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revierkick

Spielzeit 1969/70

Fünf Revierklubs zieren die Bundesliga

Auf 20 Erstliga-Derbys dürfen sich die Fans des Revier-Fußballs freuen, denn nach dem Aufstieg von RW Essen und RW Oberhausen übernimmt das Ruhrgebiet, zumindest was die Quantität betrifft, die Führerschaft in der Bundesliga. Auf den Spitzenkampf hat das Quintett aber keinen Einfluss. Borussia Mönchengladbach löst den FC Bayern an der Spitze ab, weil Hennes Weisweiler seine Abwehr endlich dicht bekommt. Bei Vizemeister Bayern ist die Enttäuschung so groß, dass für „Meistermacher“ Branco Zebec ein neuer Coach verpflichtet wird – Udo Lattek.

Borussia Dortmund kann sich wieder nach oben kämpfen, wird als bester Ruhrgebietsverein Fünfter. Schalke spielt sich im Europapokal der Pokalsieger bis ins Halbfinale vor, scheitert dort an Manchester City. Und die Neulinge aus dem Revier, RWE und RWO sind am Ende froh, den Klassenerhalt recht souverän geschafft zu haben. Ohnehin war der Abstiegskampf nicht so nervenzerfetzend wie zuletzt, entbehrte wiederum aber nicht einer gewissen Tragik. Denn mit Alemannia Aachen stieg in diesem Jahr der Vizemeister der letzten Saison ab. Beim zweiten Absteiger, 1860 München, begann in diesem Jahr einer der besten Bundesliga-Stürmer aller Zeiten seine Karriere: Klaus Fischer.

Nach der Saison fieberte alles der WM in Mexiko entgegen, auch im Rückblick nach vielen Jahren eine der besten überhaupt. Sie wurde zu einer eindrucksvollen Demonstration der Stärke des bundesrepublikanischen Fußballs. Unvergessliche Spiele brachten die Mannen von Helmut Schön bis ins Halbfinale, wo man in einem der denkwürdigsten Spiele der Fußballgeschichte 3:4 gegen Italien unterlag.

Das Revier in der 1. Liga

Italien-Heimkehrer Jürgen Schütz führt den BVB wieder in sonnigere Gefilde der Tabelle. Der filigrane Techniker ist neben Sturmtalent „Acker“ Weist der Garant des Aufschwungs. Trainer Hermann Lindemann gelingt es, eine gute Mischung aus erfahrenen und jungen Spielern auf den Rasen zu schicken. Zwei Begebenheiten bleiben aus dieser Saison für die Ewigkeit haften. Zunächst der eisige Winter, der allein im Januar zu 37 Spielausfällen führt. Und dann der Biss eines Dortmunder Ordner-Hundes in den Allerwertesten von Schalke-Verteidiger Friedel Rausch. Im Derby-Rückspiel revanchiert sich Schalke auf originelle Weise und bietet als Ordnungspersonal junge Löwen aus dem nahegelegenen Wildpark des Grafen Westerholt auf. Die erweisen sich aber als ebenso ungefährlich wie die Sturmreihe des BVB ohne Acker Weist.

Spieler und Tore

Siegfried Held 33/4, Werner Weist 32/20, Willi Neuberger 31/7, Ferdinand Heidkamp 30/1, Gerd Peehs 30/0, Reinhold Wosab 29/9, Jürgen Rynio 27/0, Jürgen Schütz 22/8, Horst Trimhold 22/2, Alfred Kohlhäufl 22/1, Dieter Kurrat 22/1, Rudolf Assauer 20/0, Wilhelm Sturm 17/0, Klaus Brakelmann 16/0, Branco Rasovic 15/0, Dietmar Erler 10/1, Wolfgang Paul 10/0, Helmut Heeren 8/2, Klaus Günther 7/0, Theodor Rieländer 4/0, Theo Bücker 4/0, Jürgen Boduszek 3/1, Karl-Heinz Artmann 3/0

Schalke erstmals wieder im Europapokal, und gleich geht es bis ins Halbfinale, wo erst gegen Manchester City Endstation ist. Bis dahin erlebten die Fans rassige Europapokal-Auftritte, aber auch schlimme Phasen in der Bundesliga. Der Grund ist vor allem eine schier endlose Verletzungsmisere. Teilweise fallen zehn Spieler aus, entsprechend bescheiden entwickelt sich die Bundesligasaison. Zusätzlich leisten sich die Schalker eine Dauerfehde zwischen dem Präsidenten Günther Siebert und Trainer Rudi Gutendorf. Das Beste dieser Saison wird erst später sichtbar. Mit den Youngster Lütkebohmert, Sobieray, Rüßmann und Scheer schaffen Akteure den Durchbruch in der Bundesliga, die viele Jahre das sportliche Geschehen am Schalker Markt prägen sollten. Rudi Gutendorf tat das dagegen nicht mehr lange.

