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revierkick

Spielzeit 1976/77

Schalke fehlt Punkt zum Titel

Alles Müller – oder was?! Von der werbefreundlichen Molkerei aus dem Bayerischen ist noch nicht die Rede, da „müllert“ es in der Liga schon gewaltig. Denn nicht nur Gerd Müller lässt die Torhüter zittern. Auch Dieter Müller ballert aus allen Rohren. Mit 34 Toren wird er auch überlegen Torschützenkönig dieser Spielzeit.

Meister wird abermals – zum dritten Mal hintereinander – Borussia Mönchengladbach. Doch eine langweilige Saison war es gewiss nicht. Fast wäre Schalke am letzten Spieltag sogar noch an den Fohlen vorbei als Erster durchs Ziel gelaufen. Aber die Lattek-Schützlinge behielten beim 2:2 im Münchener Olympiastadion die Nerven und holten den letzten noch nötigen Punkt.

Auch der Abstiegskampf ist bis zum Schluss offen. Dann erwischt es neben den lange fest stehenden RW Essen und Tennis Borussia Berlin auch noch den Karlsruher SC.

Das Interesse an der Liga bleibt hoch, schnellt sogar auf den neuen Höchststand von 24.000 pro Spiel empor. Auch deshalb, weil Schalke und Borussia Dortmund viele positive Schlagzeilen schreiben und viele Fans zu ihren Heim- und auch Auswärtsspielen mobilisieren. Pokalsieger wurde der 1. FC Köln, der auch einen weiteren Liga-Rekord vermeldete: Für den Belgier Roger van Gool wurde erstmalig eine siebenstellige Ablösesumme gezahlt.

Das Revier in der 1. Liga

Um ein Haar können die Blau-Weißen eine große Aufholjagd zum Ende der Saison noch mit dem Titel krönen. Danach hatte es nach einer sehr durchwachsenen Spielzeit, in der die Schalker selten über einen Mittelfeldplatz hinaus kamen, nicht ausgesehen. Schon gar nicht nach der 0:1-Heimniederlage gegen den 1.FC Saarbrücken am 28. Spieltag. Doch der folgende 7:1-Sieg beim KSC leitete eine Siegesserie von sechs Spielen ein, und am Ende fehlte ein Punkt an der achten Deutschen Meisterschaft. Dass es nicht ganz gereicht hat, kreideten viele dem jugoslawischen Duo Maric und Oblak an. Der Keeper leistete sich eine Reihe folgenschwerer Schnitzer. Und der Mittelfeldspieler haderte auch öffentlich damit, dass die Regisseur-Rolle Hannes Bongartz übertragen worden war.

Spiele und Tore

Klaus Fichtel 34/0, Rolf Rüßmann 33/9, Helmut Kremers 33/4, Klaus Fischer 31/24, Rüdiger Abramczik 31/10, Hans Bongartz 31/7, Jürgen Sobieray 31/1, Enver Maric 31/0, Branco Oblak 28/3, Herbert Lütkebohmert 25/2, Erwin Kremers 24/7, Bernd Thiele 20/0, Ulrich Bittcher 19/2, Jürgen Gede 19/0, Manfred Dubski 17/2, Mathias Schipper 5/0, Friedhelm Schütte 3/0, Günther Schubert 3/0, Thomas Lander 2/1, Norbert Dörmann 2/0, Hans-Günther Bruns 1/0, Uwe Höfer 1/0

Maric

Sobieray Fichtel Rüßmann H. Kremers

Lütkebohmert Bongartz Oblak

Abramczik Fischer E. Kremers

Endlich wieder in der Bundesliga, konnte sich der BVB sogleich mit zwei exzellenten Spielern von der Essener Hafenstraße verstärken. Manni Burgsmüller und Willi Lippens trafen auch in Schwarz-Gelb mit gewohnter Zuverlässigkeit. Zu ihnen gesellte sich noch der „braune Bomber“ Erwin Kostedde. Das reichte für einen respektablen Mittelfeldplatz, wie ihn Coach Otto Rehhagel vor der Saison auch als Ziel angegeben hatte. Auch erwies sich das Westfalenstadion in seiner ersten Erstliga-Saison als wahrer Zuschauermagnet. Als Attraktionen der Mannschaft erwiesen sich aber nicht allein die drei treffsicheren Stürmer Lippens, Burgsmüller und Kostedde. Auch Verteidiger Lothar Huber bereitete mit seinen „Bananenflanken“ den Fans Freude und viele Tore vor.

Spiele und Tore

Lothar Huber 34/8, Burghardt Segler 34/7, Klaus Ackermann 34/1, Horst Bertram 34/0, Hans-Joachim Wagner 32/0, Willi Lippens 29/8, Herbert Meyer 28/1, Helmut Nerlinger 28/1, Erwin Kostedde 27/11, Hans-Werner Hartl 27/7, Manfred Burgsmüller 24/14, Egwin Wolf 24/1, Wolfgang Vöge 23/5, Peter Geyer 23/4, Miroslav Votava 22/3, Hans-Gerd Schildt 8/0, Gerd Kasperski 4/0, Friedhelm Schwarze 2/0, Bernd Krauss 1/0,

Bertram

Huber Wagner Meyer Ackermann (Wolf)

