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Die großen Erfolge

FC Schalke 04 Qualifikation für den UEFA-Cup 1996

1996: FC Schalke 04

Im Frühjahr 1995 sorgte „auf Schalke“ eine ganz unsportliche Meldung für Aufsehen: Der DFB erteilte dem Verein die neue Lizenz für die Saison 1995/96 erstmals seit zehn Jahren ohne Auflage. Die Konsolidierung durch Manager Rudi Assauer zeigte die ersten Früchte. Die Bilanz für das Geschäftsjahr 1994/95 wies einen Umsatz von 37,6 Mio. DM und einen Reingewinn von 3,75 Mio. DM aus. Die Schulden beliefen sich „nur“ noch auf 8,3 Mio. DM, und in der neuen Saison sollte das Umlaufvermögen die Verbindlichkeiten wieder abdecken. Dabei setzten sich die Einnahmen des Vereins zu je einem Drittel aus Zuschauereinnahmen, Werbung und TV-Geldern zusammen.

Bei einer solchen finanziellen Situation war sogar eine sportliche Verstärkung möglich, ohne sofort wieder die ökonomische Substanz zu gefährden. Dass dabei kein „Star“ neu verpflichtet wurde, wirkte sich sogar positiv auf das Mannschafts- und Gehaltsgefüge aus. Zur Behebung der Sturmmisere wurde aus Gladbach der dort zuletzt nur als Reservist eingesetzte Martin Max geholt (1,2 Mio. DM) und aus Duisburg der offensive Mittelfeldmann Uwe Weidemann (ebenfalls 1,2 Mio. DM). Hinzu kamen noch Tom Dooley, Frank Schön, David Wagner und Oliver Held. Die bisherigen Stammspieler bekamen somit nach dem Willen von Trainer Berger Konkurrenz, da von ihnen nur Hendrik Herzog den Verein in Richtung Stuttgart verließ (1,8 Mio. DM). Schalke als solider „Musterknabe der Liga“? Da staunte die Konkurrenz ungläubig – und noch mehr als der S04 mit dem neuen Kapitän Olaf Thon einen verdienten 1:0-Auswärtssieg in Köln einfuhr. Fortan setzte sich die Mannschaft wochenlang zwischen Tabellenplatz 6 und 9 fest. Dabei gab es fußballerische Momente, die die blau-weißen Fans endlich wieder in Entzückung versetzten: in Hamburg verlängerte Martin Max einen Lehmann-Abschlag volley ins Tor; beim Auswärtssieg in Freiburg schlug vorne der unvergessene Youri Mulder zu, während hinten Jens Lehmann eine Weltklasse-Leistung ablieferte – erstmals forderten ihn die Schalker als (mindestens) dritten Nationaltorwart. Eine Serie von acht ungeschlagenen Spielen beendete ausgerechnet der BVB. Nach der Führung durch Mulder gab es Großchancen für Anderbrügge, Linke und Max; Ricken schoss vor der Pause den Ausgleich, und erst in letzter Minute erzielte Zorc das glückliche Siegtor. Die erste Auswärtsniederlage folgte prompt: In Mönchengladbach sorgten drei Dahlin-Tore für eine 1:4-Niederlage. Aber man fing sich wieder und belegte am Ende der Hinrunde mit fünf Punkten Vorsprung den 8. Tabellenplatz – nur ein Pünktchen hinter einem UEFA-Cup – Rang. Noch gehörte dieser Begriff aber zu den verbotenen Worten, denn Jörg Berger wollte nicht zu denen gehören, die viel versprachen und nur Enttäuschung ernteten. Welch ein Wandel auf Schalke!

