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revierkick

Spielzeit 1999/2000

Meister auf der Überholspur

Von den nackten Fakten her, war alles wie in der vergangenen Saison. Bayern München grüßte mal wieder als Deutscher Meister, Bayer Leverkusen überquerte die Ziellinie als „Vize“. Doch danach hatte es vor dem letzten Spieltag ganz und gar nicht ausgesehen. Leverkusen thronte mit drei Punkten Vorsprung an der Spitze und vor dem Auswärtsspiel bei Unterhaching wollte niemand von Platz zwei reden. Doch dann kam alles ganz anders: Christoph Daum musste mit Bayer eine 0:2-Niederlage bei der Spielvereinigung hinnehmen, während die Bayern durch ein 3:1 gegen Werder Bremen auf der Überholspur an der Werkself vorbeizogen. Michael Ballack, damals noch in Leverkusen aktiv, leitete mit einem Eigentor die Niederlage und damit den Abschied aller Titelträume ein.

Die Schale war allerdings nicht der einzige Titel für den FC Bayern, mit einem 3:0-Finalsieg über Werder Bremen machten die Münchener mit dem Gewinn des DFB-Pokals zum dritten Mal das Double perfekt. Zu den Überraschungen der Saison zählten die Münchener Löwen. Mit Spielmacher Thomas „Icke“ Häßler und „Löwenbändiger“ Werner Lorant sprang am Ende ein hervorragender vierter Tabellenplatz heraus: Champions League - Qualifikation.

Weniger erfolgreich waren dagegen die Revier-Teams. Der BVB befand sich nach den Triumphen der neunziger Jahre in einer chaotischen Umbauphase und entging am Ende als Elfter nur knapp dem Abstieg. Michael Skibbe, Bernd Kraus und am Ende Feuerwehrmann Udo Lattek steuerten das hochbezahlte Starensemble, das mit dem Druck des Abstiegskampfes allerdings völlig überfordert war, durch diese „kleine Reise durch die Hölle“, so Gerd Niebaum. Für den Nachbarn Schalke 04 reichte es gar nur für den 13. Platz. Nichts zu retten gab es für den MSV Duisburg, der als Schlusslicht den bitteren Gang in die zweite Liga antreten musste. Hoffnungsschimmer dagegen in Bochum: Durch eine ordentliche Rückserie schaffte der VfL die direkte Rückkehr ins Liga-Oberhaus.

Das Revier in der 1. Liga

Das Fazit der abgelaufenen Saison, es muss jeden BVB-Fan ernüchtern. Trotz erneuter Millionen-Investitionen gelang nicht der Sprung in die Spitzengruppe. Im Gegenteil. Erst am vorletzten Spieltag konnte sich der BVB vom Abstieg retten. Damit hatten nicht die größten Pessimisten gerechnet, denn das stolze Investitionsvolumen von 50 Millionen Mark schürte bei jedem Fan Meisterschafts-Hoffnungen. Doch vor allem die Stürmer Ikpeba und Bobic wurden zu echten Super-Flops. Jung-Coach Michael Skibbe verlor schnell jede Autorität bei seiner Star-Truppe. Am Ende muss es Senior-Coach Udo Lattek richten, dass der BVB wenigstens in der Bundesliga bleiben konnte. Trotz 65.000 Zuschauern im Schnitt pro Spiel war das Westfalenstadion für die Gegner nie ein Schreckensort. Mit lediglich vier Siegen gehörte Dortmund zu den schwächsten Heimteams der Liga. Auch ein gewichtiger Grund für den an sich unverständlichen Niedergang.

Spieler und Tore

Jens Lehmann 31/0, Jürgen Kohler 30/2, Miroslav Stevic 30/0, Fredi Bobic 29/7, Lars Ricken 29/4, Billy Reina 26/5, Christian Wörns 26/2, Stefan Reuter 26/0, Evanilson 25/0, Dédé 24/1, Heiko Herrlich 22/6, Otto Addo 22/2, Victor Ikpeba 21/2, Alfred Nijhuis 20/2, Vladimir But 19/1, Andreas Möller 18/3, Christian Nerlinger 16/0, Sergej Barbarez 14/2, Karsten Baumann 11/0, Wolfgang Feiersinger 9/0, Sead Kapetanovic 4/0, Wolfgang de Beer 4/0, Francis Bugri 3/0, Ibrahim Tanko 3/0, Bashiru Gambo 2/0

