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revierkick

Spielzeit 1971/72

Schalker Höhenflug vom Skandal gestoppt

Der Verlauf der Liga litt unter den DFB-Skandalermittlungen in erheblichem Umfang. Vor allem Schalke 04 bestimmte auf dem Rasen aber auch vor den Schranken der DFB-Gerichtsbarkeit die Schlagzeilen. Entgegen allen Erwartungen diktierten nicht die hohen Favoriten Bayern München und Borussia Mönchengladbach das Tempo an der Spitze, sondern die blutjunge Gelsenkirchener Mannschaft. Mit drei Punkten Vorsprung wird die Herbstmeisterschaft gefeiert, doch schon zu diesem Zeitpunkt werden die Spieler Woche für Woche mit neuen Beschuldigungen konfrontiert. Am Ende der Saison steht die Bundesliga moralisch vor einem Scherbenhaufen. Arminia Bielefeld muss zwangsweise absteigen, etliche Spieler werden gesperrt. „Sportlich“ muss der BVB absteigen, dessen aus der Not geborene Verjüngungskur endgültig missraten war.

Ein weiterer Skandal beherrscht in dieser Saison die Diskussionen. Der glanzvolle 7:1-Sieg der Gladbacher Borussen gegen Inter Mailand wird wegen eines Büchsenwurfes annulliert. Ein Galaauftritt von Günter Netzer sorgte für einen sensationellen Sturmlauf der Gladbacher Fohlen, der allen Zuschauern unvergesslich bleiben sollte. Dass dieser Torreigen am Ende umsonst gewesen war, dafür sorgte der Dosenwurf auf den Mailänder Stürmer Boninsegna. Der Italiener ließ sich mit einer Bahre vom Platz tragen, daraufhin wurde die Partie von der UEFA annulliert. In Berlin sollte die Neuansetzung stattfinden. Nach einem 0:0 mussten die Gladbacher aus dem Europapokal ausscheiden.

Für Uli Hoeneß sollte es eine grandiose Saison werden. Mit 20 Jahren konnte er sich im Sommer 72 Europameister nennen, außerdem erzielte er das 100. Saisontor der Münchener Bayern im Bundesliga-Gipfel gegen Schalke 04.

In der Regionalliga West entwickeln sich die Teams des Wuppertaler SV und RW Essen zu wahren Torfabriken. Beide treffen in 34 Spielen mehr als 100 Mal. Doch während der WSV sich auch ohne Verlustpunkt in der Aufstiegsrunde durchsetzt, scheitert RWE punktgleich wegen des etwas schlechteren Torverhältnisses an Süd-Meister Kickers Offenbach.

Das Revier in der 1. Liga

Günther Siebert hat sein „dream-team“ beisammen. Die Kremers-Zwillinge komplettierten eine blutjunge, hochbegabte Mannschaft. Die legt los wie die Feuerwehr, gewinnt 5:1 in Hannover (vier Tore von Klaus Fischer) und gibt die Tabellenführung bis weit in die zweite Serie nicht mehr ab. Doch der Konkurrent heißt sportlich Bayern München (mit der Jahrhundert-Achse Maier-Beckenbauer-Müller) und am Grünen Tisch Hans Kindermann. Der DFB-Chefankläger jagt die Schalker Skandal-Sünder, bringt sie schließlich auch zur Strecke. Und bei den täglichen neuen Enthüllungen geht die Konzentration auf dem Rasen verloren. Schalke wird „nur“ Vizemeister, hätte bei der Punktausbeute allerdings in jedem Jahr zuvor mit klarem Vorsprung den Titel geholt. Zum Ausgleich gewinnt man den DFB-Pokal (5:0 gegen Kaiserslautern). Doch der Skandal ist da schon allgegenwärtig, Jürgen Sobieray schon gesperrt, Klaus Fischer sollte bald folgen. Ein Jahrzehnt-Team tanzte nur einen Sommer.

