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revierkick

Spielzeit 1986/87

Rekordmeister ohne Glanz

Arg lädiert, kämpft der deutsche Fußball um seinen Ruf. Die Vorsaison brachte den niedrigsten Zuschauerschnitt seit Gründung der Liga. Auch wenn ein chaotischer Winter – mit insgesamt 32 Spielausfällen – dazu seinen Beitrag leistete, kommt die Liga auch nach dem Gewinn der Vizeweltmeisterschaft in Mexiko nicht so recht auf die Beine. Dazu trägt auch das unattraktive Spiel des großen Favoriten Bayern München bei. Zwar darf sich der Nobelklub nach dieser Saison mit dem zehnten Titel zugleich auch Rekordmeister nennen, doch große Freude darüber kommt nicht mal in der bayerischen Hauptstadt auf. Zu unterkühlt, zu spröde und ohne Leidenschaft hat das Starensemble sich die satten sechs Punkte Vorsprung wohl allein wegen der Schwäche der Konkurrenz zusammen gekickt. Auch der neu formierte HSV konnte die Münchener nicht stoppen, musste sich mit der Vizemeisterschaft und dem Pokalsieg zufrieden geben. Nord- und Südklub einigte am Ende aber gemeinsamer Abschiedsschmerz. Die Trainer nahmen ihren Hut. „Grantler“ Happel verschwand beim HSV, Udo Lattek verabschiedete sich als erfolgreichster Trainer der Bundesliga-Geschichte (acht Titel mit Gladbach und Bayern) von der Säbener Straße.

Um General Winter das Zepter aus der Hand zu nehmen, wies der Rahmen-Terminplan in diesem Jahr stolze elf Wochen Pause auf. Manche Klubs verbrachten etliche Wochen unter südlicher Sonne. Glückliche Profis.

Das Revier in der 1. Liga

Ausgerechnet der kriselnde BVB als neues Wesen, an dem die Liga genesen sollte? In der Tat. Die Borussia stellte in dieser Saison, die mit dem vierten Platz und damit dem Erreichen des UEFA-Cups endete, die Weiche Richtung erfolgreicher Zukunft. Tolle Spiele in Serie im Westfalenstadion, in das im Schnitt 10.000 Fans mehr als zuvor pilgerten. Eine kampfstarke Mannschaft, wobei Coach Reinhard Saftig mit seinen Neuzugängen wahrlich ein glückliches Händchen bewies. Teddy de Beer ersetzte vorzüglich den Stuttgart Eike Immel. Die neuen Stürmer Dickel und Mill trafen gemeinsam 37 Mal ins gegnerische Tor. Und Thomas Helmer wurde schnell zu einem der besten Abwehrspieler in Deutschland. Vor allem aber: Die Fans konnten sich wieder in vollem Umfang mit der Mannschaft identifizieren. Die Borussia machte wieder Spaß.

Spiele und Tore

Frank Pagelsdorf 34/3, Thomas Helmer 34/0, Wolfgang de Beer 34/0, Dirk Hupe 33/1, Norbert Dickel 32/20, Michael Zorc 32/14, Marcel Raducanu 32/3, Günter Kutowski 32/0, Frank Mill 31/17, Michael Lusch 31/0, Daniel Simmes 30/3, Erdal Keser 24/5, Bernd Storck 24/1, Ingo Anderbrügge 18/1, Maurice Banach 3/1, Adrian Spyrka 3/0, Andreas Hahn 1/0, Ulrich Bittcher 1/0

de Beer

Kutowski Hupe Helmer Lusch

Zorc Raducanu Anderbrügge

Simmes Dickel Mill (Keser)

