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revierkick

Spielzeit 1970/71

Spielzeit mit einem skandalösen Nachschlag

Mit großen Erwartungen sehen die Fans der Nach-WM-Saison entgegen. Sie werden mit einem spannenden Titelrennen zwischen Gladbach und Bayern sowie einem erneut elektrisierenden Abstiegskampf entschädigt. Dabei fiel die Entscheidung im Titelkampf zwischen Mönchengladbach und Bayern München in Duisburg. Dorthin, zum Angstgegner MSV, mussten die Münchener am letzten Spieltag und als Tabellenführer reisen. Gladbach, das am 33. Spieltag wegen des schlechteren Torverhältnisses die Spitze verloren hatte, musste nach Frankfurt. Und während die Bayern an der Wedau verloren, schafften es die „Mönche“ klar und deutlich in Frankfurt und somit auch auf den letzten Drücker den abermaligen Wechsel an der Spitze. Noch ein Stückchen dramatischer geht es im Abstiegskampf zu.In diesem ist fast ein Drittel der Liga bis zum letzten Spieltag verstrickt. Doch diese Saison geht in die Verlängerung. Nach und nach wird deutlich, dass etliche Spiele verkauft und verschoben waren. Immer größere Kreise zog die Affaire, schon bald verhedderten sich vor allem die Spieler von Hertha BSC und Schalke 04 und der Verein Arminia Bielefeld in dem Gewirr ihrer eigenen Falschaussagen und Gegen-Beschuldigungen. Am Ende war beweisbar geworden: In der Bundesliga wurden Spiele gegen Bargeld manipuliert. Für viele brach eine Welt zusammen. Die Liga hatte ihre Unschuld verloren und tausende von Fans ihren Spaß an der angeblich schönsten Nebensache der Welt.

In der Regionalliga war der VfL Bochum unter Hermann Eppenhoff als Meister in die Aufstiegsrunde eingezogen und hatte dort aus dieser an sich harten Runde einen wahren Triumphzug in die Bundesliga gestaltet. Dort ersetzten sie fortan die abermals abgestiegenen Essener. Deren Fans waren besonders darüber entsetzt, dass RWE vollkommen unbeteiligt am Bestechungssumpf war, dennoch sportlich absteigen musste, während sich Klubs wie Oberhausen und Bielefeld unsportlich über Wasser hielten und sich zumindest in die nächste Saison retteten, wo sie aber auch der DFB-Bannstrahl treffen sollte.

Das Revier in der 1. Liga

Eine Saison, die Schalke wohl nicht vergisst. Weniger wegen großer Erfolge oder wirtschaftlicher Miseren. Sondern wegen eines Spiels fast am Ende der Saison, das den weiteren Weg der Königsblauen fast auf Jahrzehnte prägen sollte. Denn während die Meisterschaft einigermaßen unspektakulär verläuft, Günther Siebert allerdings schon erkennbar nahe dran ist, sein „dream-Team“ für die nächsten Jahre beieinander zu haben, verliert Schalke am 28. Spieltag zu Hause mit 0:1 gegen den Abstiegskandidaten Arminia Bielefeld. „Schiebung“, rufen die Fans. Und genau das war es auch, wie sich nach langem Leugnen der Spieler vor ordentlichen Gerichten erst nach und nach herausstellt und vor allem die Saison danach stark prägte. „FC Meineid“, hallte es Team und Fans noch viele Jahre um die Ohren, und das Ausmaß der Tragödie wurde erst sichtbar, als zeitgleich klar wurde, welche Rohdiamanten da für 40.000 Mark ihre Zukunft verscheuert hatten.