Spieler und Tore

Klaus Scheer 34/18, Herbert Lütkebohmert 34/7, Norbert Nigbur 34/0, Erwin Kremers 33/6, Klaus Fichtel 33/3, Jürgen Sobieray 32/4, Heinz van Haaren 31/1, Rolf Rüßmann 30/4, Reinhard Libuda 30/3, Helmut Kremers 30/3, Klaus Fischer 29/22, Hartmut Huhse 24/1, Nico Braun 12/4, Helmut Manns 3/0, Klaus Beverungen 2/0, Helmut Pabst 1/0,

Nigbur

Sobieray Rüßmann Fichtel H. Kremers

Lütkebohmert Scheer van Haaren

Libuda Fischer E. Kremers

Der erste Auftritt in Deutschlands Eliteliga begann für die Blau-Weißen nach Maß: Dem 1:0-Auftaktsieg gegen Eintracht Braunschweig (Hans-Werner Hartl traf), folgte ein 3:2-Erfolg im Derby bei Rot-Weiß Oberhausen. Im Laufe der Saison ging es für den Erstliga-Neuling zwar stetig auf und ab, aber ernsthaft in Abstiegsgefahr begaben sich die Schützlinge von Trainer Hermann Eppenhoff in der Rückrunde nicht mehr. Am Ende stand ein sensationeller neunter Tabellenplatz (34:34 Punkte), der genauso gefeiert wurde, wie die 22 Saisontore von Hans Walitza.

Spieler und Tore

Hans Walitza 34/22, Reinhold Wosab 34/5, Hans-Jürgen Bradler 34/0, Dieter Fern 32/2, Hans-Werner Hartl 31/10, Werner Balte 31/8, Werner Krämer 28/2, Erwin Galeski 27/0, Manfred Rüsing 25/0, Harry Fechner 23/3, Dieter Versen 23/0, Dieter Zorc 21/0, Hans-Günther Etterich 20/5, Hans-Jürgen Köper 17/2, Gerd Wiesemes 9/0, Heinz-Jürgen Blome 9/0, Franz-Josef Laufer 8/0, Werner Jablonski 7/0, Harry Bohrmann 1/0, Udo Böckmann 1/0

Bradler

Wosab Galeski Rüsing (Fechner) Versen

Balte Krämer Zorc (Etterich)

Hartl Walitza Fern

Das ewige Auf und Ab der Zebras in der ersten Liga geht mit einer neuerlichen Talfahrt weiter. Vor allem ist die Bastion Wedaustadion nicht mehr zu halten. Negativ auffällig vor allem die mangelhafte Durchschlagskraft im Angriff, wo der Torjäger der letzten Jahre, der kleine Rainer Budde, verletzungsbedingt lange ausfällt. Der hatte am ersten Spieltag, beim 2:1-Heimsieg gegen den BVB, mit seinem Siegtor kurz vor Schluss noch für großen Jubel gesorgt. Umsonst war dieses Jahr aber schon deshalb nicht, weil die in Zukunft dominierenden Stürmer Klaus Wunder, Rudi Seliger und Ronald Worm beim MSV starteten. Doch auch bei diesen Ausnahme-Angreifern wuchsen die Bäume nicht in den Himmel. Schon in ihrem ersten Jahr konnten sie die Duisburger nicht aus dem Mittelmaß reißen.

Spieler und Tore

Kurt Rettkowski 34/2, Michael Bella 34/1, Detlev Pirsig 34/0, Johannes Riedl 33/4, Bernhard Dietz 31/3, Djordje Pavlic 30/2, Hartmut Heidemann 29/0, Bernd Lehmann 28/6, Klaus Wunder 27/7, Volker Danner 26/0, Johannes Linßen 21/3, Rudolf Seliger 21/1, Gerhard Kentschke 19/2, Reiner Budde 17/2, Heinz-Peter Buchberger 11/0, Ronald Worm 10/3, Dietmar Linders 8/0, Helmut Roth 2/0, Werner Schneider 2/0

Danner

Heidemann Rettkowski Pirsig Bella

Lehmann Dietz Pavlic Linßen (Seliger)

