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revierkick

Spielzeit 1992/93

Unabsteigbare nicht zu retten

Die Bundesliga feiert ihren 30. Geburtstag mit einer erneuten Top-Saison. Und wieder sind es nicht die ganz großen Klubs, die die zu vergebenen Erfolge einheimsen. Titelverteidiger VfB Stuttgart sorgt für Schlagzeilen der besonderen Art, als es im Europapokal nach einem Wechselfehler von Christoph Daum (ein Ausländer zu viel an Bord) zum Ausscheiden gegen Leeds United kommt. In der Bundesliga reicht es nach diesem Schock nur zum siebten Platz.

Die großen Bayern haben nach dem Flop des letzten Jahres personell mächtig aufgerüstet. Tatsächlich sieht es lange nach einem Durchmarsch der Münchener aus. Doch still und heimlich robben sich die Werderaner von König Otto nach vorne. Und nach einem erneut mitreißenden Finale in den letzten zwei Wochen stehen plötzlich die Hanseaten an der Spitze, denn die Bayern kamen am letzten Spieltag nicht über ein 3:3 in Gelsenkirchen hinaus. Derweil gleicht der zeitgleiche 3:0-Sieg der Werderaner beim VfB Stuttgart einem einzigen Triumphzug. Ober-Bayer Franz Beckenbauer grantelte nach dem vergebenen Titelgewinn: „Von den Namen her haben wir eine Weltelf.“

Andere Klubs können zwar von den personellen Möglichkeiten des Rekordmeisters nur träumen, trotzdem bringen sie teilweise „Weltklasse“-Leistungen und sorgen dafür, dass die Liga und der Fußball im Jubiläumsjahr so boomen wie noch nie. Borussia Dortmund verzückt die Massen im Westfalenstadion durch grandiose Erfolge im UEFA-Cup. Trauer dagegen in Bochum. Nur unweit vom freudetrunkenen Dortmund müssen sie das Prädikat „Unabsteigbar“ beerdigen, denn der VfL muss nach 22 Jahren ununterbrochener Zugehörigkeit zur Bundesliga einen Stock tiefer in die zweite Liga.

Das Revier in der 1. Liga

Es war das Jahr nach Thomas Helmer. Nach endlosen Pokereien hatte sich der Abwehrmann zum großen Konkurrenten FC Bayern verabschiedet. Die stolzen 7,5 Millionen, die für den Transfer fällig wurden, investierte der BVB in zwei „Rückreise-Italiener“. Zunächst kam mit Stefan Reuter (drei Millionen) ein Weltmeister von Juventus Turin zurück. Zur Winterpause sollte ihm Matthias Sammer für stolze 8,5 Millionen Mark von Inter Mailand folgen. Der BVB roch nach all den Investitionen eine Weile an der Meisterschale, war am Ende aber mit dem vierten Platz und der Qualifikation für den UEFA-Cup gut bedient. In diesem sorgten sie bereits in der laufenden Saison für Furore, erreichten das Endspiel, verloren in den zwei Finalspielen aber gegen Juventus Turin. Ca. 25 Millionen hatte der BVB auf internationalem Parkett eingenommen. Es war der Beginn des Dortmunder Märchens, auch und gerade in finanzieller Hinsicht.

Spiele und Tore

Stefan Klos 34/0, Michael Zorc 29/10, Bodo Schmidt 29/1, Günter Kutowski 28/0, Stephane Chapuisat 27/15, Michael Rummenigge 26/4, Stefan Reuter 26/0, Gerhard Poschner 25/2, Knut Reinhardt 25/1, Frank Mill 24/6, Michael Lusch 21/1, Michael Schulz 21/0, Lothar Sippel 20/2, Ned Zelic 19/0, Thomas Franck 19/0, Flemming Povlsen 18/7, Matthias Sammer 17/10, Steffen Karl 17/0, Uwe Grauer 10/1, Rene Tretschok 4/0, Ulf Raschke 1/0, Jürgen Wegmann 1/0

Klos

Schulz Reuter Schmidt Kutowski

Zorc Poschner Rummenigge Reinhardt (Franck)

Chapuisat Mill (Povlsen)

Die Ära des „Sonnenkönigs“ näherte sich ihrem Ende. Ob Günther Eichberg für den Verein ein Fluch oder Segen war, muss die Geschichte beantworten. Fakt ist, dass er mit einer unverantwortlichen Personal- und Ausgabenpolitik Schalke an den Rand des Konkurses getrieben hat. Und seine vollmundigen Äußerungen, für die Schulden persönlich gerade zu stehen, erweisen sich angesichts seines finanziell maroden Klinik-Imperiums als vollständig unseriös. In Schalke hinterließ er jedenfalls einen Scherbenhaufen, den seine Nachfolger – Rudi Assauer und Peter Peters – nur mit Mühe und viel Glück noch zusammen fegen konnten.

