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Die großen Erfolge

Borussia Dortmund Deutscher Vize-Meister 1949

Der Fußballwesten meldet sich zurück!

„Ein neuer Stern ist aufgeflammt im Fußballwesten. Er leuchtet gelb wie viele Sonnen. Ballspielverein Borussia 09 Dortmund, so ist sein Name, an Elbe Isar, Spree in vieler, an Rhein und Ruhr in aller Munde, heißt es im „Fußball-Jahrbuch 1948/49 über den spektakulären Aufstieg des BVB zum dominierenden Verein der noch jungen Oberliga West. In den ersten beiden Jahren hatte sich die Mannschaft jeweils die Westmeisterschaft gesichert und dabei den Altmeister Schalke 04 um Längen distanziert. Das Kraftzentrum des westfälischen Fußballs war vom Schalker Markt zum Borsigplatz gewandert und diese große Verkehrdrehscheibe im Nordosten der Stadt sollte 1949 zum Ausgangspunkt des geplanten Dortmunder Triumphzuges bis zur Deutschen Meisterschaft werden. Und schon gleich im ersten Spiel machten die Dortmunder Borussen deutlich, warum sie einer der ganz großen Favoriten auf den Titel waren, zumindest für das Endspiel war der BVB fest eingeplant.

Beim Berliner Meister, SV 92, gab es gleich zum Auftakt einen viel umjubelten 5:0-Erfolg vor 60.000 Zuschauern, die erkennen mussten, dass die Dortmunder der Heimmannschaft in allen Belangen überlegen waren. Vor allem in Sachen Kondition und Schnelligkeit lag der Vorteil bei den Schwarz-Gelben, die schon nach 17 Minuten mit 2:0 in Front lagen. Michalleks Schuss aus etwa zehn Metern sauste über Schadebrodt im Berliner Tor hinweg (3.). Erdmann erhöhte 14 Minuten später mit einem halbhohen Schuss aus 20 Metern Entfernung auf 2:0. Berlins Angriff dagegen wirkte umständlich und teilweise sehr hilflos in seinen Bemühungen. Die Dortmunder auf der anderen Seite bildeten eine sehr gut funktionierende Einheit, aus der besonders Schanko, Michallek und Preißler herausragten. Obwohl der BSV zwischenzeitlich besser ins Spiel kam, entsprach es durchaus dem Spielverlauf als Preißler in der 44. Minute nach einem Abpraller Erdmanns auf 3:0 erhöhte. Berlin war geschlagen. Erneut Michallek (77.) und Kasperski (83.) sorgten für den 5:0-Schlussstand. Nicht nur die fünf Treffer belegten die Dortmunder Überlegenheit, auch das Eckverhältnis von 10:1 sprach für sich.

Im Halbfinale kam es dann für viele zum vorweggenommenen Endspiel: der BVB traf auf den Vizemeister des Vorjahres, den 1.FC Kaiserslautern. Der BVB hatte allerdings an der Grünwalder Straße in München spielerisch keinen guten Tag erwischt. Die Walter-Elf bestimmte mit ihrer technischen Brillanz das Spiel, konnte aber die energisch kämpfende Borussia 600 Kilometer von der Heimat entfernt nicht schlagen. Das torlose 0:0 nach 120 Minuten war gleichbedeutend mit einem Wiederholungsspiel. Eine Woche später nahm die Auseinandersetzung vor 60.000 Zuschauer in Köln aber einen ganz anderen Verlauf. Der BVB schoss sich mit einem 4:1-Sieg und „durch eine Leistung, die man schlechthin grandios nennen muss, so die Sportzeitschrift „Der neue Start, ins Endspiel. Dabei hätte der Erfolg durchaus noch höher ausfallen können, denn Dortmunds Rechtsaußen Erdmann erzielte neben einem regulären Treffer auch drei Abseitstore. Die Fans störte es nicht. Sie stürmten nach dem Abpfiff den Kölner Rasen und verwandelten diesen in ein schwarz-gelbes Fahnenmeer. Auch die prominenten Beobachter dieser Partie waren von den Siegern angetan. Sepp Herberger erklärte: „Ein großartiges Spiel. Borussia hat den Westen glänzend vertreten. Das war Mannschaftsarbeit, die ich gerne sehe. Und bereits in Vorfreude auf den vermeintlich ersten großen Erfolg des westfälischen Fußballs nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges jubilierte Konrad Schmedeshagen, der Vorsitzende des Fußballverbandes Westfalen, selbstsicher: „Der Sieger von heute ist auch der Sieger vom Stuttgarter Endspiel!

