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Die großen Erfolge

Borussia Dortmund Deutscher Vize-Meister 1961

Sensationsspiele gegen den HSV

Die Endrunde zur Meisterschaft 1961 begann gleich mit einem Paukenschlag! Obwohl man den Dortmundern in diesem Jahr nicht sonderlich viel zutraute, schlugen die Borussen gleich im ersten Gruppenspiel die favorisierten Hamburger mit 5:2, und das auch noch in der Fremde. Damit hatte im Vorfeld niemand ernsthaft gerechnet, denn der BVB war auch in der Oberliga West hinter dem starken 1.FC Köln nur Zweiter geworden. Doch der HSV um Uwe Seeler musste einsehen, dass der BVB stärker auftrumpfte als in so manchen Spielen zuvor. Dabei hatten die schwarz-gelben Kicker ihre 1:0-Führung (Elfmeter durch Kelbassa) kurz nach dem Beginn der zweiten Hälfte verspielt. Erst glich Werner per Weitschuss aus (41.), dann sorgte HSV-Idol Seeler für die schmeichelhafte Führung (48.). Doch das Rezept mit den vier pfeilschnellen Stürmern Kelbassa, Schütz, Cyliax und Konietzka aufzulaufen, sollte sich aus Dortmunder Sicht bezahlt machen. Erst erzielte Konietzka nach tollem Alleingang das 2:2 (67.), nur fünf Minuten später führte der Außenseiter mit 3:2 (Schütz hatte getroffen). Für die endgültige Entscheidung sorgte Cyliax in der 82. Spielminute. Den Schlusspunkt setzte der überragende Aki Schmidt fünf Minuten vor dem Abpfiff. Die Sensation war perfekt und auch in der Höhe absolut verdient.

Eine Woche später erwarteten die 43.000 Zuschauer in der gerammelt vollen Kampfbahn Rote Erde gegen den süddeutschen Zweiten Eintracht Frankfurt einen ähnlichen Kantersieg, aber das Spiel lief diesmal ganz anders. Die betont defensiv agierenden Gäste vom Main überließen den Westfalen das Mittelfeld und lauerten auf ihre Konterchancen. Bereits in der 15. Minute startete Erwin Stein einen Sololauf und dessen Schuss konnte Kwiatkowski nur abklatschen. Frankfurts Linksaußen Meier konnte so ohne Mühe den Ball zum Tor des Tages einschießen. BVB-Trainer Max Merkel ärgerte sich nach dem Schlusspfiff zurecht: „Heute war alles gegen uns. Schütz und Konietzka warteten zu lange mit ihren Schüssen.“ Aber es sollte auch in den folgenden beiden Spielen gegen den 1.FC Saarbrücken nicht besser werden. Zu Hause musste sich der BVB mit einem glücklichen Remis zufrieden geben. Zwar waren die Borussen drückend überlegen (18:2 Ecken!), doch nach einem 0:2-Rückstand bereits nach acht Minuten mussten die Hausherren mit dem enttäuschenden Remis glücklich und zufrieden sein. Eine Woche später setzte es in Saarbrücken sogar eine 3:4-Niederlage und alle schwarz-gelben Endspielhoffnungen schienen endgültig geplatzt zu sein.

Alles unklar in Gruppe 1!

Nach vier Spieltagen war in Gruppe 1 alles unklar. Kaum übernahm eine Mannschaft die Tabellenführung, folgte am nächsten Spieltag eine unerwartete Niederlage. So erging es schließlich auch der Frankfurter Eintracht am 5.Spieltag. Mit 5:3 Punkten standen die Hessen an der Tabellenspitze und konnten mit einem Heimsieg gegen den BVB einen maßgeblichen Schritt in Richtung Finale gehen. Durch Erwin Stein ging die Eintracht schnell in Führung und hatte durch einen Elfmeter die Chance, das Spiel zu entscheiden. Stopper Lutz schoss den Ball aber an den Pfosten. Der Wendepunkt des Spiels. Wenig später konnte Aki Schmidt für den BVB ausgleichen und aus einer sicheren Defensive heraus – Trainer Merkel hatte Kelbassa als Stopper eingesetzt –, gelang Wolfgang Peters sogar der 2:1-Siegtreffer. Plötzlich konnte der BVB wieder aus eigener Kraft ins Endspiel einziehen. Vor dem letzten Gruppenspiel ergab sich folgende Tabellensituation:

1.Hamburger SV12:126:4
2.Borussia Dortmund12:105:5
3.Eintracht Frankfurt8:75:5
4.1. FC Saarbrücken9:124:6

Der BVB musste also erstens den HSV schlagen und zweitens im Fernduell mit der Eintracht einen hohen Sieg herausschießen. Nach einer knappen 2:1-Halbzeitführung ging die Borussia in den zweiten 45 Minuten vor 45.000 begeisterten Zuschauern auf Torjagd – stets per Radio unterrichtet über den Stand im Saarbrücker Ludwigspark, wo die Frankfurter Eintracht ihrerseits einen möglichst hohen Sieg einfahren wollte. Drei BVB-Treffer in den letzten zehn Minuten machten den 7:2-Triumph und den Finaleinzug durch das bessere Torverhältnis amtlich. Frankfurts 5:2-Erfolg in Saarbrücken war schließlich gegenüber Borussias Torzauber nur Makulatur.

Ein enttäuschendes Endspiel

Die Erwartungen an das 50. Endspiel um die Deutsche Meisterschaft waren hoch: die Dortmunder Routiniers, bei denen mit Kwiatkowski, Burgsmüller, Peters und Kelbassa noch vier Spieler aus den Endspielen 1956 und 1957 standen, galten gegenüber der jungen Mannschaft des 1. FC Nürnberg als klarer Favorit. Der spektakuläre Sieg gegen den HSV verstärkte diese Einschätzung noch – und wohl auch die Dortmunder Selbstgewissheit, denn nach Presseberichten lieferten Mannschaft und Trainer eine nur sehr laxe und teilweise feucht-fröhliche Vorbereitung auf das Finale ab. Der BVB jedenfalls zeigte sich am Tag des Endspiels vor 82.000 Zuschauern im Niedersachsen-Stadion von seiner ganz schwachen Seite. „So geht dieses Endspiel in die Geschichte ein als eines der an Dramatik, an Spannung ärmsten, auch als eines der eindeutigsten“, resümierte der „Kicker“. Völlig verdient siegten die Franken mit 3:0. Schon nach fünf Minuten stand es 1:0 für den FCN, als Haseneder einen langen Pass von Zenger mit dem Kopf eindrückte. Kurz vor dem Pausentee fiel das vorentscheidende 2:0 durch Strehl. Damit war das Spiel aus Dortmunder Sicht bereits gelaufen, zumal sich die Schwarz-Gelben noch bei ihrem Torwart Kwiatkowski bedanken konnten, dass das Ergebnis nicht höher ausgefallen war. Aber in der 67. Minute konnte auch „Kwiat“ nichts mehr retten, Strehl schob zum 3:0-Endstand ein. Damit blieb den Borussen nicht nur der Meistertitel, sondern auch die Teilnahme am lukrativen Europa-Cup versagt. Doch die zahlreichen Fans ließen sich davon nicht mundtot machen, und der Gesang aus der BVB-Kurve war trotz der Pleite deutlich zu hören: „Aber eins, aber eins wird man schon sehen, die Borussia wird niemals untergehen.“

Bild 1961