Träume zu Weihnachten

Dennoch – in der langen Winterpause reiften bei den Fans die Träume. Und für Schalke dauerte sie wegen des harten Winters besonders lang. Erst am 24. Februar begann für den S04 die Rückrunde mit einem 2:0-Sieg in Düsseldorf; dann folgte ein 3:0 gegen den HSV. Das Nachholspiel gegen die Kölner endete 0:0, und der KSC wurde dank eines Mulder-Tores mit 1:0 besiegt. Da der Vertrag des Holländers auslief, begann der Vertragspoker. Mulder hatte in der vergangenen Saison die taktischen Entscheidungen des Trainers kritisiert, was dieser ihm übel nahm und beim Vorstand neben einer Geldstrafe auch eine Reduktion von Mulders Vertragslaufzeit durchgesetzt hatte. Feyenoord Rotterdam zeigte großes Interesse, aber schließlich wurde der beliebte Stürmer mit einem Vertrag bis 2001 langfristig an den Verein gebunden. Solche Verträge waren nach dem Bosman-Urteil, das Ablösesummen für Spieler nach dem Auslaufen ihrer Verträge für rechtswidrig erklärt hatte, die einzige Möglichkeit, Abwanderungen zu verhindern. Sportlich lief es weiter famos: Ein grandioser 3:0- Heimsieg gegen den SC Freiburg heizte die Euphorie noch weiter an. Inzwischen waren die Knappen auf Platz vier geklettert. Beim 0:0 in Kaiserslautern, wo der Ex-Schalker Friedel Rausch gerade entlassen und von Eckhart Krautzun abgelöst worden war, hielt Jens Lehmann wieder weltmeisterlich- selbst einen Elfmeter des Torschützen der WM 1990, Andy Brehme, wehrte er ab. Am Ende der Saison sollten den Lauterern diese Punkte fehlen. Nach 33 Jahren Bundesligazugehörigkeit stiegen sie zusammen mit Frankfurt und Uerdingen ab. Und das, obwohl die Pfalz ohne FCK fast so wenig vorstellbar ist wie das Revier ohne Schalke. Im Gedächtnis aber bleibt nicht dieses Spiel, sondern die Blamage der Schalker am folgenden Spieltag. Beim letzten Spiel von Rudi Völler im Parkstadion gingen die Leverkusener nach wenigen Minuten in Führung, dann aber wurden drei von ihnen vom Platz gestellt. Doch den Schalkern gelang kein Tor. Ohne Ideen und Erfolg rannten sie mit nie da gewesener zahlenmäßiger Überlegenheit gegen eine Mauer an. Erst in der allerletzten Minute gelang David Wagner der schmeichelhafte Ausgleich.

Theoretische Chancen erhalten

Beim BVB, der sich in diesem Jahr wieder ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit den Bayern lieferte, gab es erneut ein langweiliges 0:0. Gegen den Tabellendritten Mönchengladbach sah die Mannschaft eine Woche später lange wie der sichere Verlierer aus. Doch in einer herrlichen zweiten Halbzeit machten die Schalker aus einem 1:3-Rückstand noch ein 3:3-Unentschieden. Dass ausgerechnet der Ex-Gladbacher Max das entscheidende dritte Tor erzielt, war für ihn ein Moment besonderer Genugtuung. Nach einer Niederlage in St. Pauli gab Trainer Berger vor dem 31. Spieltag endgültig seine Zurückhaltung auf und formulierte angesichts der Tabellensituation als neues Saisonziel: Teilnahme am UEFA-Polkal. „Wir haben es selbst in der Hand“, feuerte er seine Spieler an. Und die hatten zugehört! Der VfB Stuttgart wurde mit 2:0 geschlagen, in Frankfurt ein 3:0-Sieg eingefahren. Und auch beim Nachholspiel in Rostock, ein direkter Konkurrent um die lukrativen europäischen Plätze, gelang ein Sieg. Nachdem Büskens den Ausgleich geschafft hatte, verwandelte Ingo Anderbrügge in letzter Minute einen Foulelfmeter.

Am 33. Spieltag folgte das Spiel gegen die Bayern, das nicht nur über den UEFA-Pokalplatz entschied, sondern auch die mögliche Meisterschaft der Dortmunder vorzeitig klar machen konnte. In München hatte Franz Beckenbauer Trainer Otto Rehhagel geschasst, aber nur ein Sieg in Schalke bei gleichzeitiger Mithilfe der Sechziger, die in München gegen den BVB antraten, konnte seinen Meisterschaftsplänen noch Hoffnung geben. Der Rückkehrer Olaf Thon brachte die Königsblauen mit einem herrlichen Tor in Führung: Nach einem Alleingang über das halbe Feld landete der Ball, unhaltbar für Kahn, aus 18 Metern im Winkel. Thomas Strunz glich noch kurz vor der Pause aus. In der 2. Halbzeit neutralisierten sich beide Mannschaften. Als in München abgepfiffen wurde, hatten die Dortmunder gegen 1860 ein Remis erreicht: die Meisterschaftsentscheidung schien vertagt. Plötzlich durchdrang in der berühmten Radiokonferenz auf WDR 2 ein Schrei den Äther. Im Parkstadion hatte der eingewechselte Andreas Müller in der 90. Minute eine Flanke von Uwe Scherr unhaltbar ins Netz geköpft. Dortmund war Meister und Schalke im UEFA-Pokalwettbewerb! Unbeschreibliche Euphorie im Parkstadion, wo die Mannschaft gefeiert wurde wie lange nicht mehr. Und Franz Beckenbauer wurde von den Fußball-Fans des Reviers zum „Vize, Vize-Kaiser-Franz“ degradiert.

Das letzte Spiel in Bremen hatte dann nur noch statistischen Wert, aber 10.000 mitgereiste Fans ließen es sich nehmen, ihre Mannschaft zu feiern.

Schalke gewann mit 2:1 und hielt damit als beste Mannschaft der Rückrunde den vollkommen unerwarteten 3. Tabellenplatz.

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