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revierkick

Spielzeit 1987/88

Von Königen und Pullovern

Wieder waren die Bayern der klare Favorit auf den Titel, auch weil der Rivale der letzten Jahre, Werder Bremen, bei keinem auf der Rechnung stand. Zu gravierend schienen die Verluste von Abwehrchef Pezzey und Sturm-As Völler. Doch Otto Rehhagel vollbrachte an der Weser ein wirkliches Meisterstück und verdiente sich endgültig seinen zukünftigen Beinamen: König Otto I. Denn der Coach setzte konsequent auf Talente. Bis dato unbekannte Kicker wie Reck, Sauer oder Kalle Riedle ersetzten die abgewanderten Stars. Da büßte das zerstrittene Starteam der Bayern unter Coach Jupp Heynckes satte vier Punkte auf die Werderaner ein. Und auch die Kölner, die mit einer Serie von 15 Spielen ohne Niederlage gestartet waren, konnten nicht mithalten. Immerhin gehörte den Domstädtern und ihrem Manager Udo Lattek die Schlagzeilen. Denn der behielt konsequent seinen blauen Pullover als Glücksbringer an. Allerdings wechselte er mitten in der Saison vom Sportdirektor-Sessel quasi auf die andere Seite, nämlich zu den Medien.

Die hatten viel zu schreiben, Negatives vor allem über den FC Schalke 04. „Toni und Töni“, die es richten sollten, waren hoffnungslos überfordert. Weder der Ex-Nationalkeeper Harald Schumacher noch das große Sturmtalent Olaf Thon konnten den erneuten Abstieg von Königsblau verhindern. Verschuldet über alle Ohren schien der Stolz der kleinen Leute im Revier kurz vor der Auflösung.

Das Revier in der 1. Liga

Die neue Saison begann eigentlich so wie die vorherige. Hermann Gerland musste schweren Herzens mit Uwe Wegmann und Frank Schulz zwei wichtige Spieler ziehen lassen, und selbst für geeignete Nachfolger (Thomas Epp, Detlef Mikolajczak und Peter Jakisch) sorgen. Für größeres Aufsehen sorge der Transfer von Andrzej Iwan aus Polen zum VfL, Polens Fußballer des Jahres aber konnte sich, bis auf einen spektakulären Freistoß-Treffer gegen Stuttgart, nicht durchsetzen. Von sich reden machten dagegen zwei Amateure. Dirk Riechmann und Michael Rzehaczek drehten das Match gegen den BVB in den letzten zwei Minuten (2:1) und wurden von allen Seiten als neue Himmelsstürmer gefeiert. Grund zur Freude gab es auch im DFB-Pokal, in dem die Bochumer bis ins Endspiel durchmarschierten, wo man unglücklich gegen Frankfurt (0:1) unterlag. In der Liga verabschiedete man sich auf Rang 12, ein anderer Abschied war bitterer: Hermann Gerland nahm ein Angebot des 1. FC Nürnberg an und verließ den VfL.

Spiele und Tore

Lothar Woelk 33/1, Martin Kree 32/7, Thomas Epp 31/4, Uwe Leifeld 30/13, Thomas Kempe 29/2, Ralf Zumdick 29/1, Josef Nehl 27/6, Rob Reekers 26/2, Walter Oswald 26/0, Frank Heinemann 25/1, Peter Knäbel 20/2, Thorsten Legat 17/1, Andrzej Iwan 16/2, Michael Lameck 16/0, Michael Rzehaczek 15/2, Frank Benatelli 15/0, Peter Jakisch 12/0, Klaus Fischer 12/0, Detlev Mikolajczak 8/0, Andreas Wessels 5/0, Minas Hantzidis 3/1, Dirk Riechmann 3/1, Michael Hubner 3/0, Olaf Dreßel 2/0, Franz-Josef Tenhagen 1/0, Andreas Lübke 1/0

Zumdick

Oswald Kempe Reekers Kree

Heinemann Nehl (Iwan) Woelk Knäbel (Legat)