Spieler und Tore

Klaus Fischer 34/15, Rolf Rüßmann 34/3, Herbert Lütkebohmert 34/1, Heinz van Haaren 32/3, Reinhard Libuda 31/5, Klaus Scheer 31/4, Norbert Nigbur 31/0, Hans Pirkner 30/3, Klaus Fichtel 29/1, Jürgen Sobieray 29/0, Jürgen Wittkamp 20/5, Alban Wüst 18/1, Hans-Jürgen Becher 18/0, Manfred Pohlschmidt 16/1, Jürgen Galbierz 9/0, Friedel Rausch 9/0, Klaus Beverungen 8/1, Klaus Senger 6/0, Dieter Burdenski 3/0, Karl-Heinz Kuzmierz 2/0, Reinhard Pfeiffer 1/0

Nigbur

Sobieray Fichtel Rüßmann Wittkamp (Becher)

Lütkebohmert van Haaren Scheer

Libuda Fischer Pirkner

Wieder geht der MSV mit einem neuen Coach in die Saison. Rudi Faßnacht setzt auf die alten Zebra-Tugenden: Eine sichere Abwehr und die Heimstärke. Kein Spiel geht in dieser Saison im Wedaustadion verloren. Und die Abwehr vor dem neuen Keeper Dietmar Danner erwies sich als sattelfest und formstabil. Bella, Heidemann, Pirsig und Rettkowski fehlten zusammen in nur drei (!) Spielen. Ein Stern ging in dieser erfolgreichen Saison am Duisburger Fußball-Himmel auf. Bernard „Enatz“ Dietz begann seine großartige Karriere zunächst im Angriff, bevor er später der Standard-Linksverteidiger bei den Zebras wurde und 1980 als Kapitän der deutschen Nationalmannschaft sogar Europameister wurde.

Spieler und Tore

Detlev Pirsig 34/1, Michael Bella 34/0, Rainer Budde 33/13, Gerhard Kentschke 33/3, Kurt Rettkowski 33/2, Hartmut Heidemann 32/5, Volker Danner 32/0, Bernd Lehmann 31/6, Bernhard Dietz 30/4, Djordje Pavlic 30/3, Johannes Riedl 30/2, Johannes Linßen 28/1, Georg Damjanoff 16/1, Dietmar Linders 6/0, Heinz-Peter Buchberger 10/0, Hans Sondermann 7/0, Anton Burghardt 2/0, Helmut Huttary 1/1, Kurt-Jürgen Lorenz 1/0

Danner

Heidemann Pirsig Rettkowski Bella

Lehmann Pavlic Linßen (Riedl)

Budde Kentschke Dietz

Wie schon 1969 ist die große Borussia im Abstiegskampf verstrickt. Zwar geht es nie ganz in den Keller, aber der Abstand zu den heißen Plätzen kann vor allem in der Schlussphase der Saison nicht vergrößert werden. Zwar hat mit Horst Witzler abermals ein neuer Coach an der Roten Erde die Regie übernommen. Doch die finanziellen Probleme sind die alten geblieben. Und obwohl mit Siggi Held, Jürgen Schütz, Reinhold Wosab und Dieter Kurrat vier Helden der Vergangenheit die jungen Hüpfer lenken sollen, will der personelle Umbruch einfach nicht wie geplant vonstatten gehen. Immerhin können sich mit Ritschel und Weinkauff zwei Neuzugänge behaupten und ein kleines Lichtlein in der Finsternis anzünden.

Spieler und Tore

Manfred Ritschel 34/6, Willi Neuberger 33/6, Siegfried Held 32/5, Branco Rasovic 31/0, Dieter Kurrat 30/0, Dieter Weinkauff 28/8, Theo Bücker 26/5, Jürgen Rynio 26/0, Gerd Peehs 24/0, Werner Weist 23/7, Jürgen Schütz 22/7, Reinhold Wosab 22/2, Ferdinand Heidkamp 20/1, Hans-Jürgen Andree 20/0, Theodor Rieländer 18/3, Horst Trimhold 18/3, Klaus Günther 8/0, Wilhelm Sturm 5/0, Klaus Brakelmann 1/0, Jürgen Boduszek 1/0

