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revierkick

Spielzeit 1968/69

Schalke wird zum besten Team der Rückrunde

Was für eine kuriose Saison! Wenn der Meister des letzten Jahres zu den Absteigern gehört und ein sicherer Kandidat für einen dauerhaften Kellerplatz Vizemeister wird, dann muss es während der 34 Spieltage drunter und drüber gegangen sein. Zwar ist der Meisterkampf wegen der überragenden Bayern – die auch das Double gewinnen – früh entschieden. Dafür tobt der brutalste Abstiegskampf der Bundesliga-Geschichte. Fünf Klubs können am letzten Spieltag noch absteigen. Darunter der 1.FC Köln und Borussia Dortmund – die Ikonen des Westens. Beide können sich retten. Aber es erwischt mit dem 1.FC Nürnberg den Meister des Vorjahres!

Schalke 04 kann sich dank des neuen Coaches Rudi Gutendorf schnell aus den Nöten befreien. Am Ende holen sie die meisten Punkte in der Rückrunde und erreichen sogar das Pokalfinale. Auch der MSV Duisburg ist früh aller Sorgen ledig. Auch in der Regionalliga geht es spannend wie selten zu. In einem Revier-Dreikampf um die beiden Plätze für die Aufstiegsrunde scheitert der VfL Bochum knapp und unglücklich an RW Essen und RW Oberhausen und muss zusehen, wie sich beide in der Qualifikationsrunde zur Bundesliga durchsetzen und den Kreis der Ruhrgebietsvereine im Oberhaus auf stolze fünf erweitern. Aus dem Amateurbereich verabschiedet sich ein Verein, der ein Jahrzehnt weiter für Jahre zum festen Bestandteil der Bundesliga zählen sollte und zum Symbol des Kleinen im Kampf gegen die übermächtigen Großen wurde – Wattenscheid 09.

Das Revier in der 1. Liga

Mit großen Namen verstärkt sich der FC Schalke zu dieser Saison. Günther Siebert hat sein Versprechen wahr gemacht und „Stan“ Libuda aus Dortmund zurück geholt. Dazu den Strategen Heinz van Haaren aus Duisburg und den begnadeten Techniker Franz Hasil von Rapid Wien. Eine neue Ära scheint angebrochen. Doch zunächst weist das Team zwar neue Namen, aber einen alten Punktestand auf. Günther Brocker muss gehen, weil er die Erwartungen nicht erfüllen kann. Statt des alten Kollegen aus der Meisterelf von 1958 holt Günther Siebert mit Rudi Gutendorf einen „Paradiesvogel“ nach Gelsenkirchen. Der überrascht mit seinerzeit noch nicht bekannten Marketingmethoden. Aber er hat auch sportlich etwas zu bieten. Schalke wird am Ende die beste Mannschaft der Rückrunde, erreicht das Pokalfinale, das zwar 1:2 verloren wird, allerdings (wegen Bayerns Double) die Tür zum Europapokal der Pokalsieger öffnet. Schalkes erster internationaler Auftritt nach mehr als zehn Jahren macht die Fans glücklich.

Spieler und Tore:

Reinhard Libuda 32/5, Klaus Senger 31/2, Norbert Nigbur 31/0, Hermann Erlhoff 30/5, Heinz van Haaren 30/2, Jürgen Wittkamp 29/6, Klaus Fichtel 29/0, Manfred Pohlschmidt 28/6, Gerd Neuser 27/2, Herbert Lütkebohmert 26/3, Hans-Jürgen Becher 25/2, Friedel Rausch 24/2, Franz Hasil 23/5, Herbert Höbusch 22/0, Waldemar Slomiany 14/2, Gerd Kasperski 7/3, Jürgen Galbierz 5/0, Josef Elting 4/0, Bernd Michel 4/0

Nach dem letztjährigen Höhenflug unter Trainer Gyula Lorant erleidet der MSV wieder einen Rückschlag. Robert Gebhardt heißt der neue sportlich Verantwortliche, nachdem man sich mit dem Ungarn nicht auf eine Weiterverpflichtung hatte einigen können. Vor allem das zuletzt wie geölt funktionierende Sturmspiel hapert. Lediglich Rainer Budde und Horst Gecks sind torgefährlich und der zum Nachbarn Schalke 04 abgewanderte Heinz van Haaren wird als Regisseur schmerzlich vermisst. Dabei war der Startsieg gegen die hochgewetteten Schalker schon früher Balsam auf die Seele der MSV-Fans.

Spieler und Tore:

Horst Gecks 34/8, Detlev Pirsig 34/1, Michael Bella 34/1, Helmut Huttary 33/1, Willibert Kremer 33/0, Manfred Manglitz 33/0, Rainer Budde 31/11, Djordje Pavlic 29/4, Anton Burghardt 28/0, Manfred Müller 27/0, Johannes Riedl 23/2, Hartmut Heidemann 19/2, Kurt Rettkowski 15/1, Bernd Lehmann 9/1, Werner Lotz 8/0, Karl-Heinz Wißmann 5/0, Dietmar Linders 3/0, Johannes Linßen 3/0, Axel Rzany 2/0

Weiter geht für den BVB die wilde Fahrt in den Liga-Keller. Wie die halbe Liga, ist auch die Borussia bis zum Schluss der Saison akut abstiegsgefährdet. Der Verein steht ab dem 30. Spieltag auf einem Abstiegsplatz und kann diesen erst in letzter Sekunde mit Schützenhilfe des 1.FC Köln und einem eigenen 3:0-Sieg am letzten Spieltag gegen Offenbach wieder verlassen. Der Klub leidet unter finanziellen Problemen, die Mannschaft ist verunsichert. Drei Trainer sind am Ende verschlissen (Oswald Pfau, Helmut Schneider und Hermann Lindemann). Zwar wird der Super-Gau vermieden, doch scheint er nur aufgeschoben. Denn in Dortmund sind, für alle offensichtlich, nach sieben fetten Jahren die mageren angebrochen.

Spieler und Tore:

Lothar Emmerich 33/12, Siegfried Held 33/8, Dieter Kurrat 32/2, Reinhold Wosab 28/2, Klaus Brakelmann 28/0, Wilhelm Sturm 27/2, Willi Neuberger 25/8, Gerd Peehs 25/0, Horst Trimhold 24/1, Klaus Günther 24/0, Theodor Redder 19/0, Rudolf Assauer 18/1, Dietmar Erler 18/1, Werner Weist 17/7, Wolfgang Paul 17/2, Bernhard Wessel 14/0, Friedrich Lehmann 9/2, Walter Szaule 4/0, Klaus Beckfeld 4/0, Friedhelm Groppe 3/0, Josef Hofmeister 3/0, Helmut Heeren 1/0

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