Epp Leifeld

Kleckern oder Klotzen? Das war die Frage für die Verantwortlichen vor der Saison, die nach den unerwarteten Erfolgen des Vorjahres mit übertriebenen Erwartungen begann. Der BVB hatte sich nur mit dem Schotten Murdo MacLeod verstärkt, und die Welle der Euphorie, die zuletzt vor allem im Westfalenstadion das Borussen-Spiel getragen hatte, sie kam nicht wieder. Die Fans murrten, forderten ob der geringen Investitionsfreude die Köpfe von Trainer und Präsident. Doch die Rückrunde wurde etwas besser, der Abstiegskampf blieb dem BVB erspart. Zu Weihnachten leistete sich der Klub dann endlich auch einen sportlichen „Kracher“. Andreas Möller, eines der größten Talente des deutschen Fußballs, wurde aus Frankfurt abgeworben. Und mit ihm trat auch sein dubioser Berater, Klaus Gerster, sein Amt als Manager des BVB an. Doch im Gegensatz zu Möller hatten alle in Dortmund am „schwarzen Abt“ keine Freude.

Spiele und Tore

Murdo MacLeod 33/1, Gerhard Kleppinger 33/1, Günther Kutowski 33/0, Wolfgang de Beer 32/0, Thomas Helmer 30/5, Frank Mill 29/9, Frank Pagelsdorf 28/2, Michael Lusch 28/0, Dirk Hupe 27/3, Norbert Dickel 25/6, Marcel Raducanu 25/0, Michael Zorc 23/13, Daniel Simmes 23/2, Andreas Möller 14/3, Bernd Storck 14/3, Maurice Banach 11/1, Adrian Spyrka 9/0, Ingo Anderbrügge 8/1, Rupert Gerl 4/0, Thorsten Wohlert 2/0, Rolf Meyer 2/0

de Beer

Kleppinger Helmer Hupe Kutowski

Lusch Pagelsdorf Raducanu (Zorc) MacLeod

Mill Dickel (Simmes)

In Schalke glauben sie, sich für die neue Saison verstärkt zu haben. Fast ein Dutzend Spieler werden weggeschickt, dafür bleibt Olaf Thon. Und mit Harald Schumacher kommt ein echter Torwart-Kracher nach Schalke. Konsequent wird auf die Jugend gesetzt. Aber nach einer desaströsen ersten Serie sollen es dann doch wieder die Alten richten. Klaus Fichtel und Abi Abramczik werden reaktiviert. Retten können auch sie Schalke nicht mehr. Spätestens nach dem fürchterlichen 1:8 bei den Bayern ist auch der für Schafstall neu eingesetzte Coach Horst Fanz mit seinem Latein am Ende. Diese Mannschaft hat keine Reife für die Bundesliga. Und die Vorstandschaft auch nicht. Den Abstieg verzeiht man auch Günther Siebert nicht. Er wird, kaum hat die neue Zweitliga-Saison begonnen, von den Mitgliedern endgültig ins Exil nach Gran Canaria geschickt. Schalke braucht drei Jahre, bis es sich auf der Bühne der ersten Bundesliga zurück melden kann.

Spiele und Tore

Harald Schumacher 33/0, Reiner Edelmann 30/2, Claus-Dieter Wollitz 29/3, Olaf Thon 28/14, Michael Klinkert 27/2, Carsten Marquardt 23/2, Mathias Schipper 23/1, Bjarne Goldbaek 22/3, Thomas Kruse 22/0, Wilfried Hannes 21/3, Michael Prus 21/0, Michael Jakobs 21/0, Dieter Götz 19/6, Martin Giesel 17/1, Michael Opitz 17/0, Uwe Tschiskale 16/4, Michael Wollitz 15/2, Wolfgang Patzke 14/4, Klaus Fichtel 11/0, Alex Nielsen 7/0, Andre Bistram 6/1, Manuel Mirbach 6/0, Rüdiger Abramczik 4/0, Jörg Mielers 3/0, Dieter Heimen 2/0, Klaus Berge 2/0, Christian Herrmann 1/0

Schumacher

Kruse (Jakobs) Hannes (M. Wollitz) Klinkert Schipper (Prus)

Goldbaek Thon C.P.Wollitz

Edelmann Tschiskale Marquardt (Götz)

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