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revierkick

Spielzeit 2000/01

„Meister der Herzen“ und Kokain-Affäre

Titel-Hattrick für den FC Bayern! Zum dritten Mal in Folge hielten sie in München am Ende der Saison die Schale hoch. Doch wohl kein Meisterschaftsrennen blieb derart im Gedächtnis wie dieses. Den 19. Mai 2001 würde man Schalke am liebsten ganz aus den Erinnerungen streichen. Zum Abschiedsspiel im Gelsenkirchener Parkstadion war die Meisterparty um 17.15 Uhr eigentlich schon in vollem Gange. Schalke hatte in einem turbulenten Spiel die SpVgg Unterhaching mit 5:3 (nach 0:2-Rückstand) besiegt, die Bayern lagen just zu diesem Zeitpunkt mit 0:1 in Hamburg zurück. Schalke war nach 1958 wieder Deutscher Meister. Der Jubel kannte keine Grenzen, im sicheren Glauben an das Spielende in der AOL-Arena stürmten Tausende Schalke-Fans den Rasen.

Was dann folgte, war der bitterste Moment in der königsblauen Vereinsgeschichte. Auf den Leinwänden des Parkstadions liefen Bilder von den letzten Sekunden des Bayern-Spiels, und bevor man in Schalke überhaupt realisiert hatte, dass dort noch nicht Schluss war, fiel auch schon das 1:1 durch Patrick Anderssons verwandelten indirekten Freistoß. Aus der Schalker Traum vom Titel.

Am Ende blieben die Sympathien der Nation und die Geburt des „Meisters der Herzen.“ Vier Minuten lang währte das Schalker Glück. Schiedsrichter Markus Merk übrigens, der das Spiel in Hamburg leitete, pfiff seitdem keine Partie mehr mit Schalker Beteiligung.

Die „Dusel-Bayern“ krönten ihre Saison mit dem Gewinn der Champions-League (5:4 n.E. gegen den FC Valencia).

Für den Skandal der Saison sorgte ein anderer. Leverkusens Coach Christoph Daum wehrte sich lange gegen die Vorwürfe des Kokain-Missbrauchs. Durch eine Haarprobe wollte Daum, der schon für den Posten des Bundestrainers bereit stand, seine Unschuld beweisen. Letztlich ging genau das in die Hose, das Ergebnis der Probe war positiv, die Karriere von Daum zunächst beendet.

Schlagzeilen machte auch der Börsengang von Borussia Dortmund. Auch Dank der Verpflichtung von Tomas Rosicky gelang am Ende der Sprung auf Platz drei.

Der VfL Bochum dagegen machte sich immer mehr einen Namen als Fahrstuhlmannschaft. Nach dem Wiederaufstieg kamen die Blau-Weißen überhaupt nicht zu Recht und mussten sich als Tabellenletzter gleich wieder von der Bundesliga verabschieden.

Das Revier in der 1. Liga

Was war das für eine Saison, in der Schalke so dicht wie seit 43 Jahren nicht mehr vor der Meisterschaft stand und praktisch in der Nachspielzeit noch die Schale aus den Händen verlor?! Viereinhalb Minuten reichten, um die Königsblauen vom Himmel in die Hölle zu schicken. Ein Szenario wie aus dem Gruselkabinett. Am Ende hatten es mal wieder die „Dusel-Bayern“ gepackt. Für Schalke blieb neben dem eine Woche später ausgiebig gefeierten Pokalsieg die Erkenntnis, die Herzen in ganz Deutschland gewonnen zu haben. „Wir waren die Mannschaft, die am attraktivsten und sympathischsten ‘rüber kam“, bilanzierte nicht nur Andreas Möller, einer der zahlreichen Gewinner dieser denkwürdigen Saison auf Schalke. In der letzten Spielzeit im alten Parkstadion wurden auch Jörg Böhme, Keeper Oliver Reck, Ebbe Sand, Gerald Asamoah oder Emile Mpenza zu Schalker Helden für die Ewigkeit.