Spieler und Tore

Heinz van Haaren 33/4, Manfred Pohlschmidt 32/9, Klaus Fichtel 32/1, Reinhard Libuda 31/0, Jürgen Wittkamp 26/6, Gerd Neuser 24/4, Hermann Erlhoff 24/1, Norbert Nigbur 23/0, Waldemar Slomiany 20/2, Friedel Rausch 20/0, Herbert Lütkebohmert 19/3, Klaus Scheer 19/2, Hans-Jürgen Becher 19/0, Klaus Senger 18/0, Hans Pirkner 17/5, Jürgen Sobieray 17/1, Rolf Rüßmann 16/0, Alban Wüst 14/3, Jürgen Galbierz 13/1, Josef Elting 12/0

Endlich haben die Rot-Weißen wieder den Aufstieg geschafft. In der Revier-Metropole freuen sich alle Fußballfreunde auf mitreißende Partien an der „heißen“ Hafenstraße. Die Heimstärke ist es dann auch, die RWE relativ problemlos den Klassenerhalt sichert. Kein Spiel geht verloren, 24 Punkte stehen am Ende auf dem Konto der Heimbilanz von Herbert Burdenski und seiner „Zuckertruppe“, die auswärts nur einen Sieg (1:0 beim MSV Duisburg) schafft und deswegen auch „nur“ einen Mittelfeldplatz belegt. Ein Mal mehr Saisonkönig in Bergeborbeck: Willi „Ente“ Lippens. Der Stern seines Kronprinzen geht allerdings auch auf: „Manni“ Burgsmüller bestreitet die ersten seiner später insgesamt 447 Bundesligaspiele.

Spieler und Tore

Wolfgang Rausch 34/0, Heinz Stauvermann 34/0, Fred Bockholt 34/0, Peter Czernotzky 33/1, Erich Beer 32/8, Egbert ter Mors 30/2, Herbert Weinberg 28/3, Diethelm Ferner 28/0, Werner Kik 28/0, Georg Jung 27/2, Günther Fürhoff 25/4, Helmut Littek 24/5, Willi Lippens 21/12, Roland Peitsch 21/1, Manfred Burgsmüller 8/0, Fred Englert 7/2, Heinz Koch 3/0, Hans Dörre 2/0

Alfred „Addi“ Preißler, der RWO in die erste Liga führte, baut im wesentlichen auf seinen bewährten Kader und setzt auf Kontinuität. Acht Spieler bestreiten mehr als 30 Saisonspiele, als Torjäger wird der aus Pirmasens verpflichtete Hugo Dausmann an der Landwehr gefeiert. Vor allem der Start fasziniert die Fans. Zwei Heimsiegen gegen Frankfurt und Dortmund lässt RWO ein 4:0 in Braunschweig folgen. Die Liga horcht auf. Oberhausen ist am vierten und fünften Spieltag Bundesliga-Spitzenreiter. Auch wenn es nach dem 1:2 im Derby gegen Duisburg langsam wieder nach unten geht, haben die Jungs von der Landwehr eigentlich nie etwas mit dem Abstieg zu tun und können sich frühzeitig auf eine weitere Erstligasaison freuen.

Spieler und Tore:

Hugo Dausmann 34/15, Gerd Fröhlich 34/5, Wolfgang Scheid 34/0, Friedhelm Dick 34/0, Dieter Brozulat 33/5, Hermann-Josef Wilbertz 32/2, Franz Krauthausen 31/5, Lothar Kobluhn 31/5, Dieter Hentschel 27/1, Günther Karbowiak 24/3, Werner Ohm 24/0, Hans Fritsche 20/7, Friedhelm Kobluhn 20/0, Rainer Laskowsky 12/1, Werner Kubek 8/0, Heinz Poll 6/1, Siegfried Rösen 5/0, Jürgen Jäger 3/0, Udo Redmann 2/0, Norbert Lücke 1/0

„Zapf“ Gebhardts verjüngtes Team muss sich ernsthaft Sorgen um den Klassenerhalt machen. Der Grund: Die Zebras treffen das Tor nicht, haben am Ende die zweitwenigsten Treffer der Liga erzielt und vor allem auswärts kaum ein Bein auf den Boden bekommen. So kann man sich über die gesamte Spielzeit allein auf die Abwehr mit den Routiniers Linders, Heidemann, Bella und Pirsig stützen, die das Schlimmste – den Abstieg – am Ende noch zu verhindern weiß. Am vorletzten Spieltag wird die Rettung klar gemacht und der spätere Absteiger 1860 München an der Wedau knapp mit 2:1 bezwungen. Wie wenig einverstanden die Fans aber mit der Saison waren, zeigt die dürfte Kulisse. Nur 16.000 erlebten das „Schicksalsspiel“ der Zebras live mit.

Spieler und Tore:

Michael Bella 34/2, Johannes Riedl 34/1, Dietmar Linders 34/0, Detlev Pirsig 32/1, Hans Sondermann 30/8, Karl-Heinz Wißmann 30/6, Hartmut Heidemann 30/2, Willibert Kremer 30/1, Anton Burghardt 30/0, Djordje Pavlic 28/3, Rainer Budde 26/6, Bernd Lehmann 17/3, Helmut Huttary 17/1, Manfred Müller 15/0, Kurt Rettkowski 14/1, Axel Rzany 7/0, Dieter Koulmann 2/0, Pavel Marecek 1/0, Rolf-Dieter Dörfler 1/0

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