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Die großen Erfolge

MSV Duisburg Vize-Pokalsieger 1966, 1975 und 1998

Dreimal kurz vor dem Ziel

Der MSV Duisburg und der DFB-Pokal: eine ganz eigene Geschichte. Dreimal standen die „Zebras“ im Endspiel, jedes Mal wurden sie noch auf der Zielgeraden abgefangen. Dabei begründeten sie im Lauf der Jahre eine große Tradition: das Endspiel 1998 war das insgesamt 100. Pokalspiel der Duisburger seit Einführung der Fußball-Bundesliga. Oft ging es dabei heiß zur Sache, wurden Partien erst in der Verlängerung oder im Wiederholungsspiel entschieden. Viermal mussten sie ins Elfmeterschießen. Nur einmal, am 18. Februar 1999, beim sagenhaften 10:9-Halbfinale in Trier hatten sie hier das Glück des Tüchtigen.

Viele Szenen blieben nachhaltig in Erinnerung. Beispielsweise das Halbfinale 1991, als Erich Rutemöller, der damalige Trainer des 1. FC Köln, den mittlerweile legendären Spruch „Mach et, Otze“ prägte. Im Wiederholungsspiel lag der Zweitligist aus Duisburg bereits mit 0:2 zurück, als der FC-Stürmer Frank Ordenewitz seine zweite gelbe Karte im laufenden Wettbewerb sah. Nach dem Reglement wäre er damit im nächsten Pokalspiel, also im Endspiel, gesperrt gewesen. Rutemöller gab „Otze“ grünes Licht, sich wegen Ballwegschlagens stattdessen lieber gleich die gelb-rote Karte einzuhandeln, denn deren Sperre hätte er als „persönliche Strafe“ sofort – in der laufenden Bundesligasaison – absitzen müssen. Ergo: er wäre im Pokal-Endspiel sechs Wochen später wieder spielberechtigt gewesen. Von dieser faulen Absprache bekam aber das DFB-Schiedsgericht Wind und hob die absichtlich herbeigeführte rote Karte wieder auf. Ordenewitz musste beim Finale zusehen. Neben derartigen Anekdoten stechen die Endspiel-Teilnahmen des MSV Duisburg besonders heraus: 1966, 1975 und 1998 gelang der Einzug ins Finale. Die begehrte Trophäe konnte allerdings kein Duisburger in Händen halten, denn jedes Mal setzte es eine Niederlage. Lediglich Bernard Dietz konnte den „Pott“ berühren. „Ich habe ihn 1975 kurz angefasst. So nah kam ich ja nie mehr heran. Es blieb ein Griff ins Leere“, erinnert sich „Enatz“.

