Impressum | Kontakt

revierkick

Spielzeit 1974/75

Schalke führt die Bongartz-Mark ein

Deutschland ist Weltmeister. Und als die Bundesliga zur neuen Saison geöffnet wird, scheinen einige der Helden die Rückkehr in den Alltag noch nicht ganz verkraftet zu haben. Bayern München, als Titelverteidiger und großer Meisterschaftsfavorit gestartet, geht mit 0:6 im Frankfurter Waldstadion gegen Kickers Offenbach unter. Hennes Weisweilers Gladbacher Fohlen verpatzten die Saisonpremiere auf dem heimischen Bökelberg mit 1:3 gegen den HSV. Doch die „Mönche“ fangen sich, im Gegensatz zu den total enttäuschenden Bayern, die am Ende auf Platz zehn landen, und werden Meister. Ein idealer Zeitpunkt für den charismatischen Trainer Hennes Weisweiler, sich beim FC Barcelona eine neue Herausforderung zu suchen.

Mit großen Erwartungen war Schalke 04 in die Spielzeit gegangen. Alle „Sünder“ wieder an Bord, dazu mit Hannes Bongartz einen Regisseur hinzu bekommen, der die Hoffnungen auf den Titel weckte. Er wird von Wattenscheid 09 für 700.000 Mark gekauft, wobei jede Eintrittskarte eine DM teurer wird – die Bongartz-Mark geht in die Geschichte der Liga ein. Am Ende langte es wegen einer frappierenden Auswärtsschwäche nur zu Rang sieben. Die anderen Revier-Klubs im Oberhaus sind wieder mal lediglich froh, dem Abstieg entkommen zu sein.

Im ersten Jahr der neuen „zweiten Bundesliga“ gehen in der Staffel Nord von 20 Klubs sechs Vereine aus dem Revier an den Start. Am besten von ihnen schneidet der BVB ab – Platz sechs. Ein anderer, der vor kurzem noch Erstligaluft schnupperte, wird dagegen weiter gereicht in die Amateurklasse. Für RW Oberhausen geht es noch eine Etage tiefer.

Das Revier in der 1. Liga

Riesen-Euphorie vor dem Start. Denn bis auf Heinz van Haaren hat Günther Siebert sein Dreamteam von 1971/72 wieder auf dem Platz. Selbst der 31-Jährige „Stan“ Libuda greift nochmals an. Doch hat er auf seiner Position in Rüdiger Abramczik bereits seinen Nachfolger gefunden. Und für Heinz van Haaren ist mit Hannes Bongartz vom Nachbarn Wattenscheid eines der größten deutschen Talente in den S04-Kader gestoßen. Der „Spargel-Tarzan“ erfüllt auch die Erwartungen. Doch einige der Skandal-„Sünder“ finden nicht zur Form aus dem Pokalsiegerjahr zurück. Lediglich Klaus Fischer ist beständig torgefährlich. Und auswärts spielt das Team gehemmt und ohne Glück. Lediglich ein Mal können sie in der Fremde wirklich überzeugen. Nach 73 ungeschlagenen Heimspielen werden die Bayern mit 2:0 im Olympiastadion „geknackt“.

Spiele und Tore

Hans Bongartz 34/6, Klaus Fischer 33/17, Norbert Nigbur 33/0, Herbert Lütkebohmert 32/3, Erwin Kremers 31/4, Rüdiger Abramczik 31/2, Klaus Fichtel 29/1, Rainer Budde 28/8, Bernd Thiele 28/0, Helmut Kremers 27/7, Hartmut Huhse 23/0, Klaus Scheer 20/2, Rolf Rüssmann 19/0, Jürgen Sobieray 15/0, Ulrich van den Berg 10/1, Reinhard Libuda 5/0, Manfred Dubski 2/0, Hans-Günther Bruns 1/1, Peter Endrulat 1/0, Franz Krauthausen 1/0

Nigbur

Thiele Fichtel Huhse (Rüßmann) H. Kremers

Lütkebohmert Bongartz Budde

Abramczik Fischer E. Kremers

Begleitet wurde der Saisonauftakt von etlichen Unkenrufen und enttäuschten VfL-Fans. Der Grund: Torjäger und Sympathieträger Hans Walitza musste aus finanziellen Nöten verkauft werden (erzielt wurde die damalige Rekordsumme von 600.000 Mark). Dass seine Lücke geschlossen werden konnte, daran glaubte kaum einer im Bochumer Umfeld. Doch Jupp Kaczor, gerade mal 20 Jahre jung, erzielte 10 Treffer und schlug genauso grandios ein, wie Werner Balte, der es auf 14 Saisontore brachte. Für die Mannschaft gab es über die gesamten 34 Spieltage keine Abstiegssorgen, am Ende belegte man einen sicheren 11. Platz mit 33:35 Punkten und 53:53 Toren.

