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Die großen Erfolge

FC Schalke 04 Pokalsieger 2002

Pokalträume & Abschiede

Schalke und der Pokal. Das war in der Vergangenheit eine blau-weiße Leidensgeschichte. Schon die Knappen um Ernst Kuzorra gewannen von ihren fünf Pokalendspielen nur ein einziges. Als der DFB-Pokal dann die Nachfolge des Tschammer-Pokals antrat, änderte sich vorerst nichts an der unglücklichen Tradition: Die Endspiele 1955 (2:3 gegen den Karlsruher SC) und 1969 (1:2 gegen den FC Bayern München) wurden wieder verloren, aber wenigstens galt das Erreichen des Finales überhaupt als Zeichen einer wiedererstarkten Schalker Mannschaft. Gerne war für die Knappen der unterschiedlichsten Generationen im Pokal auch schon vorher Schluss. Nur 1972 glänzte die Elf um Kapitän „Stan“ Libuda und brachte den DFB-Pokal zum ersten Mal an den Schalker Markt. Aber mit dem Schritt ins 21. Jahrhundert schrieb Schalke eine andere Pokalgeschichte und wurde 2002 wie bereits im Jahr zuvor erneut DFB-Pokalsieger. „Ich denke, dass ich es erst im Laufe der nächsten Tage begreifen kann, was hier passiert ist“, konnte Huub Stevens nach dem für ihn letzten Abpfiff als Trainer der Gelsenkirchener sein Glück noch nicht fassen. Für den Holländer schloss das Kapitel FC Schalke mit einem wunderbaren Erfolg: „Es ist ein Traum, sich mit einem Titel zu verabschieden“, meinte Stevens mit Freudentränen in den Augen.

Wie aus einem Drehbuch

Dabei sah es im Berliner Olympiastadion anfangs gar nicht nach einem Erfolg der Schalker aus. Ganz im Gegenteil: Bayer Leverkusen, die spielerisch mit Abstand beste Mannschaft der Saison, schien das Drama der verlorenen Meisterschaft überwunden zu haben und drängte die blau-weißen mit tollem Offensivfußball in die Defensive. Die Führung durch Berbatov schien da nur eine logische Konsequenz der Leverkusener Überlegenheit. Bis wieder einmal Jörg Böhme einen seiner genialen Momente hat: kurz vor der Halbzeitpause sorgte er mit einem Freistoß direkt in den Torwinkel für den überraschenden Ausgleich. „Der Böhme ist unglaublich, er hat es wieder getan“, staunte Stevens, der wie sein Kollege Klaus Toppmöller das Ende der Partie von der Tribüne aus verfolgen durfte, über die Unberechenbarkeit seines Mittelfeldspielers.

Nach dem Wechsel übernahm nunmehr Schalke 04 die Initiative, und Ebbe Sand und Victor Agali zwangen Bayers Torhüter Hans-Jörg Butt zu glänzenden Paraden. Aber auch sein Gegenpart Oliver Reck entschärfte noch einen gefährlichen Schuss von Bernd Schneider. Dann aber die Entscheidung des Spiels mit einem Doppelschlag: Ein schneller Konter landete bei Agali, der Lucio im Zweikampf stehen ließ und überlegt ins lange Eck „einnetzte“. Drei Minuten später erhöhte Andy Möller auf 3:1. Bayers Gegenwehr schien gebrochen (- vielleicht auch angesichts des vier Tage später stattfindenden Champions League-Finales gegen Real Madrid, dass die Werkself unglücklich mit 1:2 verlor). Per Konter über die rechte Seite flankte Vermant fünf Minuten vor Schluss in den Strafraum, wo Ebbe Sand zum 4:1 einköpfen durfte. Ulf Kirsten betrieb schließlich nur noch Ergebniskosmetik. „Wir haben gezeigt, welche Klasse wir besitzen“, brachte Oliver Reck nach seinem letzten Spiel als erster Torwart des FC Schalke stolz zum Ausdruck, was zumindest in der 2. Halbzeit alle gesehen hatten. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Gerd Clement wollte mit seinem Lob dann natürlich nicht außen vor stehen: „Der Schalker Sieg hat gezeigt: Im Ruhrgebiet wird der deutsche Spitzenfußball gespielt. Die erfolgreiche Titelverteidigung ist ein weiterer Beweis für die Klasse und die Moral der Mannschaft.“

Der schiefe Pott von Schalke

Am nächsten Tag fand wieder die obligatorische blau-weiße Party in Gelsenkirchen statt, die nicht weniger exzessiv ausfiel als vor einem Jahr an gleicher Stelle. Auf einem offenen Tieflader wurden die Pokalsieger von der Geschäftsstelle an der Arena AufSchalke zum offiziellen Empfang der Stadt in die City gebracht – vorbei an 100.000 jubelnden Fans. Für etliche Spieler, darunter auch Torwart Oliver Reck, Olaf Thon und eben Trainer Huub Stevens, war die Jubelfeier gleichzeitig ein Abschiedsfest. Der Holländer brachte dann in seinem radebrechenden Deutsch seine Gefühle auf den Punkt: „Meinen Sie, dass man sechs Jahre so einfach wegtut?“ Auch Rudi Assauer hatte schon in der langen Berliner Nacht mit den Worten „Es tut so weh...“ den Abschied der verdienten Kräfte eingeleitet, aber ganz gefasst schien er am nächsten Tag immer noch nicht gewesen zu sein: Bei der Fahrt durch die Stadt glitt der Pott dem Manager aus der Hand und knallte aufs Pflaster der Kurt-Schumacher-Straße. Hoffnungslos verbeult bekam er ihn wieder zurück.

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