Endlich ein hochklassiges Finale

Sternstunden und harte Arbeit wechselten sich beim MSV Duisburg – der Verein hatte zum 1. Januar 1966 seinen alten Namen Meidericher SV abgelegt – auf dem Weg ins Pokalfinale 1966 ab. Einer Glanzstunde beim 6:0-Sieg gegen Schalke 04 folgte im Viertelfinale gegen den Karlsruher SC ein mühsames 1:0, das vom Publikum mit lautstarken Pfiffen kommentiert wurde, die wiederum MSV-Trainer Hermann Eppenhoff in Rage brachten. „Was sollen die Pfiffe und die Würfe mit Sitzkissen! Es war mir klar, dass der KSC sich nicht noch einmal so hinrichten lassen würde. Aber auch wir hatten keinen Grund, unsere Abwehr zu entblößen und in einem Spiel von solcher Bedeutung Risiken einzugehen“, schimpfte er über die hohen Erwartungen, die sicherlich auch aufgrund eines 8:2-Sieges der Duisburger gegen den KSC kurz zuvor in der Bundesliga geweckt worden waren. Vier Wochen später waren bereits wieder alle Differenzen vergessen, und 30.000 Fans sahen einen packenden 4:2-Halbfinalsieg gegen den 1.FC Kaiserslautern. Das Finale gegen die Überraschungsmannschaft des Jahres, der FC Bayern München hatte als Bundesligaaufsteiger einen sensationellen 3. Platz belegt und herrlichen Offensivfußball zelebriert, versprach viel – und sollte alles halten. Anfangs ließen sich die Bayern von den routinierten Duisburgern den Schneid abkaufen, die durch Mielke mit 1:0 in Führung gingen. Die Freude über den Vorsprung hielt aber nur ganze drei Minuten an: Michael Bella und Keeper Manfred Manglitz waren sich nach einer Flanke nicht einig und Rainer Ohlhauser nutzt die Verwirrung per Kopfball zum Ausgleich aus. „Als wir gerade richtig ins Spiel kamen, fiel der vermeidbare Ausgleich. Das hat uns geschockt“, erinnert sich MSV-Kapitän Werner Krämer. Die Münchener kamen dagegen nach einer furiosen Kabinenansprache ihres Trainers Tschik Cajkovski („Meine Kinder, was ist los mit euch? Wenn ihr nicht spielen druckvoller, wie wollen dann gewinnen?“) mit neuer Motivation auf den Platz. Beinah zwangsläufig erzielte Dieter Brenninger die 2:1-Führung. Der MSV zeigte Moral und hielt dagegen. In den letzten zwanzig Minuten rückte Schiedsrichter Schulenburg in den Mittelpunkt des Spiels. Erst pfiff er einen fragwürdigen Elfer für den MSV, den Hartmut Heidemann sicher zum Ausgleich verwandelte. Fünf Minuten folgte ein erneuter Elfmeterpfiff, diesmal aber für die Bayern, als van Haaren Nafziger gelegt haben soll. Eine Konzessionsentscheidung? Brenninger war es egal. Er verlud Manglitz und verwandelte sicher zum 3:2. Am Ende stellte der junge Bayern-Libero Franz Beckenbauer mit einem herrlichen Sololauf den 4:2-Endstand her. Das Publikum bejubelte nach diesem mitreißenden Endspiel Sieger wie Verlierer. Und in zweifacher Hinsicht gab es auch für den MSV noch Trost: Während „Pille“ Gecks nach dem Abpfiff erfuhr, dass er Vater von Sohn Michael geworden war, gelang es Manfred Manglitz, den Endspielball zu entwenden.

Ein „Glückstor“ entscheidet

Neun Jahre später konnten sich die „Zebras“ erneut fürs Finale qualifizieren. „Dieses Endspiel wog schwerer. 1966 hatten wir das Glück von vier Heimspielen. 1975 mussten wir uns aber in München und Bremen behaupten“, erzählt Defensivkraft Michael Bella, der als einziger Duisburger schon im Endspiel 1966 dabei war. Besonders der 3:2-Sieg in München symbolisierte, dass in Deutschland eine große Fußball-Dekade vergangen war. Hatten Bella und der MSV 1966 noch gegen die junge, aufstrebende Achse „Maier/Beckenbauer/Müller“ das Nachsehen gehabt, präsentierten sich im Februar 1975 ausgebrannte Weltmeister. Im Halbfinale kam es zu einem Geschichtstreffen ganz anderer Art. Vor 34.000 Zuschauern sah Borussia Dortmund lange Zeit wie der sichere Sieger aus, bevor Walter Krause mit seinem Treffer zwei Minuten vor Schluss die Verlängerung erzwang, in der Bernhard Dietz schließlich den Siegtreffer markierte. Die Pointe daran ist nur, dass der BVB damals in der Zweitklassigkeit versunken war.

