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revierkick

Spielzeit 1980/81

Kaisers Rückkehr und Charlys Tränen

Wieder eine Saison mit einem rasanten Zweikampf an der Tabellenspitze. Macht es der HSV? Oder mal wieder die Bayern? Am 25. Spieltag führt der HSV mit drei Punkten Vorsprung und zu Hause gegen die Bayern. Alles scheint entschieden. Dann gleicht Paul Breitner in der Schlussminute zum 2:2 aus. Und am Saisonende haben die Münchener vier Punkte Vorsprung vor dem HSV.

Bei dem spielt übrigens ein Münchener gelegentlich mit – Kaiser Franz. Beckenbauer ist aus seinem amerikanischen Exil zurückgekommen, kann aber dem Tempo in der Bundesliga nicht mehr recht folgen.

Eine Tragödie spielt sich am Tabellenende ab. Mit 1860 München und Schalke 04 erwischt es zwei Vereine, die noch in den Herzen der Fans zu Hause sind. Deswegen bricht im Kohlenpott und an der Isar eine Welt zusammen. Für Schalke ist es der erste Abstieg der Vereinsgeschichte und für Millionen TV-Zuschauer wird der hemmungslos schluchzende Schalker Spielerbetreuer Charly Neumann zur Inkarnation von Treue und Liebe zum Verein überhaupt. Später stellt sich allerdings heraus, dass der clevere Großgastronom und ehemalige Schauspieler seinen Gefühlsausbruch bewusst Richtung Kameras inszenierte, sogar mehrfach mit dem Heulen neu begann, damit die Beleuchtung richtig eingerichtet werden konnte. Schalker Verhältnisse.

Das Revier in der 1. Liga

Die Lattek-Euphorie aus dem Vorjahr hielt an, konnte aber nicht umgesetzt werden. Zum einen zog es den Meistertrainer wegen des tragischen Todes seines Sohnes aus Deutschland fort (Assistent Rolf Bock übernahm interimsweise das Kommando). Zum anderen lief auch auf dem Rasen nicht alles rund. Positiv allerdings die Impulse, die ausgerechnet aus Schalke kamen. Der BVB verstärkte sich nämlich mit Flügelflitzer Rüdiger Abramczik und Abwehrhüne Rolf Rüßmann, die beide aus finanziellen Gründen vom Nachbarn verkauft werden mussten. Außerdem erhielt der BVB Verstärkung durch den ersten Türken. Erdal Keser machte auf Linksaußen manch gute Partie. Jubel auch über Jung-Keeper Eike Immel: Der bestritt sein erstes Länderspiel im Oktober 1980 gegen die Niederlande (1:1).

Spiele und Tore

Eike Immel 34/0, Manfred Burgsmüller 33/27, Rüdiger Abramczik 33/9, Miroslav Votava 33/8, Peter Geyer 33/4, Hans-Joachim Wagner 32/2, Herbert Hein 30/0, Atli Edvaldsson 28/11, Werner Schneider 28/1, Lothar Huber 25/3, Meinolf Koch 24/1, Theo Schneider 18/2, Rolf Rüßmann 18/1, Norbert Dörmann 18/0, Paul Holz 8/0, Erdal Keser 7/0, Ralf Augustin 3/0, Horst Freund 3/0, Magnus Bergs 2/0, Jürgen Sobieray 1/0, Siegfried Böninghausen 1/0

Immel

Huber Koch (Rüßmann) Wagner Hein

Votava Schneider (Dörmann) Burgsmüller

Abramczik Edvaldsson Geyer

Es begann eigentlich alles wie immer: Der VfL „verschlief“ den Saisonstart, doch obwohl in den ersten sechs Partien nur ein Sieg gelang, hielt sich das Team stets in gesicherten Tabellenregionen. Ein guter Start und eine Serie von 11:5-Punkten zu Beginn der Rückrunde sorgte bei den Fans schon für Europa-Cup-Träumereien, doch die waren schnell wieder verflogen, Niederlagen in Uerdingen und gegen Bielefeld sorgten am Ende für den neunten Tabellenplatz. Das 0:1 in Uerdingen allerdings hatte noch einen anderen faden Beigeschmack, denn als Präsident Ottokar Wüst zur Pause in die Kabine eilte, um mit seinem Trainer zu reden, wurde er von Helmut Johannsen des Raumes verwiesen. Längst war klar, dass es am Ende der Saison einen Wechsel auf der Trainerbank geben würde.