Die Stuttgarter „Hitzeschlacht

Der Rahmen des Endspiels 1949 ließ das kommende Wirtschaftswunder erahnen: Stuttgart war im Endspielfieber. Bereits von Samstag an zogen Tausende von Anhänger durch die Schwabenmetropole, die des Abends in ein Lichtermeer getaucht schien. Am Sonntag erreichten 28 Sonderzüge aus allen Teilen Deutschlands die Stadt. Rekordverdächtige 92.000 Zuschauer versammelten sich schließlich zum größten Sportereignis nach Kriegsende im Neckarstadion, dessen Fassungsvermögen durch zusätzliche Nottribünen noch erhöht worden war. Auf den Fahnenmasten flattern die neuen DFB-Farben neben der neuen Bundesflagge und neben den schwarz-gelben der Borussen. Ein gutes Omen?

Bei brüllender Nachmittagshitze begann das Spiel pünktlich um 16 Uhr. Von Anfang an wurde deutlich, dass es die favorisierte Borussia gegen aufopferungsvoll kämpfende Mannheimer schwer haben würde. Anfangs läuft jedoch alles nach Plan: Michallek setzte sich energisch durch und sein abgeblockter Schuss landete beim reaktionsschnellen Erdmann, der zur frühen BVB-Führung vollendete (6.). Mannheims wütende Gegenangriffe führten zu einem Elfmeter in der 26. Minute, den Torhüter Rau in großartiger Manier abwehren konnte. Den Nachschuss klärte Koschmieder auf der Linie. Das Fußball-Glück schien schwarz-gelb zu tragen. In der 2. Halbzeit intensivierte sich die Auseinandersetzung zu einem Kampf auf Biegen und Brechen, in dem der BVB mehr und mehr Tribut zollen musste. Michallek, der sich bereits nach wenigen Minuten eine Fersenverletzung zugezogen hatte, humpelte nur noch über den Platz. Er quälte sich schließlich mit einem Schuh, den verletzten rechten Fuß nur mit einem Socken geschützt, bis zum Spielende. Schanko, der – wie später bekannt wurde – bereits angeschlagen in die Partie gegangen war, musste nach einem Zweikampf mit eingeschlagenen Zähnen sogar kurzzeitig vom Feld getragen werden. Die Dortmunder Mannschaft wurde mehr und mehr zum Torso. Die Konsequenz ließ nicht auf sich warten, denn in der 74. Minute erzielte Mannheim durch Löttke den Ausgleich. Doch die Borussen schafften es noch einmal zurückzukommen: Schanko spielte Erdmann frei, der an dem herausgeeilten Torhüter Jöckel vorbei dribbelte und schon die Arme jubelnd in die Höhe streckte bevor er den Ball ins leere Tor einschob (82.). Wer jetzt schon an den Titel geglaubt hatte, wurde nur zwei Minuten später aus seinen schwarz-gelben Träumen gerissen. Langlotz ließ sich die Chance zum Ausgleich nicht nehmen und schob die Kugel aus dreizehn Metern ins Tor. Verlängerung. Mit kaltem Wasser, Massagen und Zitronenscheiben versuchten die Betreuer, die völlig ausgepumpten Spieler wieder fit zu bekommen. Die Trainer redeten auf ihre Spieler ein, noch einmal alle Kräfte zu mobilisieren. In der 95. Minute dann eine Szene, die die Dortmunder Tragik geradezu versinnbildlichte: Michallek wurde nach einer schönen Kombination über Schanko und Erdmann freigespielt, aber er schaffte es aufgrund seiner Verletzung nicht mehr, den Ball aus acht Metern Entfernung auf das Mannheimer Tor zu treten. Verzweifelt schüttelte der sonst so torgefährliche Spieler den Kopf. Kurz nach dem erneuten Seitenwechsel folgte dann die Entscheidung in der 107. Minute: eine Flanke des Mannheimers Bolleyer nahm Ernst Löttke direkt aus der Luft. Verzweifelt warf sich Koschmieder noch in die Flugbahn, aber es war nichts mehr zu retten. 3:2 für die Badenser. Aber das Spiel war immer noch nicht zu Ende. Wieder kam Dortmund. Schüsse von Preißler und Erdmann wurden vom VfR-Torwart glänzend pariert. Dramatische Szenen spielten sich im Mannheimer Strafraum ab, als schließlich der Schlusspfiff alle Spieler erlöste. Damit war eines der dramatischsten Endspiele der deutschen Fußballgeschichte beendet. Der VfR Mannheim die „glücklichere Mannschaft und Borussia Dortmund „ohne Endspielglück hieß es später einhellig in der Presse über ein Spiel, das zwei Sieger verdient hätte. Die Borussen hatten jedenfalls alles gegeben, und die Menschen dankten es ihnen. Rund 80.000 begeisterte Anhänger versammelten sich am Dortmunder Bahnhof und am Hansaplatz und begleiteten die Mannschaft in einem Triumphzug durch die Stadt. Der BVB war für sie der ungekrönte Meister 1949.

Bild der fußballsport1949