Segler Nerlinger (M. Votava) Burgsmüller

Hartl (Vöge) Kostedde Lippens

Als Mannschaft der zwei Gesichter präsentierte sich der MSV in dieser Saison. Zu Hause wurde bei nur einer Niederlage (2:3 gegen Saarbrücken) feuriger Offensivfußball abgeliefert. Auswärts konnte dagegen außer in Berlin nur bei den abgeschlagenen Absteigern Rot-Weiß Essen und Tennis Borussia Berlin gewonnen werden. Der fünfte Platz in der Vorrundentabelle weckte Gelüste auf einen Platz im UEFA-Cup. Bis zum 27. Spieltag kamen die „Zebras“ sogar bis auf vier Punkte an den Tabellenführer Gladbach heran. Doch danach gewann der MSV bei 3:11 Punkten kein Spiel mehr. Ärgerlich für die Fans auch die Nachricht, dass Publikumsliebling Werner Schneider in der kommenden Saison bei Borussia Dortmund spielen würde. Die Ablösesumme versüßte den Duisburgern den Transfer: 900.000 Mark.

Spiele und Tore

Ronald Worm 34/13, Kurt Jara 34/7, Theo Büker 33/6, Kees Bregman 33/2, Bernard Dietz 32/7, Rudolf Seliger 32/6, Detlev Pirsig 32/1, Werner Schneider 32/1, Gerhard Heinze 32/0, Herbert Büssers 31/10, Michael Bella 26/0, Klaus Bruckmann 20/1, Klaus Thies 15/4, Günther Weber 12/1, Norbert Fruck 8/1, Jürgen Suchanek 5/0, Wolfgang Schreiner 2/0, Friedel Schüller 1/0

Heinze

W. Schneider Bregman Pirsig Bella

Büker Jara Dietz Büssers

Seliger Worm

Dass der VfL erneut nur knapp dem Abstieg entging, am Ende belegte man Platz 15 (29:39 Punkte, 47:62 Tore), ist nur eine Erinnerung an die Saison 76/77. Vergessen haben Zeitzeugen garantiert einige Spiele dieser Runde, doch wer beim Gastauftritt der Münchener Bayern in Bochum dabei war, kann sich bis heute noch an die Dramatik des Spiels erinnern. 4:0 führte der VfL vor eigenem Publikum und sah wie der sichere Sieger aus, doch die Bayern meldeten sich zurück und kamen per Foulelfmeter zum Ausgleich. Als Uli Hoeneß dann auch noch das 5:4 für den FCB erzielte, herrschte im weiten Rund Totenstille. Aber der VfL kam noch einmal zurück und konnte durch Trimhold ausgleichen. Es nutzte alles nichts: Erneut Hoeneß stürzte die Bochumer mit dem 6:5-Endstand in tiefe Trauer. Trainer Höher: „So ein Spiel erlebe ich wohl nie wieder.“

Spiele und Tore

Josef Kaczor 34/21, Franz-Josef Tenhagen 34/3, Matthias Herget 34/0, Werner Scholz 33/0, Holger Trimhold 32/7, Michael Eggert 32/3, Hans-Joachim Pochstein 32/1, Hermann Gerland 32/0, Michael Lameck 30/2, Klaus Franke 29/0, Jürgen Köper 20/2, Hartmut Fromm 17/1, Paul Holz 17/1, Heinz-Werner Eggeling 13/2, Werner Balte 10/0, Harry Ellbracht 6/4, Erich Miß 5/0, Peter Kursinski 4/0, Wolfgang Euteneuer 3/0, Reinhard Mager 1/0

Scholz

Eggert Tenhagen Franke (Fromm) Gerland

Köper Herget Lameck Trimhold

Pochstein Kaczor

Zur Schießbude der Liga avancierte Rot-Weiß Essen in dieser Saison. Insgesamt 103 Gegentreffer bedeuteten einen neuen Negativrekord nach den 108 Einschüssen bei den Berliner Tasmanen. Die Torhüter Blasey und Granzow wurden im Kasten der Elf von Hermann Erlhoff, der am 27. September das Amt von Ivica Horvath übernommen hatte, nicht glücklich. Vor allem auswärts ergaben sich die Essener fast freiwillig ihrem Schicksal. Doch auch zu Hause gibt es gegen die Revier-Rivalen Duisburg und Dortmund böse 1:5-Klatschen. Den bösesten Hieb mussten die Fans beim 1:8 (!) gegen die Frankfurter Eintracht an der Hafenstraße hinnehmen. Nicht nur hier sorgte Torjäger Horst Hrubesch mit seinem Ehrentreffer für den einzigen schwachen Trost der rot-weißen Anhänger.

Spiele und Tore

Flemming Lund 34/2, Gerd Wieczorkowski 33/5, Günther Fürhoff 32/3, Gerd Wörmer 32/0, Werner Lorant 31/4, Dieter Bast 28/4, Hartmut Huhse 27/1, Horst Hrubesch 26/20, Siegfried Böninghausen 25/1, Hans-Günther Neues 25/0, Hans Dörre 24/3, Heinz Blasey 23/0, Frank Mill 19/3, Hans Krostina 14/0, Eberhard Strauch 13/0, Ulrich Surau 12/3, Ulrich Granzow 8/0, Klaus Zedler 6/0, Wolfgang Patzke 5/0, Roland Spott 3/0, Jürgen Kaminsky 1/0, Hermann Lindner 1/0

Blasey

Huhse Wieczorkowski Wörmer Neues

Fürhoff Lorant (Dörre) Bast

Lund Hrubesch Böninghausen (Mill)

Schalke 76 bild