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revierkick

Spielzeit 1975/76

„Trainer-Werfen“ wird zum Hobby der Vereins-Bosse

Auch ohne Hennes Weisweiler gelingt Borussia Mönchengladbach im 13. Jahr seit Einführung der Bundesliga die souveräne Titelverteidigung. Der im Vorjahr bei Bayern München entlassene Udo Lattek wird Nachfolger von „Don Hennes“, obwohl er sich eigentlich schon bei Rot-Weiß Essen an der Hafenstraße gebunden hatte. Aber der Deutsche Meister kauft ihn aus diesem Vertrag heraus. „Sicherheitsspieler“ Lattek ändert zwar das System der Borussia, verlässt aber nicht den Erfolgsweg.

Den finden die Bayern weiter nur im Europacup. Zum dritten Mal in Serie gelingt der Gewinn des Europacups der Landesmeister.

Auf der Kirmes namens Bundesliga Karussell zu fahren, hieß für die Trainergilde in diesem Jahr nichts Gutes. Insgesamt acht vorzeitige Entlassungen (zwei davon auch im Revier bei Schalke und Duisburg) bedeuteten auch im Zeitalter der Schleudersitze einen neuen Rekord.

Weiter aufwärts geht es auch mit den Zuschauerzahlen, auch wenn die Spielzeit zum Schluss wegen der frühen Entscheidungen an Spannung verliert. Mit mehr als 22.000 pro Begegnung läutet die Saison den kommenden Liga-Boom ein.

In der zweiten Bundesliga Nord gelingt dem BVB, der im Westfalenstadion im Durchschnitt mehr als 40.000 Fans begrüßen darf, endlich die Rückkehr in die Bundesliga. Platz zwei hinter TeBe Berlin reicht dazu. Absteigen aus dem 20er-Feld müssen dagegen die Ruhrgebiets-Dinos Spvgg. Erkenschwick und 1.FC Mülheim.

Das Revier in der 1. Liga

Max Merkel, der Mann mit der Peitsche, soll dem hoch talentierten aber etwas undisziplinierten S04-Kader Zucht und Ordnung beibringen. Ziel ist abermals ein Spitzenplatz. Dazu wird mit Branko Oblak ein wahrer Ballzauberer verpflichtet. Doch die Saison beginnt gleich mit einer 1:4-Klatsche beim Hamburger SV, und im Herbst befinden sich die Schalker nach durchwachsenem Verlauf statt an der Spitze im schnöden Mittelfeld wieder. Kein Wunder, dass Merkel bald durch Friedel Rausch abgelöst wird. Auch der Skandal meldet sich. Die Spieler finden nach ihren Meineiden ungewöhnlich milde Richter. Und auch Boss Günther Siebert wird vom Vorwurf des Meineids freigesprochen. Nach der Urteilsverkündung bricht er daraufhin weinend im Gerichtssaal zusammen. Kleiner Trost für Schalke nach letztlich unbefriedigender Saison: Der UEFA-Cup wird erreicht und Klaus Fischer ist Torschützenkönig der Bundesliga geworden.

Spiele und Tore

Klaus Fischer 34/29, Jürgen Sobieray 34/5, Norbert Nigbur 33/0, Erwin Kremers 32/11, Hans Bongartz 32/8, Klaus Fichtel 32/4, Herbert Lütkebohmert 29/3, Manfred Dubski 28/0, Bernd Thiele 27/2, Rüdiger Abramczik 26/3, Helmut Kremers 24/6, Branco Oblak 21/2, Rolf Rüßmann 21/0, Hans-Günther Bruns 18/1, Jürgen Gede 14/2, Ulrich van den Berg 4/0, Norbert Elgert 3/0, Ulrich Bittcher 2/0, Dragan Mutibaric 2/0, Rudolf Schonhoff 2/0, Mathias Schipper 1/0, Friedhelm Schütte 1/0

Nigbur

Sobieray Fichte Thiele H. Kremers

Bongartz Lütkebohmert Dubski (Oblak)

Abramczik Fischer E. Kremers

Vor der Saison steht eigentlich Udo Lattek als neuer Trainer fest. Doch der entscheidet sich spät trotz gültiger Verträge für Meister Mönchengladbach – da haben die Juristen das Wort. Mit Ivica Horvath verpflichtet RWE aber für den Trainerposten sicher mehr als nur einen Ersatz für Lattek. Und die Essener liefern eine glänzende Saison ab, verpassen am Ende nur äußerst knapp die Qualifikation für den internationalen Wettbewerb. Trotz solcher Sturm-Ikonen wie Willi Lippens, Dieter Bast und Manni Burgsmüller ist der eigentliche Star im Angriff ein vorher Unbekannter. Horst Hrubesch schießt in 22 Spielen stolze 18 Treffer, macht sich einen Namen in der Liga als „Kopfball-Ungeheuer“. Trotz der vielen Siege und Tore, die RWE in dieser Saison feiern kann, bleibt die Zuschauerresonanz weitgehend mäßig. Das Ergebnis: Am Ende der Saison müssen mit Lippens und Burgsmüller die Stars nach Dortmund verkauft werden.