Lehmann

Reuter Kohler Wörns Dede

Stevic (Evanilson) Möller (But) Ricken (Addo)

Reina Bobic (Herrlich) Barbarez

Am Ende stand das bitterste Jahr seit dem Wiederaufstieg. Statt mit der „besten Mannschaft und dem besten Trainer, die Schalke je hatte“ (Zitat Rudi Assauer) um den Titel mitzuspielen, bruchlandete man in der Nähe der Abstiegsränge. Abgezeichnet hatte sich das Malheur bereits in der Winterpause. Schon zu diesem Zeitpunkt lag die Mannschaft von Huub Stevens nach einer wahren Remis-Orgie bereits sechs Punkte hinter dem Saisonziel (UEFA-Cup-Platz). Keinen großen, aber viele kleine Gründe gab es für den enttäuschenden Saisonverlauf. Das Fehlen eines Antreibers und Mitreißers vom Format Youri Mulders. Die Verletzungs-Anfälligkeit. Das Unvermögen, eine Führung über die Zeit zu bringen. Die „Bringschuld“, die Assauer für die Rückrunde einforderte, wurde deshalb nicht eingelöst. Im Gegenteil, man holte noch drei Punkte weniger als in der ersten Serie.

Spieler und Tore

Gerald Asamoah 33/4, Ebbe Sand 32/14, Marc Wilmots 32/7, Tomasz Waldoch 31/1, Jiri Nemec 29/1, Niels Oude Kamphuis 26/2, Ünal Alpugan 26/0, Oliver Reck 25/0, Radoslav Latal 24/1, Sven Kmetsch 24/0, Olaf Thon 23/1, Yves Eigenrauch 23/1, Oliver Held 18/0, Nico van Kerckhoven 16/1, Emile Mpenza 15/6, Michael Goosens 15/0, Markus Happe 15/0, Mathias Schober 10/0, Michael Büskens 9/0, Tamas Hajnal 8/0, Andreas Müller 6/0, Johan de Kock 4/0, Thorsten Legat 4/0, Youri Mulder 3/0, Ingo Anderbrügge 2/0, Sergio Pinto 2/0, Krisztian Szoller 1/0.

Reck (Schober)

Oude-Kamphuis Thon Waldoch Eigenrauch

Latal Nemec Alpugan (Kmetsch) Wilmots

Asamoah Sand

Nach drei verhältnismäßig überragenden Jahren waren die „Zebras“ in der abgelaufenen Saison wieder fällig. Der Absturz in die Zweitklassigkeit, für Duisburg kein Novum. In seiner gesamten Geschichte seit dem Bundesliga-Start 1963 rangierte der MSV stets näher an der zweiten Liga als an den UEFA-Cup-Rängen. Die Gesetzmäßigkeiten des Fußballs lassen keine Ausnahmen zu. Dass es die Zebras aber ausgerechnet jetzt – wo der Kader nominell stark besetzt schien – erwischte, entbehrte nicht einer gewissen Tragik. Erklärungen lassen sich aber leicht finden. Der schwere Saisonstart, Fehler in der Einkaufspolitik, gravierende interne Zwistigkeiten und vor allem flatternde Nerven heißen die Mosaiksteine, die Duisburg unwillkürlich abgeschlagen auf den letzten Tabellenplatz bugsierten.

Spieler und Tore

Michael Zeyer 32/3, Markus Beierle 31/8, Stig Töfting 29/2, Torsten Wohlert 29/1, Markus Osthoff 26/2, Tomasz Hajto 26/1, Dietmar Hirsch 25/3, Gintaras Stauce 25/0, Martin Schneider 23/0, Piotr Reiss 22/5, Uwe Spies 22/2, Carsten Wolters 21/3, Thomas Hoersen 21/0, Marijan Kovacecic 19/3, Stefan Emmerling 18/0, Marcus Wedau 16/0, Andrea Voss 13/1, Pavel Drsek 12/1, Michael Büskens 12/1, Alexander Bugera 12/1, Andreas Menger 10/0, Sercan Güvenisik 6/0, Jörg Neun 4/0, Ralf Keidel 3/0, Horst Steffen 3/0, Carsten Krämer 1/0, Erik Bo Andersen 1/0

Stauce

Wolters (Hoersen) Wohlert Hajto Hirsch

Schneider Töfting Zeyer Osthoff

Beierle Reiss (Spies)

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