Titelverteidiger Eintracht Frankfurt ging mit den beiden Weltmeistern Bernd Hölzenbein und Jürgen Grabowski als Favorit in das Endspiel, aber zur Überraschung der Zuschauer übernahm der MSV sogleich die Initiative und erspielte sich bei anfangs tropischen Temperaturen tolle Chancen, aber man haderte mit dem Schussglück. In der 2. Halbzeit setzten plötzlich wolkenbruchartige Regenfälle ein. Auf dem rutschig gewordenen Boden entwickelte sich ein va banque-Spiel. Bernd Lehmanns Kopfball landete am Pfosten. „Der Pfosten war nass und rund. Deshalb kam der Ball wieder raus. Ich dachte, das gibt’s doch nicht“, beschreibt Lehmann die Szene. Auf der anderen Seite hatte die Eintracht mehr Glück: MSV-Torhüter Dietmar Linders konnte einen Ball aufgrund der Nässe nicht richtig fassen, und „Charly“ Körbel reagierte am schnellsten und köpfte zum 1:0 für die Eintracht ein. „Ein Glückstor“, wie er später zugab. Der MSV gab nicht auf, stürmte weiter. Fünf Minuten vor dem Abpfiff setzte sich Ronny Worm auf der linken Seite durch, scheiterte aber in zwei Versuchen am Eintracht-Keeper Wienhold. „Beim Gedanken an diese Szene wird mir heute noch schlecht“, erinnert sich Worm. Es blieb beim 0:1, und Michael Bella erkannte nach dem Spiel, dass „der Traum vom Pokalsieg für Detlef (Pirsig) und mich vorbei ist. Wir können nicht mehr neun Jahre bis zum nächsten Finale warten.“ Bekanntlich sollten es sogar 23 Jahre werden, bis der MSV wieder im Endspiel stand.

Typisch Bayern!

Am 16. Mai 1998 gab es im Berliner Olympiastadion ein Wiedersehen mit dem FC Bayern München. MSV-Coach Friedhelm Funkel vertraute exakt der gleichen Elf, die den Bayern zwei Wochen zuvor beim 0:0 in der Bundesliga die Meisterschaft madig gemacht hatte. Bereits kurz nach dem Anpfiff hatten die zahlreichen MSV-Fans den Torschrei auf den Lippen. Nach einem Fehlpass von Thomas Helmer war Uwe Spies plötzlich auf und davon. Der Stürmer umspielte Bayern-Keeper Oliver Kahn, legte sich den Ball aber zu weit vor und geriet ins Stolpern. Die erste Hälfte in Berlin gehörte eindeutig den Duisburgern. Nach zwanzig Minuten brachte das beherzte Auftreten endlich auch eine Resultatsveränderung: Uwe Spies spielte seinem Sturm-Kollegen Bachirou Salou den Ball direkt in den Lauf und der erzielte mit einem satten Schuss das 1:0. Das Auftreten der Bayern konnte Trainer Giovanni Trapattoni nicht zufrieden stellen und bereits nach einer halben Stunde korrigierte er seine Anfangself und brachte mit Carsten Jancker und Thorsten Fink zwei Leute von der Bank. Nach dem Wechsel wurden die Duisburger in der eigenen Hälfte eingeschnürt. Eine Vorentscheidung fiel vielleicht in der 66. Minute. In Folge einer bösen Grätsche von Michael Tarnat musste Salou, bis dato Duisburgs bester Konterspieler, ausgewechselt werden. Pech allerdings, dass der Ausgleich ausgerechnet in der Phase fiel, als die Münchener Drangperiode beendet schien. Markus Babbel nutzte eine Unsicherheit in der MSV-Deckung und schoss aus kurzer Distanz zum 1:1 ein. Als alles schon auf die Verlängerung hindeutete, kam die unheilvolle 89. Minute. Mario Basler schlenzte einen Freistoß aus halblinker Position zum 2:1 ins Tor: typisch Bayern. Das Finale war gelaufen. Trotz der Niederlage wurde der MSV nach tollem Kampf gebührend gefeiert, und immerhin brachten wenigstens die Frauen einen Pokal mit in die Heimat: im Finale gewann der FCR Duisburg mit 6:2 gegen den FSV Frankfurt.

Tags darauf, am 17. Mai 1998, wurden beide Mannschaften von 20.000 begeisterten Fans auf dem König Heinrich-Platz in Duisburg in Empfang genommen.

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