Hermann Gerland hieß der neue Coach beim VfL. Zuvor schon Jugendtrainer, Assistent von Rolf Schafstall und Spielerbeobachter, trat er mit erst 32 Jahren ein, nach eigenen Aussagen, „Himmelfahrtskommando“ an. Schließlich wurden der VfL-Mannschaft nach dem Abgang einiger Leistungsträger sowie dem Ende der Karriere von Klaus Fischer, Wolfgang Kleff oder Siggi Böninghausen ein schwieriger Abstiegskampf vorausgesagt. Gerland machte sich selbst auf die Suche nach Nachfolgern und holte Rob Reekers, Jupp Nehl, Andreas Wessels sowie Franz Schick an die Castroper Straße. Letzterer allerdings setzte sich nicht durch und wechselte schon nach wenigen Monaten zurück nach Bayern, wo er in der Oberliga eine gute Figur machte. Reekers und Nehl dagegen entwickelten sich zu wichtigen Stützen der Mannschaft, auch Klaus Fischer wurde nochmal für 11 Spiele reaktiviert (3 Tore). Am Ende belegten die VfL-er einen ordentlichen 11. Tabellenplatz.

Spiele und Tore

Michael Lameck 34/3, Ralf Zumdick 34/0, Lothar Woelk 32/6, Josef Nehl 32/3, Martin Kree 32/4, Thomas Kempe 32/2, Frank Schulz 31/11, Frank Benatelli 30/1, Rob Reekers 28/0, Walter Oswald 25/2, Uwe Wegmann 24/5, Uwe Leifeld 23/8, Peter Knäbel 17/2, Frank Heinemann 14/0, Ivan Zugcic 13/0, Klaus Fischer 11/3, Andreas Lübke 7/1, Thorsten Legat 7/0, Michael Kühn 6/0, Franz Schick 4/0, Jürgen Wielert 3/0, Ole Möller-Nielsen 2/0

Zumdick

Kree Kempe Reekers Lameck

Nehl Schulz Woelk Benatelli

Wegmann Leifeld

Es gibt kaum positive Schlagzeilen. Dabei hatten sie mit dem in Bochum erfolgreichen Rolf Schafstall einen neuen Trainer und mit Hannes und Wegmann zwei überdurchschnittliche Spieler ins Parkstadion gelockt. Doch die „Chemie“ innerhalb des Teams stimmte nie. Schlimmer aber noch der Knatsch hinter den Kulissen. Präsident Dr. Fenne und Manager Assauer wurden sich zunehmend spinnefeind. Als sich heraus stellt, dass sie total über ihre Verhältnisse gelebt haben, wird Assauer beurlaubt, wenige Tage später tritt auch Fenne zurück, 5.2 Millionen Mark Schulden hinterlassend. Günther Siebert kehrt aus seinem Exil auf Gran Canaria zurück und wird am 2.2.1987 erneut zum Präsidenten gewählt. Doch der frühere Charismatiker Siebert ist nur noch ein Schatten seiner selbst und kann den Niedergang auch deshalb nicht aufhalten, weil er sich bald mit seinem Manager Rolf Rüßmann vollständig überwirft. Die Grabenkämpfe nehmen kein Ende.

Spiele und Tore

Olaf Thon 33/8, Gerhard Kleppinger 33/4, Andre Bistram 32/8, Michael Jakobs 32/3, Thomas Kruse 29/1, Jürgen Wegmann 28/10, Wilfried Hannes 27/1, Dietmar Roth 26/0, Klaus Täuber 25/5, Walter Junghans 24/0, Mathias Schipper 23/2, Bernd Dierßen 22/3, Michael Opitz 21/1, Carsten Marquardt 13/3, Bernd Grabosch 11/0, Pavel Macak 11/0, Michael Prus 10/0, Bernard Dietz 8/0, Stefan Täuber 8/0, Wolfgang Patzke 7/0, Ralf Regenbogen 6/0, Klaus Fichtel 3/0

Junghans

Kruse Jakobs (Schipper) Hannes Roth

Thon Opitz Kleppinger (Dierßen)

Bistram Wegmann Täuber

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