechsels, und so manch gerade noch fideler Spieler begann nach einem Wink von der Trainerbank schwer zu humpeln. Trotz aller (erzwungenen) Schauspielerei taucht der Begriff des „Jokers“ in der Fußballersprache auf. Und beim Abschlag konnten die Keeper zukünftig nur vier Mal auftreten, bevor der Ball gespielt werden musste.

Vor allem der 1.FC Nürnberg hatte mit dem neuen Regularium keine Schwierigkeiten und gewann unter dem knochenharten Coach Max Merkel die Meisterschaft. Beste Revier- Mannschaft wurde überraschend der MSV Duisburg, der die kriselnden regionalen Rivalen Dortmund und Schalke weit hinter sich lassen konnte. Beide wechselten während der Saison ihre Trainer aus, schafften zwar relativ sicher den Klassenerhalt, ließen aber viele Frage hinsichtlich der Zukunft unbeantwortet.

In der Regionalliga West gab es ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen um den zweiten Platz zwischen RW Essen und RW Oberhausen. Denkbar knapp setzte sich der letztjährige Erstliga-Absteiger durch, scheiterte dann aber, ähnlich knapp, in der Aufstiegsrunde an Hertha BSC Berlin. Immer stärker spielt sich der VfL Bochum in den Blickpunkt (Platz fünf), während der VfB Bottrop und Westfalia Herne den Gang in die Drittklassigkeit antreten müssen – dabei standen die Herner noch acht Jahre zuvor standen in der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft!

Das Revier in der 1. Liga

Einen guten Griff machten die MSV-Verantwortlichen mit der Verpflichtung von Gyula Lorant als neuem Coach. Der Ungar – Mitglied der Nationalmannschaft von 1954 – brachte frischen Wind an die Wedau. Vor allem fanden die „Zebras“ wieder zu ihrer Torgefährlichkeit zurück. 69 Treffer bedeutete einen Spitzenplatz hinsichtlich der Angriffs-Ausbeute. Spieler wie Gecks, Wild und vor allem Jungstar Rainer Budde trafen zweistellig. Letzterer im Heimspiel gegen den 1.FC Kaiserslautern (7:0) sogar drei Mal. Höhepunkt der Saison: der 4:0-Sieg am 17. Spieltag bei den Münchener Bayern, was dann auch die beste Platzierung (Rang vier) eines insgesamt erfolgreichen Jahres nach sich zog.

Spieler und Tore

Horst Gecks 34/12, Heinz van Haaren 34/7, Michael Bella 34/0, Hartmut Heidemann 33/5, Manfred Manglitz 33/0, Horst Wild 31/10, Djordje Pavlic 30/7, Werner Lotz 30/1, Rainer Budde 28/16, Detlev Pirsig 22/0, Erwin Kostedde 19/5, Manfred Müller 16/0, Bernd Lehmann 15/2, Johann Sabath 10/0, Willibert Kremer 7/4, Kurt Rettkowski 6/0, Jürgen Kowalski 5/0, Dietmar Linders 3/0, Bernd Hoffmann 2/0, Heinz Pflügge 1/0

Mit Günther Brocker, der in höchsten Abstiegsnöten Fritz Langner im November ‘67 als Cheftrainer ablöst, will Schalke neue Ufer erreichen. Zunächst ist aber Abstiegskampf pur angesagt. Zumal der neue „Heilsbringer“, Torjäger Willi Kraus, nach zahllosen Eskapaden suspendiert werden muss. Der bullige Goalgetter landet später sogar im Knast. Ohne ihn ist der Schalker Angriff noch zahnloser. Der alte Kämpen Manni Pohlschmidt wird neben Youngster Jürgen Wittkamp zum Torjäger. Zwar ist das Zittern „dank“ der früh abgeschlagenen Absteiger Karlsruhe und Neunkirchen nicht so dramatisch wie in den Jahren zuvor. Doch auf Dauer zieht ein Kellerkind Schalke auch nicht die treuen Fans in die Glückauf-Kampfbahn. Günther Siebert sucht händeringend einen neuen Hoffnungsträger. Und findet ihn in einem „alten“ Schalker. Stan Libuda kehrt zur neuen Saison in die Heimat zurück.

Spieler und Tore

Klaus Fichtel 34/0, Klaus Senger 33/1, Herbert Höbusch 31/0, Manfred Pohlschmidt 30/11, Horst Blechinger 30/1, Hans-Jürgen Becher 30/0, Gerd Neuser 27/3, Friedel Rausch 27/2, Hans-Jürgen Wittkamp 26/12, Heinz Pliska 23/0, Hermann Erlhoff 21/2, Waldemar Slomiany 18/1, Norbert Nigbur 18/0, Josef Elting 16/0, Harald Klose 14/0, Willi Kraus 12/9, Heribert Dietrich 4/0, Zarko Nikolic 3/0, Manfred Kreuz 1/0,

Umbruch und Verjüngung – das stand beim BVB vor der Saison auf dem Zettel. Etliche Recken der glorreichen frühen Bundesliga-Jahre hatten ihren Zenit überschritten. Junge Leute sollten verstärkt ins Team eingebaut werden. Zunächst behauptet man sich auch in der Spitzengruppe und kann vor allem beim 6:3 gegen die Bayern die Fans begeistern. Doch zunehmend gerät Sand ins Getriebe. Langsam aber sicher rutscht der BVB ins triste Mittelmaß ab. Mit Oswald Pfau löst noch während der Saison ein alter Trainerfuchs den jungen Heinz Murach ab. Auch er muss erkennen, dass beim BVB ein Generationen-Wechsel vollzogen werden muss, der schmerzlich und nicht ohne Schäden ablaufen wird.

Spieler und Tore

Willi Neuberger 33/5, Reinhold Wosab 30/12, Dieter Kurrat 30/2, Gerd Peehs 30/1, Wilhelm Sturm 30/0, Bernhard Wessel 29/0, Lothar Emmerich 27/18, Siegfried Held 26/5, Rudolf Assauer 24/5, Wolfgang Paul 24/1, Horst Trimhold 23/5, Reinhard Libuda 22/3, Theodor Redder 20/0, Gerhard Cyliax 18/0, Jürgen Weber 8/1, Friedhelm Groppe 7/0, Werner Köddermann 5/0, Klaus Brakelmann 4/0, Josef Hofmeister 3/1

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