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revierkick

Spielzeit 1981/82

Maloche ersetzt die Spielfreude

Es ist die Saison vor der Weltmeisterschaft in Spanien, die dem deutschen Fußball auf Jahre weg einen ausgesprochen schlechten Ruf beschert. Die deutschen „Kampfmaschinen“, die mit mehr Glück als Verstand die Vizeweltmeisterschaft erobern, stehen als Sinnbild für den Fußball der achtziger Jahre. Vorgetragen von Zehnkämpfern und ausgetüfelt von erfolgsbesessenen Taktikern auf den Trainerbänken, die Fußball malochen, nicht spielen lassen.

Eine Szene entsetzt die Fans und die TV-Sesselsportler. Mit einem üblen Foul schlitzt der Bremer Siepmann den Oberschenkel des Bielefelders Ewald Lienen auf. Die abstoßende Aktion wird genutzt, um die gnadenlose Härte im Berufsfußball an den Pranger zu stellen. Doch im Showgeschäft Fußball werden längst solche Summen bewegt, dass Diskussionen über Fairneß und Moral schlicht anachronistisch sind.

Meister wird in diesem Jahr der Hamburger SV, und das mit nüchternem Zweckfußball. Allerdings fällt die Entscheidung in einem regelrechten Knallerspiel. Die Bayern führen im heimischen Olympiastadion gegen den HSV bereits 3:1, doch die Hanseaten reißen das Steuer herum und sind am Ende nach dem 4:3 gegen die Bayern uneinholbar enteilt. Die Bayern trösteten sich mit dem Pokalsieg. 4:2 hieß es im Finale in Frankfurt gegen den 1.FC Nürnberg, dabei hatte der Klub schon mit 2:0 geführt.

Das Revier in der 1. Liga

„Die jungen Burschen sind unsere Kapitalanlage.“ Reinhard Rauball schien mit seinem optimistischen Programm Recht zu behalten. Denn bald schon standen in dieser Saison mit Immel, Votava, Zorc, Loose und Keser fünf Spieler aus dem eigenen Nachwuchs in der Mannschaft. Und die spielte herzerfrischenden Angriffsfußball. Garant dafür war ein Coach, der bereits Bayern München und den HSV zu Meisterehren verholfen hatte – Branco Zebec. Er brachte den BVB mit dem sechsten Tabellenplatz nach 16 Jahren wieder zurück auf die internationale Bühne. Fans und Spieler waren sich einig: Zebec bringt uns in den kommenden Jahren auch den Meistertitel. Doch der Jugoslawe hatte ein schwerwiegendes Alkoholproblem, das nicht mehr unter den Teppich gekehrt werden konnte. So endete die Ära Zebec in Dortmund viel zu früh.

Spiele und Tore

Manfred Burgsmüller 34/22, Rolf Rüßmann 34/8, Miroslav Votava 34/3, Lothar Huber 34/3, Eike Immel 34/0, Franz-Josef Tenhagen 34/0, Bernd Klotz 33/6, Meinolf Koch 31/2, Rüdiger Abramczik 30/5, Rolf Loose 19/1, Erdal Keser 15/4, Jürgen Sobieray 12/1, Siegfried Böninghausen 11/0, Michael Zorc 9/0, Theo Schneider 5/1, Herbert Hein 4/0, Hans-Joachim Wagner 3/0, Atli Edvaldsson 2/0, Werner Schneider 1/0

Immel

Huber Loose (Sobieray) Rüßmann Koch

Votava Tenhagen Burgsmüller

Abramczik Klotz Keser (Böninghausen)

Neu-Trainer Rolf Schafstall musste gleich zum Amtsantritt zwei herbe Rückschläge hinnehmen: Sowohl Jupp Tenhagen (für 1 Million nach Dortmund) und Kurt Pinkall (für 800.000 nach Gladbach) verließen den Verein. Doch die Neuzugänge Christian Schreier (9 Saisontore) und Wolfgang Patzke (13 Treffer) feierten einen mehr als gelungenen Einstand im VfL-Trikot. Genauso wie der Überraschungs-Auftakt der gesamten Mannschaft: Drei Siege gab es zu Beginn, viele Wochen hielt sich der VfL in der Spitzengruppe, bevor es in der Tabelle – nach vielen Unentschieden im heimischen Ruhrstadion – langsam nach unten ging. Am Ende waren dennoch alle mit dem zehnten Platz zufrieden und feierten einen gelungenen Saison-Ausklang mit einem 3:0-Sieg über den FC Bayern München, bei dem Patzke alle drei Tore erzielte.

Spiele und Tore

Rolf Blau 34/2, Dieter Bast 34/2, Christian Schreier 32/9, Michael Lameck 32/2, Lothar Woelk 31/1, Walter Oswald 30/4, Hans-Joachim Abel 29/10, Michael Jakobs 29/1, Wolfgang Patzke 28/13, Heinz Knüwe 28/3, Ulrich Bittorf 25/4, Dieter Lemke 18/1, Ralf Zumdick 18/0, Reinhard Mager 17/0, Reinhold Zagorny 12/0, Michael Kühn 8/0, Hermann Gerland 7/0, Ivan Zugcic 7/0, Frank Eggeling 5/0, Bernd Storck 3/0, Christian Groß 3/0

Zumdick (Mager)

Oswald Jakobs Knüwe Lameck

Blau Woelk (Patzke) Bast Bittorf

Abel Schreier

Nun kam es endgültig, wie es kommen musste. Der ständige personelle Aderlass infolge der ewigen finanziellen Engpässe war in diesem Jahr nicht mehr zu kompensieren. Zudem entfremdete sich auch das Publikum immer weiter vom Verein. Vor allem nach der Entlassung von Friedhelm Wentzlaff (für ihn kam Kuno Klötzer) hatten die Zebras eigentlich keine „Heimspiele“ mehr im eigentlichen Sinne. Der Niedergang war nicht mehr aufzuhalten. Die Zebras holten in der gesamten Rückrunde nur noch sieben Punkte und verließen den letzten Platz nicht mehr. Am Schluss gab es viele Tränen, denn der MSV hatte als Gründungsmitglied stolze 18 Jahre der ersten Klasse angehört. Nun sollte der Klub aber für lange Zeit in den Fußball-Niederungen verschwinden.

Spiele und Tore

Bernard Dietz 33/6, Manfred Dubski 33/2, Guido Szesni 32/2, Thomas Kempe 31/4, Uwe Helmes 30/6, Frank Saborowski 30/2, Gerhard Heinze 29/0, Rudolf Seliger 28/10, Herbert Büssers 27/3, Peter Fenten 21/0, Norbert Fruck 19/2, Rudolf Gores 18/1, Kees Zwamborn 18/0, Roland Wohlfarth 17/1, Dietmar Schacht 17/0, Franz-Josef Steininger 17/0, Franz-Wilhelm Brings 9/0, Claus Gebauer 6/0, Wolfgang Schreiner 5/0, Wolfgang Dedic 2/0, Sang-In-Park 2/0, Wolfgang de Beer 1/0, Pascal Notthoff 1/0

Heinze

Saborowski Fruck (Steininger) Fenten (Schacht) Dietz

Dubski Szesni Kempe Büssers

Seliger Helmes (Gores)

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