Wunder Riedl

Wie ein Mühlstein lastete der Bundesligaskandal auf den von der ersten Spielminute an abstiegsgefährdeten Kleeblatt-Kickern. Zumal die Abgänge von Sühnholz und Krauthausen schwer wogen. Die überragenden Stürmer der letzten Jahre waren gemeinsam zum FC Bayern München abgewandert. Um so höher ist die kämpferische Leistung des Teams zu bewerten, das am Ende den Kopf über Wasser hielt. Zwar reichte es auswärts nur zu einem einzigen doppelten Punktgewinn (dem 1:0 bei Arminia Bielefeld), aber zu Hause wurde mit einer starken Abwehr, in der der lange Kliemann in jeder Hinsicht überragte, die Grundlage für ein weiteres Jahr erste Liga geschaffen. Für Vereins-Boss Peter Maaßen war es dagegen schon das letzte Jahr Erstklassigkeit. Der „Pascha“ stolperte über seine Verstrickungen in den Bundesligaskandal.

Spieler und Tore

Ludwig Denz 34/3, Reiner Hollmann 32/2, Willi Mumme 32/2, Gerd Wörmer 31/0, Wolfgang Scheid 31/0, Uwe Kliemann 30/4, Franz-Josef Tenhagen 30/2, Hans Schumacher 25/6, Werner Ohm 25/0, Friedhelm Dick 25/0, Hermann-Josef Wilbertz 24/0, Fred Hoff 20/6, Lothar Kobluhn 15/1, Gert Fröhlich 15/1, Ulrich Kallius 12/1, Bernd Hoffmann 11/2, Franz Emans 9/2, Herbert Liedtke 7/0, Dietmar Jakobs 5/0, Willi Jansen 4/0, Friedel Szeimies 1/0, Wolfgang Habel 1/0

Scheid

Wilbertz Kliemann Dick Wörmer

Tenhagen Ohm (Hoff) Hollmann Denz

Mumme Schumacher

Am Ende der Saison steht für den ruhmreichen BVB der Super-Gau – der Abstieg aus der Bundesliga. Es ist ein Niedergang mit Ansage. Denn von der glanzvollen Elf, die sechs Jahre zuvor den Europapokal der Pokalsieger gewann, ist lediglich „Hoppy“ Kurrat übrig geblieben. Und auch der spielt nur noch die Hälfte der Saison. Dann muss er mit ansehen, wie aus dem BVB die Schießbude der Liga wird. Schlimmer Höhepunkt: Die 1:11-Klatsche bei den Münchener Bayern. Auch das 1:7 gegen Mönchengladbach und das 0:6 in Kaiserslautern machten anschaulich, dass die Borussia mit dieser dünnen Spielerdecke im Oberhaus nichts zu suchen hatte. 20 jämmerliche Punkte bedeuteten am Ende den Abstieg, der früh feststand. Denn vom 23. Spieltag trug Dortmund die Rote Laterne, trat sie erst am bedeutungslosen letzten Spieltag an Arminia Bielefeld ab.

Spieler und Tore

Branco Rasovic 33/0, Theo Bücker 32/8, Jürgen Schütz 29/11, Gerd Peehs 29/0, Dieter Mietz 29/0, Jürgen Rynio 28/0, Siegfried Köstler 26/2, Hans-Joachim Andree 25/1, Manfred Ritschel 23/0, Werner Lorant 23/0, Walter Hohnhausen 22/2, Dieter Weinkauff 18/4, Theodor Rieländer 18/3, Reinhold Mathes 18/0, Alfons Sikorra 17/0, Dieter Kurrat 17/0, Friedel Mensink 12/0, Jürgen Wilhelm 7/3, Horst Bertram 7/0, Karl-Heinz Henke 5/0, Ingo Peter 5/0

Rynio

Peehs Mietz Rasovic Andree

Lorant Köstler Bücker Schütz

Ritschel Hohnhausen (Weinkauff)

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