Spiele und Tore

Michael Büskens 34/4, Ingo Anderbrügge 32/10, Radmilo Mihajlovic 30/6, Günter Güttler 30/0, Yves Eigenrauch 28/0, Holger Gehrke 26/0, Thomas Linke 25/0, Alexander Borodjuk 24/6, Peter Sendscheid 23/6, Bent Christensen 23/2, Andreas Müller 22/5, Steffen Freund 20/2, Jürgen Luginger 18/0, Uwe Scherr 18/0, Antoine Hey 17/0, Michael Prus 16/0, Uwe Leifeld 10/0, Martin Spanring 8/0, Jens Lehmann 8/0, Günther Schlipper 6/1, Hendrik Herzog 5/0, Richard Mademann 2/0

Gehrke

Linke Güttler Eigenrauch Büskens

Müller Freund Borodjuk Anderbrügge

Mihajlovic Christensen (Sendscheid)

Seinem Ruf als Favoritenschreck gerecht wurde der Nobody aus dem Bochumer Vorort gleich im Saison-Auftaktspiel. Da gewannen die Schwarz-Weißen beim Nachbarn Schalke in einem hochdramatischen Spiel vor 54.000 Zuschauern mit 4:3. Lesniak und Tschiskale hießen die Doppel-Torschützen, auf sich die SGW auch im weiteren Saisonverlauf verlassen konnte. Dieser sah als weitere Höhepunkte den 4:2-Heimsieg gegen den 1.FC Köln, die 2:0-Sensation in der Lohrheide gegen Bayern München und den 2:0-Sieg gegen den Lokalrivalen VfL Bochum, der am Ende absteigen musste, während die kleinen Wattenscheider abermals die Klasse erhielten. Bei nur selten mehr als 10.000 Zuschauern im heimischen Stadion gewiss keine Seltenheit. Doch die Stimmung im Team passte, und der Kampfgeist sorgte dafür, dass man zwar die hinteren Tabellenregionen nie verließ, zugleich aber nach keinem Spieltag auf einem Abstiegsplatz stand.

Spiele und Tore

Marek Lesniak 33/5, Thorsten Fink 32/8, Uwe Neuhaus 32/6, Roger Prinzen 30/3, Stefan Emmerling 30/2, Jörg Bach 27/0, Uwe Tschiskale 26/6, Souleyman Sane 26/5, Hans-Werner Moser 25/1, Udo Mai 23/0, Ali Ibrahim 19/2, Karel Kula 18/1, Günther Herrmann 17/0, Thomas Langbein 17/0, Eduard Buckmaier 15/2, Carsten Wolters 15/2, Jörg Sobiech 14/0, Ralf Eilenberger 12/0, Frank Hartmann 8/0, Guido Silberbach 7/1, Thorsten Daniel 6/0, Thomas Audehm 1/0

Mai (Eilenberger)

Moser Emmerling Bach Neuhaus

Prinzen Fink Herrmann (Buckmaier)

Lesniak Tschiskale Sane

Als die „Unabsteigbaren“ dann doch zum ersten Mal den bitteren Gang in die zweite Liga antreten mussten, war die Stimmung im Ruhrstadion geradezu euphorisch. Wie das kam? Der VfL hatte unter Trainer Jürgen Gelsdorf eine beeindruckende Rückserie von 18:16 Punkten (14:4 zu Hause) hingelegt und dabei auch spielerisch sowie kämpferisch geglänzt. Im letzten Spiel besiegte der VfL zudem die SG Wattenscheid mit 3:1 und die Fans auf den Rängen waren sich sicher: „Wir kommen wieder.“ Alle Hoffnungen, am „grünen Tisch“ den Abstieg noch zu verhindern und Dynamo Dresden zum Absteiger zu erklären, scheiterten. Dass am Ende ein Punkt fehlte war bitter, doch die schwache Hinrunde konnte nicht egalisiert werden. Dennoch gewann der VfL viele Fan-Herzen, im Schnitt kamen stolze 23.000 Anhänger zu den Heimspielen an die Castoper Straße.

Spiele und Tore

Rob Reekers 34/2, Uwe Wegmann 33/13, Dariusz Wosz 33/3, Christian Herrmann 32/3, Frank Heinemann 32/2, Thomas Kempe 32/1, Heiko Bonan 31/2, Jörg Schwanke 28/1, Sven Christians 25/3, Ralf Zumdick 19/0, Holger Aden 18/9, Olaf Dreßel 17/2, Dimitrios Moutas 15/3, Andreas Wessels 15/0, Rocco Milde 14/0, Yoo Sung Kim 13/0, Michael Klauß 10/1, Dirk Eitzert 8/0, Michael Rzehaczek 8/0, Peter Peschel 7/0, Frank Türr 5/0, Patrick Guillou 5/0, Wladimir Ljuty 3/0,

Zumdick (Wessels)

Reekers Kempe Herrmann (Dreßel) Schwanke

Heinemann Bonan Wosz Christians

Aden (Moutas) Wegmann

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