Rynio

Wosab Rasovic Peehs

Kurrat Held Bücker (Schütz) Neuberger

Ritschel Weist Weinkauff

Zwar können die Kleeblättler nach großem Kampf die Klasse erhalten. Doch die Schlinge hat sich schon fest um ihren Hals gelegt. Denn die Verstrickung von RWO im Bestechungsskandal wird schon kurz nach Beendigung der Spielzeit offenkundig, der allmächtige Präsident Peter „Pascha“ Maaßen verliert alle seine Ämter und wird gesperrt. „Adi“ Preißler schaffte es, sein Team vor den täglichen Skandal-Meldungen weitgehend abzuschotten und genau am letzten Spieltag mit einem 1:1 in Braunschweig den Klassenerhalt zu schaffen. Schütze dieses Tores war Lothar Kobluhn, der mit 24 Treffern vor dem Bomber der Nation, Gerd Müller (mit 22 Treffern), Torschützenkönig wurde. Eine erstaunliche Leistung, denn Kobluhn schoss seine Tore nicht nur für einen Abstiegskandidaten, sondern er war noch nicht einmal Stürmer, sondern Mittelfeldspieler.

Spieler und Tore

Dieter Brozulat 34/2, Werner Ohm 34/1, Friedhelm Dick 34/1, Lothar Kobluhn 32/24, Wolfgang Sühnholz 32/6, Hermann-Josef Wilbertz 29/2, Franz Krauthausen 26/7, Reiner Hollmann 26/0, Uwe Kliemann 26/0, Gerd Fröhlich 23/3, Wolfgang Scheid 23/0, Günther Karbowiak 22/2, Hans Schumacher 19/6, Hans Fritsche 15/0, Friedhelm Kobluhn 14/0, Klaus Witt 11/0, Norbert Lücke 10/0, Rainer Laskowsky 7/0, Siegfried Rösen 7/0

Scheid

Wilbertz Kliemann Dick Hollmann

L. Kobluhn Ohm Fröhlich

Brozulat (Karbowiak) Sühnholz Krauthausen

Eine bittere Saison für das Team von der Hafenstraße, das am Ende als Absteiger vielleicht nur deswegen feststand, weil es sich nicht an den Schiebereien und Manipulationen beteiligte. Es war ein tiefer Absturz, denn am dritten und vierten Spieltag hatte RWE sogar an der Tabellenspitze gestanden und nie gedacht, doch noch so tief abzurutschen. Vor allem der Klasse von Torjäger „Ente“ Lippens war dieses Zwischenhoch wesentlich zu danken. Der Holländer spielte sich nicht nur in die Herzen der RWE-Fans, sondern wurde zum Stürmer-Markenzeichen in ganz Deutschland. Doch auch er konnte den schleichenden Niedergang nicht verhindern. Spätestens nach der 2:7-Niederlage in Dortmund und der folgenden 2:3-Heimniederlage gegen Offenbach war der erneute Abstieg besiegelt. Dass sich die Konkurrenz die rettenden Punkte teilweise „erkaufte“, kam erst später ans Licht der Sonne.

Spieler und Tore

Hermann Erlhoff 34/2, Heinz Stauvermann 33/2, Erich Beer 32/2, Walter Hohnhausen 31/9, Fred Bockholt 31/0, Peter Czernotzky 31/0, Willi Lippens 29/19, Roland Peitsch 27/2, Georg Jung 25/1, Wolfgang Rausch 23/1, Günter Fürhoff 22/3, Dieter Bast 22/3, Helmut Littek 22/2, Herbert Weinberg 20/0, Egbert ter Mors 17/1, Diethelm Ferner 15/1, Hans Dörre 5/0, Heinz Blasey 4/0, Heinz Koch 2/0, Klaus Link 2/0, Manfred Burgsmüller 2/0

Bockholt

Czernotzky Erlhoff Peitsch (Rausch) Stauvermann

Jung Beer Fürhoff (Bast)

Littek (Weinberg) Hohnhausen Lippens

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