Spiele und Tore

Hartmut Huhse 34/3, Gerd Wieczorkowski 34/0, Dieter Bast 33/6, Gerd Wörmer 33/0, Hans-Günter Neues 31/0, Manfred Burgsmüller 30/14, Willi Lippens 30/10, Werner Lorant 26/7, Hans Dörre 25/1, Heinz Blasey 24/0, Horst Hrubesch 22/18, Eberhard Strauch 22/0, Hermann Lindner 20/1, Uwe Finnern 13/0, Jürgen Rynio 10/0, Günther Fürhoff 9/0, Hermann Erlhoff 1/0

Blasey

NeuesWieczorkowskiWörmerHuhse

DörreBastLorantBurgsmüller

HrubeschLippens

Trotz eines leichten Aufwärtstrends bleibt der MSV die graue Maus der Liga schlechthin. Die Zebras treten auf der Stelle, verlassen während der ganzen Spielzeit nie das untere Mittelfeld, stehen im Herbst zudem längere Zeit auf einem Abstiegsplatz. Von März an soll mit Rolf Schafstall für Willibert Kremer auf der sportlichen Kommandobrücke ein frischer Wind wehen. Dem harten Knochen Schafstall gelingt es dann auch, den MSV rechtzeitig in sichere Fahrwasser zu führen. Verlassen kann er sich besonders auf seine torgefährlichen Mittelfeldspieler Büker und Büssers (beide sieben Tore). Büssers ist es auch, der wenigstens für ein bisschen Glanz sorgt. Beim mit 1:3 verlorenen Spiel gegen Schalke 04 erzielt er mit seinem Ehrentreffer das 12.000 Tor der Bundesliga-Geschichte.

Spiele und Tore

Theo Bücker 34/7, Bernard Dietz 34/7, Detlev Pirsig 34/0, Rudolf Seliger 33/4, Werner Schneider 33/2, Ronald Worm 31/12, Kurt Jara 31/4, Kees Bregman 30/2, Michael Bella 29/3, Herbert Büssers 27/7, Gerhard Heinze 23/0, Klaus Thies 20/0, Klaus Bruckmann 18/3, Lothar Schneider 13/2, Dietmar Linders 11/0, Walter Krause 8/1, Bernd Lehmann 4/0

Heinze

W. SchneiderBregmanPirsigBella

BükerDietzJaraBüssers

SeligerWorm

In der Saison 75/76 ging es für den VfL von Beginn an einzig und allein um den Klassenerhalt, doch das war nicht die einzige Hürde für die Bochumer. Denn Mitten im Abstiegskampf musste man das heimische Stadion an der Castroper Straße verlassen, denn das sollte umgebaut und konkurrenzfähig gemacht werden. Für mehrere Monate hieß das neue Domizil des VfL also „Schloss Strünkede“, wo in der Herner Nachbarstadt die Heimspiele ausgetragen wurden. Doch im Schnitt 18.000 Fans reisten mit ihrer Mannschaft und so wurde das Ausweichstadion wirklich zur zweiten Heimat. Das Saisonfinale war an Spannung nicht zu überbieten: Der Karlsruher SC war zu Gast, 25.000 Fans sahen ein 4:2-Sieg des VfL, der am Ende für einen umjubelten 14. Tabellenplatz sorgte.

Spiele und Tore

Heinz-Werner Eggeling 34/6, Michael Lameck 34/6, Hans-Jürgen Köper 34/4, Franz-Josef Tenhagen 34/2, Werner Scholz 34/0, Michael Eggert 32/4, Hans-Joachim Pochstein 31/3, Hartmut Fromm 30/1, Josef Kaczor 27/12, Werner Balte 27/3, Hermann Gerland 25/1, Erich Miß 18/1, Harry Ellbracht 15/4, Klaus Franke 14/0, Dieter Versen 13/0, Holger Trimhold 12/1, Peter Kursinski 4/0, Klaus-Dieter Dewinski 2/0, Wolfgang Euteneuer 2/0,

Scholz

EggertFrommGerlandLameck

TenhagenKöperBalte

PochsteinKaczorEggeling

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