Spiele und Tore

Werner Balte 34/14, Paul Holz 34/7, Michael Lameck 34/4, Klaus Franke 34/1, Josef Kaczor 33/10, Franz-Josef Tenhagen 33/4, Werner Scholz 33/0, Michael Eggert 29/2, Dieter Versen 28/1, Hartmut Fromm 28/0, Hans-Jürgen Köper 24/5, Hans-Werner Eggeling 21/2, Hans-Joachim Pochstein 16/1, Klaus-Dieter Dewinski 9/1, Hermann Gerland 9/0, Hans-Jürgen Bradler 2/0, Erwin Galeski 2/0, Gisbert Horthemke 2/0,

Scholz

Eggert Franke Fromm Versen

Tenhagen Holz Lameck Balte

Kaczor Eggeling (Köper)

Wohl dem, der solche Stürmer hat. Manni Burgsmüller und Willi Lippens (18 und 15 Tore) sind fast schon alleine die Garanten für den ungefährdeten Klassenerhalt der Essener in dieser Spielzeit. Das Duo schießt zusammen mehr Tore als der Wuppertaler SV. Sie sorgen immer wieder dafür, dass RWE auch nach Krisen (wie nach dem 1:9 in Frankfurt) stets Anschluss ans Mittelfeld findet. Doch bei aller Zufriedenheit über die Leistungen im sportlichen Bereich, sind die Zukunftssorgen eklatant. Denn bei RWE beklagen sie ein chronisches Desinteresse des Essener Publikums bei den Heimspielen. Zuschauerzahlen um 12.000 sind die Regel, und mit solch mäßigen Einnahmen ist Bundesligafußball auf Dauer nicht zu finanzieren. Zumal in der Wirtschaftsmetropole auch kein Groß-Sponsor für RWE zu finden ist.

Spiele und Tore

Manfred Burgsmüller 34/18, Willi Lippens 34/15, Gerd Wieczorkowski 34/2, Günther Fürhoff 32/6, Dieter Bast 32/5, Hans Dörre 32/3, Werner Lorant 31/3, Eberhard Strauch 30/1, Gerd Wörmer 28/2, Klaus Senger 28/0, Hermann Erlhoff 26/1, Hermann Lindner 19/0, Heinz Blasey 19/0, Jürgen Rynio 16/0, Uwe Finnern 11/0, Harry de Vlugt 5/0

Blasey (Rynio)

Senger Wörmer (Erlhoff) Wieczorkowski Strauch

Dörre Lorant Fürhoff Burgsmüller

Bast Lippens

Wieder keine berauschende Saison an der Wedau. Gerade 30 Punkte stehen nach Beendigung der Spielzeit auf dem Konto. Damit kann niemand zufrieden sein. Dabei hatte es alles fantastisch begonnen. Nach Siegen in Wuppertal (4:1) und zu Hause gegen Schalke (2:0), findet sich der MSV nach dem zweiten Spieltag auf Platz eins wieder. Doch die Euphorie wird schnell im Keim erstickt, weil der weitere Weg des MSV einer Achterbahnfahrt gleicht. Überzeugenden Siegen folgen haarsträubende Patzer. Da ist auf Dauer kein Spitzenplatz zu halten. Zumal nach dem Abgang von Klaus Wunder zum FC Bayern der richtige Torjäger fehlt. Worm und Seliger mühen sich vorne nach Kräften (unterstützt von Mittelfeldler Lehmann, der auch zehn Mal trifft), aber allzu oft schießen sie mindestens ein Tor weniger, als die nicht sattelfeste Abwehr hinten zulässt.

Spiele und Tore

Theo Bücker 34/9, Bernhard Dietz 34/8, Werner Schneider 33/1, Bernd Lehmann 32/10, Michael Bella 32/1, Dietmar Linders 32/0, Detlev Pirsig 31/0, Ronald Worm 30/10, Klaus Thies 29/4, Rudolf Seliger 25/5, Herbert Büssers 23/8, Lothar Schneider 20/0, Kees Bregman 20/0, Klaus Bruckmann 18/0, Walter Krause 13/2, Martin Holscher 3/0, Uwe Montelett 1/0

Linders

W. Schneider Bella Pirsig Dietz

Bücker Lehmann Büssers (L. Schneider)

Seliger Worm Thies

Bild7475