Spieler und Tore

Ebbe Sand 33/22, Oliver Reck 33/0, Andreas Möller 32/1, Tomasz Hajto 32/0, Jiri Nemec 31/1, Jörg Böhme 30/10, Tomasz Waldoch 29/5, Gerald Asamoah 29/4, Radoslav Latal 28/2, Emile Mpenza 27/13, Marco van Hoogdalem 24/2, Michael Büskens 23/0, Nico van Kerckhoven 22/1, Youri Mulder 21/1, Niels Oude Kamphuis 16/0, Christian Mikolajczak 13/0, Markus Happe 11/1, Yves Eigenrauch 7/0, Sven Kmetsch 5/0, Olaf Thon 4/0, Oliver Held 2/0, Ünal Alpugan 1/0, Frode Grodas 1/0

Reck

Hajto Waldoch v. Kerckhofen (Büskens)

Latal (v. Hoogdalem) Nemec Möller Böhme

Asamoah Sand Mpenza (Mulder)

„Wir haben unser internes Saisonziel erreicht. Nicht mehr und nicht weniger“, traf Christian Wörns nach Ende der Saison den Nagel auf den Kopf. Zwar bemühten sich die Verantwortlichen, den dritten Platz als Erfolg einzuordnen. „Es war ein Jahr der Konsolidierung, die uns dank Matthias Sammer gelungen ist“, so Dr. Gerd Niebaum. Oder Michael Meier: „Die Meisterschaft war bei uns nie ein Thema, dafür sind wir einfach noch nicht reif gewesen.“ Doch die Akteure selbst ließen nach dem verpassten Titelgriff durchaus ihrem Frust freien Lauf. Jens Lehmann gab freimütig zu: „Das Erreichte stellt mich nicht zufrieden. Für uns war mehr drin. Jetzt muss ich noch ein Jahr warten, bis ich vielleicht mal die Schale in die Luft halten kann.“ Wie Recht er damit doch haben sollte...

Spieler und Tore

Otto Addo 32/9, Billy Reina 31/8, Dédé 31/3, Jens Lehmann 31/0, Jörg Heinrich 30/4, Lars Ricken 29/6, Evanilson 28/3, Jürgen Kohler 28/0, Fredi Bobic 24/10, Miroslav Stevic 23/5, Christian Wörns 23/3, Sunday Oliseh 22/0, Christian Nerlinger 20/1, Christoph Metzelder 19/0, Tomas Rosicky 15/0, Alfred Nijhuis 14/0, Heiko Herrlich 10/8, Victor Ikpeba 9/1, Jan Derek Sörensen 9/0, Ibrahim Tanko 9/0, Sead Kapetanovic 5/0, Stefan Reuter 5/0, Philipp Laux 3/0, Emmanuel Krontiris 3/0

Lehmann

Evanilson Kohler Heinrich (Wörns) Dede

Stevic Oliseh Ricken

Reina Bobic Addo

Es war wie ein Orakel. Als Fußball-Bochum noch im Aufstiegs-Jubel versank, da titelte RevierSport: „Das Problem: Keiner will weg!“ Es war mehr als ein Mosaikstein für das spätere Scheitern, für eine der frustrierendsten Spielzeiten in der Geschichte des VfL Bochum. Denn der monströs aufgeblähte Kader, überwiegend mit gerade zweitligareifen Ergänzungsspielern bestückt, verstellte nicht nur vielen Medien, den Fans und den Verantwortlichen den Blick für die Realität. Auch die Trainer verloren da den Überblick. Insgesamt ließ der VfL 33 Spieler auflaufen, niemand im Kader, der nicht seine Chance bekommen hätte. Aber kaum einer, der sie auch nutzte.

Man wird sich bescheiden müssen, als Fahrstuhlmannschaft vielleicht noch für längere Zeit zu gut für die zweite, aber zu schlecht für die erste Liga zu sein.

Spieler und Tore

Rein van Duijnhoven 33/0, Sebastian Schindzielorz 30/2, Yildiray Bastürk 29/4, Marijo Maric 27/8, Sergej Mandreko 23/0, Slawo Freier 22/1, Zoran Mamic 21/0, Peter Peschel 20/3, Damir Milinovic 20/0, Mirko Dickhaut 20/0, Delron Buckley 19/2, Martin Meichelbeck 19/0, Frank Fahrenhorst 18/2, Michael Bemben 17/0, Zdravko Drincic 16/3, Sören Colding 16/0, Hilko Ristau 13/0, Thomas Reis 12/3, Thomas Christiansen 12/1, Axel Sundermann 12/0, Henryk Baluszynski 11/0, Thomas Stickroth 10/0, Samir Toplak 10/0, Achim Weber 9/1, Rouven Schröder 8/0, Olaf Schreiber 7/0, Ante Covic 5/0, Mike Rietpietsch 5/0, Christian Vander 2/0, Thomas Ernst 1/0, René Müller 1/0, Sascha Siebert 1/0

Van Duijnhoven

Colding (Reis) Milinovic Mamic Mandreko

Peschel Schindzielorz Bastürk

Freier (Drincic) Maric Buckley (Baluszynski)

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