Spiele und Tore

Dieter Bast 34/5, Michael Lameck 34/1, Reinhard Mager 34/0, Hans-Joachim Abel 33/11, Kurt Pinkall 32/17, Rolf Blau 32/6, Lothar Woelk 32/2, Michael Jakobs 27/0, Christian Gross 26/4, Heinz Knüwe 25/3, Franz-Josef Tenhagen 23/1, Hermann Gerland 17/0, Ivan Zugcic 16/1, Walter Oswald 16/1, Josef Kaczor 9/1, Dieter Lemke 9/0, Werner Scholz 1/0,

Mager

Jakobs Woelk Lameck Gerland (Zugcic)

Bast Blau Gross Knüwe (Tenhagen)

Pinkall Abel

Erneut wird der MSV als „sicherer“ Abstiegskandidat gehandelt. Zumal der Kampf um Kurt Jara letztlich vergebens war. Der Österreicher wechselt zu Schalke 04. Zwar gelingt der Start, doch nicht zuletzt eine unheimliche Verletzungsserie lässt den MSV gen Tabellenende dümpeln. Dazu traten enorme wirtschaftliche Probleme. Wieder mal soll es ein Trainerwechsel richten. Aber Spieler und Fans sprechen sich einmütig für Friedhelm Wenzlaff aus. Der ist allerdings ein Kuriosum unter den Liga-Trainern, schreibt unter dem Künstlernamen Franco Wenzera Schlagertexte. Nach lustigem Trällern ist bei den Duisburgern bald niemandem mehr zumute. In der Tabelle und auf dem Konto steht ihnen das Wasser bis zum Hals. Gegen Schalke – dem wirklichen Absteiger – steigt beim 5:1 an der Wedau zwar eine schöne Nichtabstiegs-Party. Doch da hieß es hinter den Kulissen schon: Der Abgang in Liga zwo ist nicht aufgehoben, lediglich aufgeschoben.

Spiele und Tore

Herbert Büssers 34/7, Bernhard Dietz 33/8, Rudolf Gores 32/11, Gerhard Heinze 31/0, Norbert Fruck 30/1, Guido Szesni 30/1, Thomas Kempe 26/3, Franz-Josef Steininger 25/4, Paul Steiner 25/3, Rudolf Seliger 25/3, Manfred Dubski 24/0, Hans-Dieter Mirnegg 24/0, Peter Fenten 22/1, Frank Saborowski 21/0, Gregor Grillemeier 17/3, Raimund Hiegemann 9/0, Franz-Wilhelm Brings 6/0, Wolfgang Schreiner 3/0, Jürgen Ulitzka 2/0, Claus Gebauer 1/0

Heinze

Dubski Mirnegg (Fenten) Steiner Dietz

Fruck Szesni Kempe (Steininger) Büssers

Seliger (Grillemeier) Gores

Für Schalke hatte endgültig das „letzte Stündchen“ geschlagen. Coach Fahrudin Jusufi hatte in einer vollkommen falschen Einschätzung der Situation total auf Verjüngung gesetzt. So wurde der Routinier Klaus Fichtel nach Bremen abgeschoben. Auch Helmut Kremers hört auf. Abramczik war ebenfalls weggegangen. Die Talente bemühen sich, doch es reicht selten, um einen Abstiegsplatz zu verlassen. Zu Nikolaus kriegen es die Fans dann mit der Rute: Über drei Millionen Schulden zwingen den Verein, Rolf Rüßmann (nach Dortmund) und Wolfram Wuttke (nach Gladbach) zu verkaufen – das letzte Kapital des Vereins. Und auch als in der Rückrunde Klaus Fischer nach seinem Beinbruch zurückkehrt, ist nichts mehr zu retten. Spätestens das 0:6-Heimdebakel gegen Bochum bedeutet: Für Liga eins ist in Schalke Schicht am Schacht.

Spiele und Tore

Vilson Dzoni 34/4, Ulrich Bittcher 33/7, Michael Opitz 32/1, Kurt Jara 31/2, Bernd Thiele 31/0, Norbert Nigbur 27/0, Norbert Elgert 23/10, Harald Kügler 21/5, Winfried Geier 21/0, Dietmar Danner 19/0, Manfred Drexler 18/1, Thomas Kruse 18/0, Klaus Fischer 17/6, Jürgen Täuber 17/1, Thomas Siewert 17/1, Rolf Rüßmann 15/1, Wolfram Wuttke 13/2, Detlev Szymanek 10/2, Peter Sandhofe 7/0, Ludger Winkel 2/0, Manfred Bär 2/0, Hans-Dieter Mangold 2/0, Michael Tönnies 2/0, Ulrich Schröder 1/0, Uwe Höfer 1/0, Ulrich Sandt 1/0

Nigbur

J. Täuber Dzoni Siewert (Rüßmann) Thiele

Bittcher Opitz Geier (Danner) Jara

Elgert Kügler (Fischer)

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